#094 Mein Wochenende im Süden von Utah

Freitag hat es wirklich geregnet, hier in SLC und wie ich im letzten Bericht schon erwähnt habe, regnet es hier maximal 30 Tage im Jahr. Ich hatte also mal wieder richtig Glück mit dem Wetter, so wie damals in Los Angeles :D Dafür konnte ich aber den Tag nutzen um meinen Blog wieder auf den neusten Stand zu bringen und andere Dinge zu machen. Zum Mittagessen gingen wir dann, durch den Regen, zu einem Inder, was erstaunlich leckeren und schön scharf war. Beim Essen trafen wir auch einen Freund von Ralph, der komischerweise etwas Deutsch konnte. Irgendwie hat fast jeder den ich hier treffe eine Verbindung nach Deutschland und kann ein paar Brocken Deutsch oder hat mal für kurze Zeit bei uns gelebt. Es ist zwar ganz schön ein paar Worte Deutsch zu sprechen und zu hören aber Deutsch kombiniert mit einem amerikanischen Akzent ist komisch. Nach dem Essen holten wir noch Fiona von der Schule ab und liefen dann zurück. Am Abend fuhren wir noch rauf nach Park City, einer der Winterstädte, wo damals die Olympiade ausgetragen wurde. Fiona hatte sich mit ihren Freunden zum Kino verabredet und auch wir fuhren dorthin. Während Fiona im Kino war, brachten wir 2 Fahrräder zu einem Marktplatz für gebrauchte Räder und gingen mexikanisch Essen. Park City ist übrigens eine halbe Stunde von SLC entfernt und liegt direkt am Skigebiet. Nach dem Essen fuhren wir aber nicht zurück nach SLC, wir fuhren zu einem Haus. Ralph und Allison haben nämlich in der Nähe ein Haus, in dem sie für einige Jahre gelebt haben und es jetzt als Wochenendhaus verwenden. Dort schauten auch wir uns einen Film an. Es war "Mollys Game" und dieser Film dreht sich um die wahre Geschichte von Molly Bloom. Im Großen und Ganzen ging es darum, dass Molly schon immer gut war im Freestyle Skifahren, aber mit 20 (?) einen Sturz bei der Olympia-Qualifikation für die Winterspiele in SLC hatte. Danach nahm sie sich erstmal eine Auszeit und zog nach LA um zu arbeiten. Sie begann mit normalen Jobs, wurde aber bald zum Host von Pokerrunden für reiche Prominente. Sie rutscht dann da immer tiefer rein, wird richtig erfolgreich, wird irgendwann drogenabhängig, hat Probleme mit irgendeiner Mafia, macht dann irgendwelche illegalen Dinge und wird schlussendlich verhaftet etc. Der Film war schlussendlich echt gut und ich denke, dass ich mir den Film auch noch mal auf Deutsch ansehen werde, um auch die letzten Reste der Story noch mitzubekommen. Nach dem Film ging es auch schon ins Bett, da der nächste Tag sehr früh beginnen würde.

