#106 Zu Besuch in Georgien

Warum fahre ich überhaupt nach Georgien?

Vor einem Jahr wusste ich von Georgien nicht viel. Ich konnte es zwar geografisch einordnen aber danach folgte auch nicht mehr viel. Einige meiner damaligen Mitschüler haben sich nach dem Abi eine schulische Auszeit gegönnt. Viele nutzen diese Zeit um unseren Planeten und all die verschiedenen Kulturen näher kennenzulernen. Es gibt aber auch einige, die sich in die Hand einer Organisation begeben um rund um die Welt bei unterschiedlichen Projekten zu helfen. Und so auch meine beste Freundin Julia, die ich mittlerweile auch schon seit 9 Jahren kenne. Julia hatte sich während des Abis bei der Organisation "Kulturweit" auf einen freiwilligen Dienst im Ausland beworben. Bei der Bewerbung darf man zwar Prioritäten der Zielregionen geben aber im Endeffekt darf niemand sich ein Land aussuchen. Jule wurde dann Georgien zugewiesen. Dort sollte sie ab September 2017 eine Schule in der Hauptstadt Tiflis unterstützen und dort beim Deutsch lehren helfen. Und nebenbei natürlich auch noch Land und Leute kennen lernen. Nun ist ihr Jahr in Georgien schon fast vorbei und wie das nunmal an Schulen so ist, gibt es auch immer große Sommerferien. Diese Zeit habe ich jetzt genutzt, um mir einerseits anzusehen was Jule im letzten Jahr so getrieben hat aber andererseits wollte ich auch Georgien mit ihr bereisen. Und so kam es, dass ich Mitte Juni in ein Flugzeug stieg und in ein Land flog, dass ich größtenteils gar nicht kannte.

Damit ihr aber nicht so unwissend seid wie ich, gibt es hier ein paar Zahlen und Fakten zu Georgien:

Zahlen und Fakten zu Georgien

  • Amtssprache Georgisch, regional Abchasisch
  • Regierungsform Präsidialsystem
  • Religion Georgische Orthodoxe Apostelkirche (84%)
  • Fläche 69.700 km²
  • Einwohner 4.498.000
  • Hauptstadt Tiflis (~ 1,2 Mio. Einwohner)
  • Währung Georgischer Lari, 1 Lari = 100 Tetri //1 Lari = 0.3 Euro
  • Zeitzone. UTC+4h, MSK – Moscow Time
  • Telefonvorwahl +995
  • Durchschnittsalter 39,6 Jahre
  • Lebenserwartung 77,5 Jahre
  • Größere Städte Tiflis, Kutaisi, Batumi

Anreise

Die Anreise gestaltete sich relativ entspannt. Ich hatte einen Direktflug von Berlin nach Kutaisi, nur bei der Passkontrolle auf deutschem Boden war ich etwas überrascht. Bevor man ins Flugzeug steigen durfte, wurden noch einmal alle Pässe kontrolliert. Als ich dann auch an der Reihe war, nahm der Beamte meinen Pass, sah ihn sich an und fragte mich etwas. Nachdem ich verstand, dass er mich fragte, was ich überhaupt in Georgien wolle und er den Anschein machte, dass nicht oft Deutsche nach Georgien flogen, fiel mir etwas auf. Ich war gefühlt als deutscher Staatsbürger alleine in der Reihe und auch im Flugzeug stieg die Quote nicht weiter. Nachdem ich mich hingesetzt hatte, half ich noch der etwas älteren Dame neben mir sich anzuschnallen. Sie bedankte sich auf Russisch, was erstmal kein Problem war aber zu dazu später mehr. Nach rund 3,5 - 4 Stunden landeten wir sicher in Kutaisi. Der Flughafen dort ist übrigens so klein, dass der gesamte Flughafen in einer kleinen Halle abgewickelt werden kann aber wahrscheinlich landen und starten dort auch nicht so viele Flieger am Tag. Nach der Einreisekontrolle und der Gepäckaufnahme wartete schon Jule draußen auf mich. Es war sehr schön sie nach einem Jahr wiederzusehen :) Zusammen mit einem weiteren deutschen Freiwilligen, der auch gerade seine Gäste empfang, teilten wir uns ein Taxi zu unserem ersten Ziel, dem Badeort Batumi. Auch die 3 Stunden Taxifahrt verlief super, glücklicherweise hatte ich vorher noch eine Tablette gegen Reiseübelkeit genommen und die habe ich auch wirklich gebraucht. In dem Teil von Georgien gibt es noch keine Autobahn und so müssen alle über eine Landstraße das Land durchqueren. Die Straßen sind auch echt nicht schlecht aber die Fahrweise der Georgier ist anders :D. Alle Fahrer die langsamer sind, werden auch bei schlechteren Bedingungen überholt bzw. versucht zu überholen. Dafür wird lautstark gehupt, um dem langsameren Fahrer zu sagen, dass er rechts rüber fahren soll. Hinzu kommt auch noch, dass Georgien viele seiner Autos aus aller Welt importiert. Dadurch haben einige das Steuer links und andere das Steuer rechts. Gefahren wird jedoch offiziell auf der rechten Seite. Weiterhin gab es auch nur Sicherheitsgurte für den Fahrer und den Beifahrer, welche aber auch nur genutzt wurden, wenn die Polizei am Straßenrand stand. Anfangs war das echt komisch, innerhalb der 14 Tage habe ich mich aber an die Fahrweise etc. gewöhnt.

