#088 Eine echte Waffe in meiner Hand?!

Wie es sich anfühlt mit einer echten Schrotflinte zu schießen, das erfahrt ihr hier im Bericht vom Sonntag den 29.04.

Der Tag begann ganz normal am Morgen, wann auch sonst? :D nach einem guten Frühstück, bereiteten John und ich den Wohnwagen für unseren anstehenden Campingtrip vor. Darüber berichte ich aber im nächsten Blogeintrag. Nachdem wir den Wohnwagen aus seinem Winterschlaf befreit hatten, war es auch schon Mittag und das Hauptevent des Tages stand an.
Niki und ich stiegen in ihr Auto und fuhren los, zwischen durch sammelten wir noch Greg auf und es ging in Richtung Auburn. Es ist immer wieder schön mit den beiden unterwegs zu sein, da ich dadurch einen sehr guten Einblick in die Welt der jungen Amerikaner bekomme. Aber wohin ging es denn eigentlich? Es ging ein weiteres Mal zum Trap Shooting / Tontaubenschießen, diesmal sollte ich aber nicht nur ein Zuschauer bleiben , sondern durfte es selbst mal ausprobieren. Zum Glück war es nicht so voll am Schießstand und wir hatten genügend Zeit für meine erste Erfahrung mit einer echten Waffe. Nachdem wir eine Runde (25 Tauben) an der Kasse gekauft hatten, was übrigens nicht so ectrem teuer war, es waren "nur" 6 Dollar. Gaben mir Niki und Greg eine kurze aber ausführliche Einweisung in die Handhabung einer Schrotflinte, wie man sie trägt,wie man sie lädt/ entlädt, wie man sie später hält und wie wie man schlussendlich einen Schuss abgibt. Ich legte meine Ohrenschützer und meine Schutzbrille an und dann ging es auch schon für mich auf die Schießbahn. Und ganz ehrlich, ich war aufgeregt! Ich wusste konnte mir nicht vorstellen wie es ist einen Schuss aus einer Waffe abzugeben, ich wusste nur, dass ich die Regeln befolgen musste und ich vermutete einen starken Rückstoß, der mich direkt an der Schulter treffen würde. Aber man kann es nie herausfinden, wie es wirklich ist, wenn man es nicht ausprobiert. Und so stellte ich mich vorne an die Kante, lud meine Schrotflinte, legte sie an und ging nochmal alle Schritte durch. Um die Taube aus ihrem Häuschen zu locken, ruft man laut "Pull" und der Computer schießt eine Tontaube in einem variablen Winkel aus dem Haus. Ich legte meinen Finger auf den Abzug und rief Pull. Ich sah die Tontaube fliegen und drückte ab. Zu diesem Zeitpunkt ging ein unbeschreibliches Gefühl durch meinen Körper. Einerseits merkte ich, wie der Rückstoß der Waffe meine Schulter berührte und andererseits war ich fast schon erschrocken wie schnell und einfach es war die Waffe abzufeuern. Und ganz ehrlich, ich hätte gedacht, dass mir der Rückstoß der Waffe die Schulter weghaut, aber es war viel weniger als ich erwartet hatte. Und natürlich hatte ich beim ersten Schuss die Taube weit verfehlt. :D Und nachdem ich die Waffe entladen hatte und die leere Hülse aus dem Lauf sprang gab es erstmal ein paar Tipps von Niki. Es ist nämlich so, dass man als Sportler kein direktes Feedback bekommt. Entweder du triffst oder du weißt nicht wo du daneben geschossen hast, da die kleinen Kugeln so schnell fliegen, dass man sie gar nicht sieht. Übrigens schießt man nicht mit irgendwelchen Sondernpatronen im Tontaubenschießen, sondern mit ganz normalen Blei gefüllten, die auch Menschen verletzen könnten. Deshalb gilt: Immer den Finger weg vom Abzug. Es soll schon Menschen gegeben haben, die sich aus Versehen in den Fuß geschossen haben. Nach vielen weiteren verfehlten Schüssen folgte irgendwann ein Treffen. Die Taube zerbarst in der Luft und es war krasses Gefühl. Irgendwie ein Gefühl von Erfolg und auch etwas Erleichterung, aber ein sehr gutes Gefühl. :) Nach den 25 Tontauben war meine Runde auch schon vorbei. Wobei ich auch sagen muss, dass am Ende die Schrotflinte echt schwer wurde, für mich als ungeübten Anfänger. Aber trotzdem habe ich ein fantastisches Ergebnis geschossen. 6 aus 25 Tontauben habe ich getroffen, was für einen Anfänger gar nicht schlecht sein soll :) Niki schießt immer so 23 aus 25 und Greg ist teilweise noch besser. Die beiden betreiben den Sport aber auch schon ein paar Jahre. Zu Schluss säuberten wir noch den Platz von leeren Hülsen und ich konnte mir eine leere Hülse als Souvenir mitnehmen :)