Ich stand am Samstagmorgen schon um 6 Uhr auf, ging duschen und war komischerweise alleine im Wohnzimmer, obwohl es schon kurz vor unserer Abreisezeit war. Aber vielleicht habe ich es auch einfach nur am letzten Abend falsch verstanden, da der Unterschied zwischen Seven-Fifteen (15) und Seven-Fifty (50) nicht ganz so groß ist. Aber besser früh aufstehen, als zuspät. Es war übrigens immer noch nass und mehr oder weniger am regnen. Allison und Fiona fuhren direkt wieder nach SLC, da Fiona direkt um halb neun schon eine Veranstaltung hatte und Ralph und ich hatten noch andere Aufgaben. In der Nähe ist nämlich ein See auf dem Ralph im Sommer immer segelt und jetzt nach dem Winter musste es wieder raus aus dem Lager und rein ins Wasser. Dafür trafen wir uns mit einem Freund von Ralph bei seinem Lagerplatz aber da war das Boot nicht :D Dann fuhren wir noch zu dem See und fanden es dort gelagert mit den anderen Booten hinter einem Zaun. Aber das Tor war verschlossen und wir hatten keinen Zugang. Und so fuhren wir auch wieder zurück, dabei ging der Regen aber erst richtig los. Wir wurden von einem starken Platzregen überschütten, zum Glück saßen wir im Auto. Als wir zurück kamen, packten wir all die Campingsachen ins Auto die wir für das Wochenende brauchen würden. Fiona ging dann schon mal zu ihrem Fußballspiel und wir folgten ihr wenig später. Ralph und ich fuhren mit seinem roten Z4 M dorthin. Und natürlich regnete es weiter... Auch während des Spiels aber das Team von Fiona hielt gut durch und konnte am Ende mit einem 1 zu 1 aus dem Spiel gehen. Ich weiß zwar nicht ganz wie das in Deutschland ist, da ich nie wirklich Sport betrieben haben, der wirklich kompetitiv ist aber hier in den USA standen die Mütter und Väter am Rand und Jubelten und Kommentierten jeden Zug des Teams lauthals :D Das war ein bisschen komisch aber ok. Nach dem Spiel tauschten Ralph und ich das Auto an einem dritten Haus oder Garage hier in der Nähe und trafen uns mit den beiden anderen am "Haupthaus". Dort konnte sich Fiona noch vorbereiten und dann ging es los auf eine vierstündige Autofahrt in den Süden von Utah. Die erste Hälfte der Fahrt habe ich zwar geschlafen aber von der 2.Hälfte kann ich berichten. Man fährt wirklich die ganze Zeit durch eine leicht bewachsene Stein und Sandwüste ohne jemals auf ein Dorf oder so zu treffen :D Sowas wäre in Deutschland nicht möglich. Wir sind bestimmt ne Stunde auf nem Highway gefahren, bis wir in eine kleinere Stadt kamen, wo wir tankten und danach das selbe. Wir fuhren auf einer graden Straße dem Horizont entgegen. Ab und zu machten wir eine leichte Kurve, fuhren über kleine Berge oder durch einen Canyon aber im Großen und Ganzen war da draußen nichts. Den größten Teil unserer Strecke hatten wir nicht einmal Radioempfang :D Und nach insgesamt 4 Stunden waren wir dann endlich am Ziel. Moab ist eine Stadt, die größtenteils touristisch ist, da in der Nähe viele Nationalparks sind aber auch ein wenig vom alten Bergbau geprägt ist. Damals hat man übrigens Kohle und Uran in der Region abgebaut. Mittlerweile war es 18 Uhr und wir waren auf der Suche nach unserem Campingplatz. Nach einer Weile fanden wir ihn auch, direkt an einem breiten Fluss und mitten in einem Canyon. Und alleine diese Aussicht auf den Canyon war super, sowas sieht man ja nicht in Deutschland. Übrigens war der Campingplatz sehr minimalistisch. Es war eine Sandbank neben dem Fluss mit einigen Bäumen und den einzelnen Plätzen. Neben einem Schild, einer Tisch mit Bänken und einer Feuerstelle war der Platz leer. Selbst die Toilette war eigentlich nur ein Loch im Boden. Genau das Gleiche wie im Yosemite NP. Aber okay, es war ja nur für eine Nacht. Nach wenigen Minuten hatten wir das Zelt aufgebaut und somit noch Zeit für eine Aktivität. Und da die Sonne noch schien, entschieden wir uns noch in den Arches NP (Rundbögen Nationalpark) zu fahren uns zu wandern. Der Park ist voll mit Gebilden aus rotem Stein, welche über die Jahrtausende geformt wurde. Darunter auch einige riesige Rundbögen, diese wollten wir an diesem Abend besuchen. Und kurz bevor wir dort ankamen, der Park ist übrigens riesig, war die Sonne am untergehen. Und es war unglaublich schön, die Sonne am Horizont untergehen zu sehen und dazu noch die riesigen Gebilde. Einfach nur Wow. Bevor die Sonne aber ganz unterging fuhren wir weiter zu einem Gebiet mit vielen dieser Rundbögen. Und das war noch besser als der Sonnenuntergang, es war einfach nur atemberaubend diese Bögen im Licht der untergehenden Sonne zu sehen. Ich mein Yosemite war schon sehr schön aber das war noch viel besser. und noch unglaublicher. Man konnte nah an die Bögen heran wandern und es einfach genießen. Dabei sind einige schöne Bilder entstanden aber auch diesmal bereue ich es meine Kamera nicht dabei zu haben. Ich kann das schöne Gefühl einfach nicht beschreiben und auch die Bilder drücken bestimmt nicht alles aus, aber glaubt mir einfach es war umwerfend. Und dann waren wir da bis die Sonne wirklich weg war und fuhren dann wieder raus aus dem Park. Danach hatten wir noch ein kleines Abendessen bei einem Mexikaner, der echt gute Tacos macht. Ich mag ja mehr die Streettacos, also die die eine weiche Schale haben