Batumi

Angekommen in Batumi verließen wir erstmal die anderen und bezogen unser Quartier. Wir wohnten relativ einfach in dem Teil der Stadt, wo die Georgier und nicht die Touris wohnen. Batumi ist übrigens sehr beliebt bei Binnentouristen aber auch bei Russen, im Hochsommer soll der Strand überquillen. Am Abend begaben wir uns ins Stadtzentrum um dort mit den anderen noch typisch georgisch zu Essen. Es gab Khachapuri – einem flachen Hefebrot aus dem Ofen, welches mit Käse, einem rohen Ei und Butter in der Mitte serviert wird. Es war sehr lecker und auch sehr interessant mal Georgisch zu Essen. Da der Abend noch jung war, zogen wir 5 noch weiter. Es ging in einem Bar von einem Bekannten, dieser ist mit Cryptowährungen reich geworden, lebt nun in Georgien und hat einen Bar eröffnet. Die eigentliche Bar ist nur ein kleiner Raum von maximal 5x5 Metern. Dort gab es interessante Getränke und einen lustigen Barkeeper aber kurz nach 2 zog es Jule und mich doch wieder zu unserer Unterkunft.
Der nächste Tag begann auch sehr spannend. Unser Bad war zwar groß aber auf Anhieb fand ich keine Duschkabine. Das ganze wurde so geregelt, dass das ganze Bad die Dusche ist und das Wasser einfach in der Wand verschwindet :D Nach einem kleinen Frühstück ging es für uns wieder in die Stadt. Das erste Ziel war der Strand. Zwar war es ein Steinstrand aber trotzdem war die Abkühlung sehr angenehm und da auch die Sonne schien, legten wir uns noch an den Strand und lasen. Trotz der aufgetragenen Sonnencreme bekam ich an einigen Stellen einen Sonnenbrand. Nach einem kleinen Mittag mit frischem georgischem Obst schauten wir uns noch ein wenig die Stadt und die sehr lange Strandpromenade an. Abends waren wir noch einmal georgisch Essen. Diesmal gab es Khinkali. Eine mit Hackfleisch und Suppe gefüllte Teigtasche aber wesentlich größer als die polnischen Teigtaschen. Danach führte ich Jule noch ins Knackspiel ein und später waren wir müde und fielen ins Bett. Der Dienstag lief ähnlich wie der Montag ab. Den Vormittag verbrachten wir in einem Museum für georgische Geschichte, was wirklich interessant war und glücklicherweise auch gekühlt war. In Georgien ist es generell wärmer als bei uns, jedoch ist es schon subtropisch dort und dementsprechend auch feucht. Nach dem Museumsbesuch gönnten wir uns ein kleines Mittag in einem Nudelrestaurant. Danach ging es weiter in der Alt- und Innenstadt. Dort gab es beispielsweise den Europaplatz mit einer historischen astronomischen Uhr. Den Nachmittag verbrachten wir mit einer kleinen Pause in der Unterkunft, da es sehr warm war. Abends, als es kühler wurde, gingen wir nochmal raus und erlebten Batumi bei Nacht.
Mittwoch machten wir einen Ausflug zum botanischen Garten. Dieser liegt etwa 10 Kilometer außerhalb. Wir nahmen einen Marshrutka – dem typischen öffentlichen Verkehrsmittel in Georgien, es sind übrigens kleine Busse. Selbst auf der kleinen Strecke (ca. 10 km) zum botanischen Garten wurde mir bei der georgischen Fahrweise schlecht. Glücklicherweise hatte ich meine Kaugummis dabei. Aber es hat sich gelohnt. Der botanische Garten liegt direkt am schwarzen Meer und verfügt über echt viele Zonen. Von diversen asiatischen Zonen über amerikanische Zonen gab es noch viele weitere Zonen. Zuerst liefen wir auf den Hauptwegen und betrachteten die vielen schönen Pflanzen. Nachdem wir einmal die botanische Welt, beziehungsweise den ganzen Park einmal durchlaufen hatten, machten wir eine kurze Pause. Danach ging es auf kleinen