Zusammenfassend kann ich nun verstehen, warum einige diesen Sport in den USA, aber teilweise auch in Deutschland betreiben. Es ist eine interessante Kombination aus körperlichen Fähigkeiten (Waffe ruhig halten etc.) und geistigen Fähigkeiten, da man immer Ruhe bewahren und sich nur auf die Tontaube konzentrieren muss. Auch das motivierende Gefühl, wenn man eine Taube trifft, ist sehr angenehm. Nun kann ich auch verstehen, warum Amerikaner Waffen für Sport etc. haben. Was mir aber immer noch nicht ganz klar ist, ist das reine Besitzen von Waffen. Aber das ist ein anderes Thema in Amerika.
Mit einem guten Gefühl ging es weiter zum nächsten Tagespunkt. Ein paar Kilometer weiter wohnen die Großeltern von Niki und da diese einerseits Greg mal kennen lernen wollten aber andererseits mich auch mal treffen wollten, besuchten wir sie. Wie ihr ja wahrscheinlich aus meinen früheren Blogeinträgen erfahren habt, sind alle meine Gastgeber nicht gerade arm. Aber was wir nun erleben sollten, toppte alles was ich je gesehen habe. Als wir auf das Grundstück einbogen, sahen wir schon ein großes Haus und parkten direkt davor. Uns begrüßten Cliff und Janine, die Großeltern von Niki und die Eltern von Mimi. Beide sind wirklich sehr nett und zeigten uns dann ihr Anwesen. Das Haus war sehr schön und etwas auf alt eingerichtet. Angefangen haben wir in den riesigen Schlaf und Badezimmern, weiter ging es in die große Küche, dem Zentrum des Hauses. Am Ende des Hauses gab es noch ein Partyzimmer, was von der Grundfläche bestimmt schon größer war, als unser Wohnzimmer+Küche und Flur. Dort hangen große Fernseher, eine Bar war in einer Ecke und es gab sogar eine kleine Empore, auf der noch mehr Platz war. Von dort aus hatte man auch einen schönen Ausblick über das Grundstück. Was nebenbei gesagt 21 acre groß ist. Damit konnte ich nicht sehr viel anfangen, bis ich es in eine mir wohlbekannte Einheit umrechnete. 21 acre sind 85.000 Quadratmeter, was für mich schon unglaublich groß ist. Das ist eine quadratische Fläche von fast 300 x 300 Metern. Weiterhin muss ich meine Aussage über Kristens Grudstück nochmal berichtigen. Es sind nicht 5 Hektar, sondern 5 acre. Aber zurück zu Nikis Großeltern, denn der Rundgang war noch nicht vorbei. Weiter ging es zu der Sammlung von Cliff. Er hat einige Autos in seiner Garage stehen. Angefangen haben wir in einem "kleinem" Carport, direkt am Haus, indem 3 Autos standen. Ein großes Truck, ein Chevrolet El Camino Oldtimer und ein kleiner Buggy, der benutzt wird um auf dem Grundstück hin und her zu fahren. Aber das war natürlich noch nicht alles. Wir liefen eine kleine Straße entlang und gelangen an eine weitere große Garage. Dort standen weiter 6 (vielleicht auch mehr) Autos und Trucks. Zum Beispiel ein Truck mit Hebebühne, der dafür verwendet wird, zu Weihnachten die Lichter an einen Baum zu bringen. Weiterhin stand da noch ein Oldtimer, der in einer Plastikluftlase geschützt vor der Umwelt war. Weiterhin konnte ich noch einen Truck erblicken, einen alten Mercedes SL500 und mein persönliches Highlight. Einem weißen Audi R8 mit V8 Motor. Leider war der aber oben auf einer Hebebühne und geschützt mit einem Tuch. Damit war die Tour aber noch nicht vorbei. Weiter ging es zu der Poolarea und zum Schluss wieder in die Küche, wo es für alles was zu trinken gab und eine gute Unterhaltung mit uns allen. Natürlich kam auch das Thema Politik auf und man merkte, dass die beiden doch sehr konservativ sind. Aber natürlich jeder wie er mag.
Nun fragt ihr euch wahrscheinlich,wo all das Geld herkommt bzw. herkam. Soweit ich das verstanden habe, war Cliff an der Entwicklung von verschiedenen Teilen aus der Computerhardware im Silicon Valley beteiligt. Beispielsweise auch an den ersten HDDs etc. Deshalb vermute ich, dass daher all das Geld kommt, genau gefragt habe ich aber nicht. Schlussendlich war es ein unglaubliches Erlebnis. Ich glaube ich habe noch nie so viel Reichtum auf einem Platz gesehen und wahrscheinlich habe ich es nicht annähernd so unglaublich beschreiben, wie es wirklich war....