und nicht die die so hart sind wie Tortilliachips. Deswegen hatte ich einen gefüllt mit Chorizo und einen mit Groundbeef. Und der Chorizotaco war echt lecker. Die mexikanische Küche gefällt mir immer mehr und ich denke, dass ich auch in Deutschland mein Repertoire mit der mexikanischen Küche erweitern werde. Und als wir das Lokal verließen, war es auch schon kurz nach 10 und es war Zeit zum Campingplatz zurückzukehren. Als wir dort ankamen, waren alle dabei kleine Feuer zu machen, sich zu unterhalten und Musik zu spielen. Aber da es ein langer Tag für uns war ging es auch schon ins Bett. Ralph, Allison, Fiona und der Hund schliefen im Zelt und ich hatte etwas sehr cooles und besonderes. Ralph hatte von einer seiner Fahrradtouren einen Schlafsackübersack aus Zeltstoff. Damit liegt man dann draußen im Freien und hat kein Zelt über sich, man schläft sozusagen nur im Zelt. Das ganze ist schön kompakt wenn man es mitnehmen möchte und lässt sich deswegen gut auf einem Fahrrad mitnehmen. Und es war absolut genial, ich lag auf einer Plane und einer Isomatte und hatte den freien Blick auf die Sterne. Da die Besiedelung hier so gering ist, gibt es auch keine Lichtverschmutzung und somit kann man extrem viele Sterne am Himmel sehen. So viele Sterne habe ich gefühlt noch nie gesehen, obwohl es teilweise bewölkt war. Laut Allison kann man da auch Satelliten sehen, die an einem vorbei flitzen und ich glaube ich habe einen gesehen. Es war einfach nur unglaublich schön unter dem Sternenhimmel zu liegen, die anderen Camper zu hören und die Schatten der anderen Feuer zu sehen. Es war wirklich wirklich schön. Und kurze Zeit später schlief ich gemütlich ein. Und ich muss wirklich sagen, dass ich sehr sehr gut an der frischen Luft geschlafen habe. Aber irgendwann hörte ich Stimmengebrabbel im Zelt neben mir und wurde dadurch wach. Und dann wurde mir klar warum, Regentropfen klatschten in mein Gesicht und die Stimmen waren Ralph und Allision, die fragten ob ich ins Zelt kommen wollte. Und natürlich wollte ich mich vor dem Regen schützen und zog mit ins Zelt ein. Aber das Zelt war schon für 3 Personen + Hund etwas klein und als ich mich da noch reinquetschte war es wirklich eng. Ich hatte genauso viel Platz, wie meine Schultern breit sind, außerdem war es extrem warm und stickig. Deshalb konnte ich auch kein Auge zu bekommen und entschloss mich nach den kleinen Regenschauer wieder nach draußen zu ziehen. Und so legte ich mich auf meine Isomatte und versuchte weiter zu schlafen. Und das funktionierte auch sehr gut, bis wieder das Gebrabbel aufkam und ich diesmal noch größere Tropfen in meinem Gesicht spürte.Diesmal "warf" ich aber nur meine Sachen ins Zelt und stieg diesmal ins Auto und schlief da weiter.... Und irgendwann morgens wurde ich wieder wach. Nachdem wir unser Zelt und alles andere abgebaut hatten, fuhren wir zurück in die Stadt, wo es Frühstück beim Pancake Haus gab. Danach ging es zurück in den Arches NP um den Delicate Arch zu besuchen und auch das war unglaublich schön und cool. Den Park möchte ich unbedingt irgendwann noch mal besuchen. Und während dem Wandern habe ich meinen neuen Lieblingssnack entdeckt: getrocknete Kirschen, sind einfach super lecker :D Nachdem wir noch verschieden weitere Gebilde bewanderten, fuhren wir wieder aus dem Park raus und in einen neuen Park rein. Wir fuhren nach Canyonlands, einem extrem großen Park, voller Canyons. Und auch das war atemberaubend. Wir standen am obersten Rand der riesigen Fläche und unter uns lagen überall Canyons und natürlich gab es da auch wieder so einen Rundbogen :D und auch dort gab es wieder kleinere Wanderwege, die wir bewanderten. Nachdem wir ein kleines Stück vom Park gesehen hatten, war es auch schon kurz nach 4 und da wir noch 4 Stunden nach Hause fahren mussten, war es nun Zeit zurück nach SLC zu fahren. Zwischenzeitlich hielten wir noch in der einen kleinen Stadt auf dem Weg und hatten unser Abendessen, aber die Küche war so langsam, dass die Bedienung uns gratis Zugang zur Salatbar gewährt hat und uns mit Tortillia Chips versorgt hat. Insgesamt haben wir bestimmt 2 Stunden dort verbracht. Schlussendlich waren wir um 10 zuhause, haben dann noch schnell das Auto ausgeräumt, die Sachen zum trocknen aufgehängt und dann bin ich total müde ins Bett gefallen.

Insgesamt war es ein absolut geniales Wochenende und die Nationalparks waren echt faszinierend. Gerne würde ich nochmal mit mehr Zeit und ner guten Kamera wieder kommen :)

Und das war dann auch schon mein Wochenende
Viele Grüße

Niklas

Ich habe garantiert hunderte Fotos an diesem Wochenende geschossen, hier ist nur eine kleine Auswahl.

Kommentare

...... super schöne Fotos. Das war bestimmt ein tolles Erlebnis, auch so im Freien zu schlafen. Gabs da keine Tiere, die angekrabbelt kommen konnten?
Dann hab noch weiter schöne Tage, die letzten Wochen sind ja angebrochen.
Bei uns ist jetzt am Wochenende Pfingsten, richtig Ferien gibt's in diesem Jahr nicht, nur einen zusätzlichen freien Tag. Wir wollen nach Tschechien, nach Karlsbad und Marienbad, uns die beiden alten Kurstädte ansehen. Die sollen wieder schön rekonstruiert worden sein. Wird sicherlich nicht ganz so spektakulär. Also Liebe Grüße aus BW ☺