Trampelpfaden durch den wesentlich schöneren und ruhigeren Teil des Parks. Dort waren wir ganz allein und zwischenzeitlich nicht mehr sicher ob wir noch auf dem Weg waren oder überhaupt noch im Park. Aber wir haben es wieder erfolgreich rausgeschafft. :) Abends gingen wir wieder an den Strand und etwas essen. Was übrigens ein tägliches Ritual wurde: Am Strand liegen, lesen, baden und abends lecker Essen gehen. Georgien ist übrigens für uns ein echt billiges Land. Eine Busfahrt durch die Stadt oder raus zum botanischen Garten kostet nicht mehr als 2 Lari, was ca. 60 Cent sind. In Tiflis fährt man für 50 Tetri (15 Cent) U-Bahn. Auch Essen und sonst alles ist für uns Deutsche unterdurchschnittlich billig.
Donnerstag planten wir einen Radrundtour in Hinterland um uns einen berühmten Wasserfall und die typischen Steinrundbrücken anzuschauen. Dafür liehen wir uns extrem gute und neue Mountainbikes bei einem Händler – der veranschlagte Preis pro Tag war 35 Lari pro Rad, was ca. 11 Euro entspricht- ein echt guter Deal. Wir fuhren an der langen Strandpromenade nach Süden aus der Stadt hinaus, vor dem lokalen Flughafen bogen wir auf eine größere Straße ab. Nach einigen Kilometern durften wir diese verlassen und entlang eines Flusses auf einer kleinen Landstraße fahren. Zwischendrin machten wir immer wieder Pausen, doch irgendwie ging es Jule echt nicht gut. Vielleicht war es ein kleiner Sonnenstich vom Vortag. Wir entschlossen uns deshalb auch die Tour abzubrechen und zurück zu fahren. Die eigentliche Tour war als 50 km Tagestour geplant, im Endeffekt sind wir dann 20 km gefahren, haben aber auch wesentlich weniger beim Fahrradverleih bezahlt. Wir gingen zurück zu unserer Unterkunft und Jule konnte sich erstmal hinlegen und ausruhen. Nach ihrem ausgedehnten Mittagsschlaf gingen wir nochmal in die Stadt und fuhren mit der Seilbahn auf einen Berg. Auf der Fahrt konnten wir Batumi mal von oben sehen. Oben angekommen, gab es nicht viel außer ein Gebäude mit Aussichtsplattform und einer kleinen Kirche. Trotzdem war es dort oben sehr schön und wir blieben lange um uns die Aussicht anzuschauen. Abends gingen wir wiedermal Essen und spielten Knack.
Freitag fuhren wir in Richtung Süden aus der Stadt um uns eine alte Festung anzusehen. Diese wurde immer wieder von den verschiedenen herrschenden Völkern in der Region bewirtschaftet. Angefangen hat es nach aktuellen Informationen mit Plinius dem Älteren im 1. Jahrhundert nach Christus. Später war es von den Byzantiniern besetzt, von Mitte des 16. Jhd. Bis zum Ende des 19. Jhd. Waren die Osmanen in der Festung und danach ging die ganze Region an das russiche Reich. Die ganze Festung ist rund 200 x 250 Meter groß, besaß damals eine große Mauer, 18 Wachtürme aber auch ein Theater, einen Marktplatz und ein Hippodrom. Insgesamt war leider nicht mehr ganz so viel zu sehen, in einem kleinen Museum gab es aber noch ein paar Ausgrabungsstücke und Informationen. Nach der Rückkehr machten wir wie immer erst einmal eine kleine Pause, da es natürlich draußen sehr warm war. Abends schauten wir uns noch die „Dancing Fountains“ – Tanzende Fontänen an, die hinter der Strandpromenade in einem Becken ihre Show darboten. Im Takt zu diversen Musikstücken tanzten viele kleine Fontänen. Dazu wurden sie noch mit buntem Licht angestrahlt und bildeten eine sehr schöne Show. Das ganze würde ich mit den Fontänen vor dem Hotel Belagio in Las Vegas vergleichen, nur das diese hier in Georgien wesentlich vielfältiger waren.