Danach fuhren wir drei wieder Richtung Granite Bay. Zwischendurch machten wir noch halt bei Taco Tree, einem Fastfoodladen der sich auch mexikanisches Essen spezialisiert hat. Und obwohl es für amerikanische Verhältnisse extrem billig war, war es nicht schlecht und sättigen. Später gingen wir noch zusammen in eine Mall, da Greg noch eine Krawatte für den Abschlussball von Niki brauchte und Niki selber noch Schuhe.
Zuhause angekommen, ging es dann wieder ganz normal weiter. Es gab Abendessen, wir schauten noch die neuste Folge von Trust und dann war ich so müde, dass ich ins Bett ging.

Viele Grüße
Niklas

PS:
Auf den Bildern werdet ihr wahrscheinlich merken, dass ich beim Schießen zwei verschiedene Outfits anhabe. Das liegt daran, dass ich am Mittwoch (02.03) nochmal beim Trap Shooting war. Diesmal war offizieller Trainingstag und ich schoss mit den Jungs aus Nikis Verein. Natürlich waren diese besser als ich, aber ich konnte mein erstes Ergebnis fast halten. Diesmal schoss ich 5 aus 25 und bekam zusätzlich noch weitere Tipps vom Trainer.

Kommentare

Hallo Niklas,
wir hatten schon auf dn nächsten Blog gewartet und dieser hat sich auch wieder sehr gut gelesen. Nicht nur das Land hält neue Einsichten für dich bereit auch die Familien, bei denen du wohnen darfst und die du besuchst. Schön zu lesen, wie du es beschreibst.
Die Quote der getroffenen Tontauben kann sich doch schon sehen lassen. Bestimmt auch ein Erlebnis, welches du so schnell nicht vergisst.

PS: Wir müssen uns mal um deinen Rückflug nach San Francisco Gedanken machen. Wann fliegst du in SF Richtung Island ab?

VG
Heute kommen noch O&O und K&T. Es gibt reichlich Spargel!