Den Samstag begannen wir außergewöhnlich spät, nach einem kleinen Frühstück planten wir unseren Tag. Der Samstag war unser letzter Tag in Batumi und wir wollten bei der Hitze nicht so viele anstrengende Sachen machen, deshalb entschieden wir uns erstmal für den Strand. Als wir aus dem Haus traten, sahen wir zwar einen bedeckten Himmel aber Regen war nicht zu sehen. Einen Regenschirm haben wir dennoch zur Sicherheit mitgenommen. Nachdem wir ein paar Meter gelaufen, fing es langsam an zu tröpfeln, deswegen änderten wir den Plan und wollten in der Innenstadt ein zweites Frühstück nehmen. Die Innenstadt war aber noch weit entfernt und auch der Regen wurde nicht weniger. Danach habe ich einen so starken Regen erlebt wie noch nie. Auf den Straßen stand das Wasser teilweise mehr als knöcheltief und auch von den Dächern kamen uns extreme Wassermassen entgegen. Den mitgebrachten „Notfallschirm“ nutzten wir dazu wenigstens unseren Beutel mit dessen Inhalt auf Jules Rücken trocken zu halten, da darin unsere Bücher, Handys etc. waren. Trotz alledem waren wir schon nach wenigen Metern komplett durchnässt und hangelten uns weiter von Unterstand zu Unterstand. Nach einem langen Marsch durch den immer noch starken Regen kamen wir endlich am Ziel an – das leider noch geschlossen hatte… Um die Ecke gab es aber glücklicherweise noch ein Café das schon offen hatte. Als wir uns draußen unter ein Dach setzten, brachte uns die Kellnerin erstmal einen Müllsack, den wir unter uns legen sollten um die Couch nicht allzu nass zu machen. Der Starkregen hörte glücklicherweise bald auf und die Sonne kam raus. Der Strand war unser erstes Ziel, dort legten wir uns in die Sonne bis wir einigermaßen trocken waren. Danach liefen wir noch bis fast ans Ende der Promenade um in einen Park zu gehen. Dort gab es neben hübschen Blumen und Brunnen auch ein bisschen Kunst. Unterandrem auch Flip Flops auf Eiern. Was denkt ihr, hat das zu bedeuten? Meine Idee war es, dass zwar jedes einzelne Mitglied (Ei) in einer Gruppe zerbrechlich ist aber in einer größeren Gruppe sehr stabil ist und eine Menge Druck aushält. Das hätte man bestimmt auch irgendwie auf die Geschichte von Georgien münzen können :D Der eigentliche Sinn hinter diesem Kunstwerk soll auf die Zerbrechlichkeit des Lebens hinweisen. Naja, da fand ich meine Interpretation wesentlich gelungener. Danach mussten wir uns schon fast beeilen in unsere Unterkunft zu kommen. Für den Abend hatten wir noch etwas Besonderes vor und zogen uns deshalb um. Zum Abendessen gingen wir ins Radiocafe. Das war ein etwas teurer laden, in dem es aber Jules Lieblingskuchen gab und so nahmen wir beide nur einen kleine Hauptmahlzeit, um dann noch Platz für einen Lavacake zu haben. Das ist ein Schokokuchen, der im Inneren voll mit flüssiger Schokolade ist. Er war zwar echt gut aber ich war glücklich vorher nur etwas kleines gegessen zu haben, da er doch sehr inhaltsreich ist :D Danach gingen wir zum Public Viewing an der Strandpromenade. Dort gab einige Tische und wir waren extra früher da um einen guten Platz für das Deutschland-Schweden Spiel zu bekommen. Nach ein paar Knackrunden ging es auch schon fast los. Das Spiel wurde aus dem Internet gestreamt und am Anfang liefen noch ein paar stumme Bilder aus dem Stadion. Der Moderator kam auf die Idee die deutsche Nationalhymne zu spielen, da viele der anwesenden Fans für Deutschland waren (Warum Georgier Deutschland mögen später). Er öffnete also Youtube und suchte nach der Hymne, er suchte sich die „Long Version“ aus, da noch etwas Zeit war. Was danach kam, war etwas erschreckend. Die lange Version beinhaltete die komplette deutsche Hymne, also ertönte am Anfang in voller Lautstärke „Deutschland Deutschland über alles“ und „Von der Maas bis an die Memel“ – das war echt komisch für uns. Nachdem am Ende alle noch lautstark applaudierten, war die Fremdscham schon sehr groß. Dann ging glücklicherweise das Spiel los. Nebenbei liefen auch immer noch Kellner rum und nahmen Bestellungen auf. Da wir vom Abendessen noch satt waren nahmen wir erstmal nur zwei 0.5 Liter Wasserflaschen. Als er wiederkam erklärte er uns, dass wir mehr bestellen müssen um hier sitzen bleiben zu dürfen. Was ja auch irgendwo sinnvoll für die Kellner und Betreiber ist, da die ja auch Geld machen müssen. Insgesamt sollten wir 15 Lari (5 Euro) an Wert bestellen, was aber echt nicht leicht war. Über das ganze Spiel hatten wir 3x 0.5 Liter Wasser, eine große Tüte Chips und ein großes Bier, was sogar aus Deutschland importiert worden war. Und was denkt ihr, wie viel haben wir am Ende bezahlt? Weniger als 10 Lari (3 Euro), der Kellner war zwar trotzdem zufrieden. In Deutschland hätte man wahrscheinlich für das Wasser schon mehr bezahlt.

Kutaisi

Sonntag früh übergaben wir wieder unser Zimmer und machten uns auf den Weg nach Kutaisi, unserem nächsten Zwischenstopp. Dafür nahmen wir wieder die Marshrutka und bezahlten auch wider nur rund 3 Euro pro Person für rund 3 Stunden Fahrt. Dort kamen wir um die Mittagszeit rum bei einem Freund von Jule an, der auch ein deutscher Freiwilliger in Georgien ist. Nach einem kleinen Mittagessen traten wir noch einen kleine Wanderung an. Wir wanderten aus der Stadt rund einen Stunde lang hinaus und kamen zu einem unglaublich schönen Bergkloster. Es lag oberhalb eines Flusses, welcher sich über die Jahrhunderte in den Felsen gegraben hatte. Dort oben verbrachten wir einige Zeit. Der Rückweg führte uns über eine fast verlassene Bahnstrecke, die ganze Zeit folgte uns übrigens ein Straßenhund, der nicht mehr von uns wich. Wir hatten ihn nicht einmal gestreichelt. Leider mussten wir ihn dann vor unserer Unterkunft aussperren. Auch den nächsten Tag verbrachten wir noch in Kutaisi. Jule und ich fuhren mit der Marshrutka aus der Stadt hinaus. Weiter außerhalb gab es eine kleinere Stadt, dort stiegen wir in ein Taxi und fuhren zu einer Tropfsteinhöhle. Diese soll sehr beeindruckend sein und vor allem auch beständig kalt. Als wir vor der Höhle ankamen, sahen wir nicht viel. Das lag aber daran, dass sie geschlossen war. Wir hatten zwar extra vorher im Internet nachgesehen aber trotzdem war sie geschlossen. Glücklicherweise wartete unser Taxifahrer noch und wir konnten zurück in die kleine Stadt fahren. Dort gab es aber noch ein weiteres Highlight. Der Ort war ein bisschen wie ein Kurort aufgebaut, mit einem großen Kurpark und alten teilweise verlassenen Klinikgebäuden. Wir schauten uns also noch die verlassenen Kliniken an, was sehr spannend war. Es ist immer wieder interessant Relikte aus anderen Zeiten zu betrachten. Insgesamt waren es zwar nur 2 Gebäude aber trotzdem sehr cool. Das ganze kann man sich ein bisschen so wie die Heilstätten in Beelitz, nur das die Architektur natürlich etwas anders ist. Erschreckend war es, dass Teile der Ruinen wieder bewohnt sind. Georgische Flüchtlinge aus dem Norden Georgiens, welcher jetzt von Russland besetzt ist, sind dort eingezogen und „hausen“ dort. Sie haben zwar Strom und Wasser aber für mich war es ungewohnt an einem verlassenen Ort Leute zu treffen, die da ihren ganzen Tag verbringen. Nach einer guten Stunde in den Gebäuden setzten wir uns noch in den Kurpark und machten eine Lesepause- Wie eigentlich jeden Tag :D Ich habe während des Urlaubs „Winter der Welt“ von Ken Follet gelesen, was ein wirklich interessantes Buch ist. Im Großen und Ganzen geht es um den Wiederstand gegen den Faschismus in den 30er und 40er Jahren des 20.Jahrhunderts. Leider habe ich nur die Hälfte der 1000 geschafft, nach meinem Radurlaub möchte ich da unbedingt weiterlesen. Als wir zurückkamen, chillten wir noch ein wenig, da wir die Nachmittagshitze noch abwarten wollten. Am frühen Abend fuhren Jule und ich mit dem Bus in die Hauptstadt Tiflis. Nach einer gefühlt langen Fahrt kamen wir abends in Tiflis an, legten unsere Sachen in Jules WG-Zimmer ab und gingen noch schnell etwas bei Subway essen.

Tiflis

Am nächsten Tag (Dienstag) führte mich Jule zunächst durch die Alt-/ Innenstadt. Dafür fuhren wir mit der (billigen) U-Bahn in die Nähe der Innenstadt und liefen den Rest. Die Altstadt von Tiflis ist es schön. Die Stadt ist durchzogen mit kleinen Gässchen und sehr schönen alten Häusern, diese haben teilweise noch die handgeschnitzten Balkonfassaden. Weiterhin gibt es in Tiflis noch warme Schwefelbilder. Die Entstehungssage zu Tiflis ist übrigens diese: Irgendein Herrscher (Name: Gorgassali) jagte in der Region mit seinem Falke im heutigen Tiflis, nachdem er (Falke) mit einem erlegten Fasan in eine heiße Quelle fiel, fand der Herrscher die beiden gegart und gebräunt. An dieser Stelle wurde dann Tiflis gegründet. Weiterhin waren noch ein wenig shoppen, in einem sehr schönen Laden, der zwar gerade keinen Strom hatte aber dafür im Treppenhaus ein wunderschönes Buntglasfenster. Nach einem vegetarischen Mittag ging es für uns zurück zu Jules WG, da es wieder sehr warm war. Abends waren wir noch sehr gemütlich in einem Hinterhof essen und sind danach noch durch das nächtliche Tiflis spaziert. In einem Park gab es sogar noch Wasserspiele mit Fontäne und Musik. Danach fuhren wir mit der Seilbahn noch auf den nahen Berg. Dort oben gab es einerseits eine alte Feste, einen Ausblick über den botanischen Garten aber auch die angeleuchtete Statur der Mutter Georgiens. Unser Rückweg führte uns über dunkle Pfade den Berg wieder hinunter und nebenbei trafen wir noch auf einige freilebende Katzen. Generell gibt es viele freilebende Tiere in Georgien, die man auch oft problemlos streicheln kann, da die georgische Regierung solche Tiere impfen und chippen lässt. Nur werden die Tiere nach den Streicheleinheiten meist sehr zutraulich und folgen einem :D.
Mittwoch früh ging es dann für uns auch schon weiter. Unser erster Stop war das lokale Hardrock Cafe, wo ich mir ein sehr schönes T-Shirt gekauft habe. Danach wanderten wir weiter zu einer zweiten Bahn, die auf einen anderen Berg führte. Vorher machten wir noch eine Lesepause im Schatten und an einem Trinkwasserbrunnen. Trinken war echt wichtig bei den warmen Temperaturen. Oben auf dem Berg befand sich ein Freizeitpark. Dort gönnten wir uns erstmal ein kaltes Getränk und erkundeten den Park. Als erstes gingen wir in ein Spiegelkabinett, danach fuhren wir noch mit einer Wasserachterbahn, wo wir auch ordentlich nass geworden sind, was aber auch sehr erfrischend war :) danach genossen wir noch ein wenig den großartigen Ausblick auf Tiflis. Da es aber wieder wärmer wurde, fuhren wir zurück. Am fruhef Abend lief noch das Deutschland - Korea Spiel und wir schauten es gemeinsam mit allen Freiwilligen die da waren. Nach dem Spiel kochten wir noch für alle Eierkuchen aber da dann plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kam, musste das dreckige Geschirr in der Spüle liegen bleiben. Wir jedoch fuhren nochmal in die Innenstadt und tourten durch verschiedene Bars. Am Ende landeten wir auf der Dachterrasse des Artcafes, was sehr gut gelegen war. Irgendwann weit nach Mitternacht nahmen wir dann ein Taxi zurück, was natürlich im Vergleich zu Deutschland wieder sehr billig war.
Der nächste Morgen war leider auch schon mein letzter Morgen in Georgien. Wir besichtigten am Vormittag die größte Kirche Georgiens. Diese war zwar sehr groß und beeindruckend aber im Vergleich zum Petersdom, war sie "anders". Trotzdem war es sehr interessant zu sehen wie die georgische Kirche funktioniert. Danach machten wir uns auf, um den riesigen Präsidentenpalast zu besichtigen. Der Präsident Georgiens wohnt in einem riesigen Palast, der aus der Ferne etwas Ähnlichkeit zum Bundestag aufweist. Leider konnten wir den Palast nicht besichtigen, dafür gingen wir aber zurück in die schöne Innenstadt und asea dort ein leckeres asiatisches Mittag. Da es aber schon wieder sehr warm wurde, gingen wir zurück zu Jules WG und machten uns dort einen entspannten Nachmittag. Jule schlief etwas und ich fing an schonmal meinen Koffer zu packen und widmete mich meinem Buch. Abends machten wir ein kleines Abendbrot und schauten noch Inception. Da wir uns wachhalten mussten,spielten wir danach noch Knack und hörten Musik. Kurz nach ein Ihr nachts ging es dann für mich auf den Heimweg

Heimreise

Freitag früh um kurz vor 2 kamen wir am internationalen GlighFlug von Tiflis an und checkten mein Gepäck ein. Es war übrigens auch nicht wenig los am Flughafen, da dort irgendwie alle Flüge mitten in der Nacht abgefertigt werden. Deshalb verabschiedeten Jule und ich uns auch schon frühzeitig und ich ging durch die Sicherheitskontrolle. Dort wartete ich nichtmal 30 Minuten und dann war ich schon drin. In mehr als einer Stunde begann erst das Boarding und ich setzte mich hin und fing an an diesem Blogeintrag zu schreiben. Kurz bevor das Boarding beginnen sollte, ging ich an die Infotafel um festzustellen, dass immer noch kein Gate ausgeschrieben war. Und so wartete ich und andere vor dem Schild, dass endlich was passiert. 12 Minuten vor der regulären Abflugszeit wurde endlich das Gate ausgeschrieben und die Massen wanderten dorthin. Und wie es so kommen musste, wurde sogleich eine Verspätung von 20 Minuten angesagt. Wie kann bitte ein Flugzeug, dass die ganze Nacht leer am Flughafen gewartet hat Verspätung haben? Normalerweise interessiert mich eine so klein Verspätung nicht aber da ich in Riga nur ein paar Minuten zum Umsteigen hatte, schmolz mein kleines Zeitpolster immer mehr. Irgendwann hoben wir dann endlich ab und ich konnte endlich ein Auge zumachen. Kurz vor Riga wachte ich auf als die Gates der Anschlussflüge bekannt gegeben wurden. Der Flug nach Berlin schien noch in greifbarer Nähe. Trotzdem wurde meine Nervosität immer größer, da das Airportpersonal auch nach dem 3. Anlauf die Treppe nicht an die Flugzeugtür bekam. Nach dem Ausstieg sprintete ich zur Passkontrolle, bat die Leute mich vorzulassen und kam auch dort relativ schnell durch. Dann musste ich komischerweise nochmals durch eine Sicherheitskontrolle, wo ich wieder Zeit verschwendete. Nach alledem sprintete ich zum Gate und erreichte das Flugzeug glücklicherweise noch. Nur um meinen Rucksack machte ich mir ein wenig Sorgen, da dieser wahrscheinlich nicht durch den Flughafen gesprintet war. Aber später in Berlin fanden wir auch wieder zusammen und alle waren glücklich :) ich fuhr dann noch mit dem Zug nach Hause und war wieder angekommen :) Vorerst, da Montag schon der nächste Flieger am Montag auf mich wartete und ich Freitag Nachmittag auch nochmal zu einem Feuerwehreinsatz raus musste aber das ist eine andere Geschichte.

Erklärung

Ich bin euch ja noch ein paar Erklärungen schuldig, die ich im Text offen gelassen habe.

Warum wurden wir immer auf Russisch angesprochen, als wir uns durch Georgien bewegt haben?
Das ist eigentlich denkbar einfach. Ein sehr großer Teil der georgischen Touristen ( vorallem in Batumi) sind Russen. Im Reiseführer habe ich gelesen, dass nur rund 50.000 deutsche Touristen nach Georgien kommen. Dadurch ist die Chance für die Georgier sehr hoch mit dem Russisch, was einige noch sprechen, Erfolg zu haben. Aber vielleicht sehen wir beide auch nur russisch aus :D

Warum mögen die Georgier Deutdeutschland so sehr?
Viele jungen Georgier lernen schon in der Schule Deutsch, viele haben danach auch den Plan Mal nach Deutschland auszuwandern oder dort Urlaub etc. zu machen. Jule hatte ihre Schüler mal gefragt warum den Deutschland für die so toll ist und warum alle immer ausgerechnet nach Deutschland wollen. Darauf folgte dann meistens die Antwort, dass die Bildung sehr gut sei aber eine Begründung dieser Tatsache oder andere Gründe fehlten meist.

Fazit

Auch an die Reise bin ich mit der gleichen Einstellungen gegangen, wie damals an mein Vierteljahr in Amerika. Ich hatte keine Erwartungen und wollte mich komplett überraschen lassen. Und das hat Georgien auch geschafft.

Georgien ist aus meiner heutigen Sicht ein sehr interessantes Land. Die Menschen leben zwar ein anderes Leben in Georgien - Jule sagt dazu immer: Leben und leben lassen. Aber das macht es irgendwie aus. Natürlich habe ich in Georgien nicht gearbeitet aber die Zeit dort war sehr entspannt. Aber auch die Georgier waren sehr entspannt drauf und vorallem freundlich. Alleine hätte ich mich aber glaube ich nicht so wunderbar in diesem Land zurecht gefunden. Das liegt aber hauptsächlich an der Sprache, da ich weder georgisch - mit seinem eigenen Alphabet- lesen oder sprechen kann. Als Alternative gibt es bei der ältere Generation immer noch das russische, was mir aber auch nicht liegt. Bei den jüngeren kann man es meistens auch mit Englisch versuchen, was durchaus zum Erfolg führt.
Aber auch landschaftlich ist Georgien sehr besonders. Wir waren zwar nicht sehr oft außerhalb einer Stadt unterwegs aber die Flora und Fauna ist schon sehr beeindruckend. Alles ist etwas subtropisch angehaucht. Und natürlich gibt es da noch den Kaukasus, der sich in allen Teilen Georgiens erhebt. Leider waren wir nie wirklich wandern, aber das kann man ja später nochmals nachholen.
Von den Städten die wir besucht haben, hat mir Tiflis mit Abstand am besten gefallen. Batumi ist vorallem vorne am Strand sehr touristisch und dahinter gibt es zwar eine schöne Altstadt, diese ist aber auch sehr gradlinig und jede Straße ist fast gleich. Von Kutaisi haben wir leider nicht sehr viel gesehen. In der Mitte steht ein schöner Brunnen aber sonst habe ich mir sagen lassen, das Kutaisi auch nicht mehr so viel zu bieten hat. Tiflis ist hingegen schon sehr europäisch und auch von der Architektur her schön. Ich mochte besonders die kleinen Gassen mit den schönen Häusern in der Altstadt aber auch die Parks. Und vorallem kann man zum Mittagessen und abends sehr schön variieren, was man essen und erleben möchte.

Insgesamt haben mir die fast zwei Wochen sehr gut gefallen :)

Hiermit möchte ich mich auch nochmal bei Jule bedanken dafür, dass du mich aufgenommen und mir Georgien gezeigt hast. Viele Dank :)

PS: Wer nach diesem riesen Bericht immer noch nicht genug hat und wissen möchte, wie es ist ein Jahr in Georgien zu leben. Der kann gerne mal auf Jules Blog vorbei schauen .

Erkläru zu den Bildern:

1. Ich am schwarzen Meer
2. Der Alphabettower in Batumi mit dem gesamten georgischen Alphabet
3. Botanischer Garten Batumi
4. Jule im botanischen Garten
5. Oben auf dem Berg von Batumi
6. Kunst an der Strandpromenade
7. Bergkloster bei Kutaisi
8. Bergkloster bei Kutaisi
9., 10. , 11. Lost Place bei Kutaisi
12. Buntglasfenster in Tiflis
13. Fontänenspiel in Tiflis
14. Ein Turm mit Theater in der Innenstadt
15. Georgiens größte Kirche