#107 Es beginnt!

Vorgeschichte

Kennt ihr das: Ihr möchtet unbedingt eine Sache wiederholen, da sie so gut war?
Vielleicht ist so ein Moment für viele der Adrenalinkick in einer Achterbahn oder die grandiose Aussicht die man hat, nachdem man einen Berg erklommen hat. Für mich ist es seit letztem Jahr das wunderbare Gefühl mit dem Rad zu reisen.
Nach dem Ende unseren letzten Fahrradtour im Sommer 2017 stand für mich schon fest, dass ich in meinem bevorstehenden "freien" Jahr auch eine Fahrradtour machen möchte. Und so fing ich langsam an zu planen und meine Vorstellungen zu konkretisieren. Am Anfang stand die Idee, dass ich mit dem Fahrrad nach Skandinavien fahren möchte, da ich dort nicht nur die Landschaften faszinierend finde, sondern auch Land und Leute. Der ursprüngliche Plan war es mit meinem Fahrrad in Borkwalde zu starten und innerhalb eines Monats so weit wie möglich nach Skandinavien vorzudringen. Danach wollte ich umkehren und die Strecke wieder zurück nach Hause fahren. Das war so um die Weihnachtszeit 2017. Nebenbei fragte ich auch immer wieder ein paar Freunde, ob sie nicht Lust hätten mich auf diesem Trip zu begleiten. Leider bekam ich eigentlich immer nur zwei verschiedene Antworten. Viele sagten, dass sie sich so eine große Tour nicht zutrauen und auch nicht wirklich gerne Fahrrad fahren. Der andere und kleinere Teil meiner Freunde hätte zwar Lust gehabt mitzukommen aber dort haperte es meist an der Zeit. Kaum jemand kann sich neben dem Studium oder dem Auslandsjahr noch zwei Monate frei nehmen. Und so musste ich notgedrungen alleine fahren. Während meiner Zeit in Amerika reifte aber meine Idee und ich verfeinerte sie immer weiter. Ich stieß beispielsweise auf einen Blog von zwei Deutschen, die im Sommer 2017 von Deutschland aus über Dänemark und Norwegen an den nördlichsten Punkt Europas mit ihren Fahrrädern gefahren sind. Und so fasste ich den Entschluss diese Idee auch aufzugreifen und umzusetzen. Von Borkwalde aus über Dänemark und Norwegen bis an das Nordkapp sind es mit dem Fahrrad rund 4000 km. Dazu addierte ich nochmals 25% der Gesamtstrecke als Risikozuschlag und kam somit auf eine Gesamtstrecke von 5000km. Ich plane jeden Tag 100km hinter mich zu bringen, egal wie das Wetter ist. Nach meiner Berechnung würde ich dann alleine für den Hinweg fast zwei Monate brauchen. Da ich aber nur zwei Monate im Sommer Zeit habe, bevor ich nach Stuttgart ziehe, musste ich mir etwas einfallen lassen. Generell gefiel mir die Idee sehr das Nordkapp als festes Ziel zu haben. Es fährt sich einfach besser wenn man sein Ziel vor Augen hat. Das hätte aber für mich bedeutet, dass ich vom Nordkapp möglichst schnell nach meiner Ankunft wieder nach Deutschland gelangen müsste. Dafür gab es mehrere (gute und schlechte) Möglichkeit. Einerseits hätte ich mit dem Zug zurück fahren können. Das hätte aber für mich bedeutet mindestens 3 Tage im Zug zu verbringen und mindestens 5 Mal umzusteigen, was mit einem Fahrrad und Gepäcktaschen unglaublich schwer ist. Die andere Möglichkeit wäre das Flugzeug gewesen. Dafür hätte ich mir aber vor Ort einen großen Fahrradkarton suchen müssen, was bestimmt nicht leicht gewesen wäre. Außerdem müsste ich dann zu einem festen Zeitpunkt den Flughafen erreichen und wäre kaum flexibel. Die letzte Möglichkeit die ich sah und im Blog der Nordkapp Tour 2017 gelesen hatte, war die Abholung mit dem Auto. Aber auch hier gestaltete es sich schwierig jemanden zu finden der a) ein Führerschein und ein Auto besaß b) generell Zeit gehabt hätte und c) sich so einen großen Roadtrip zutraut. Und wie ihr merkt, habe ich auch hier niemanden gefunden :D. Also musste ich umplanen. Der finale Plan sieht nun folgendermaßen aus: ich fliege mit dem Flugzeug in die Nähe des Nordkapps, fahre die letzten Kilometer mit dem Fahrrad dorthin und mache mich dann weiter auf den Heimweg. Entlang der norwegischen Küste möchte ich bis in den Süden von Norwegen fahren, dort dann mit einer Fähre nach Dänemark übersetzen und die restlichen 1000km durch Dänemark und Deutschland nach Hause fahren.
Was ich für diese groß Tour alles vorbereitet habe, seht ihr jetzt.

Vorbereitung

Was nimmt man den alles auf so einen extremen Trip mit? Vorallem wenn man betrachtet, dass im Juli am Nordkapp die Durchschnittstemperatur bei rund 12 °C liegt und in Deutschland wahrscheinlich bei knapp unter 30°C.

Fangen wir mal ganz sachte an:
Als erstes braucht man ein Fahrrad, was ich ja glücklicherweise schon hatte.
Dann geht es weiter mit Taschen für Gepäck. Im letzten Sommer bin ich mit 3,5 Taschen gereist. Zwei Satteltaschen hinten, eine Lenkertasche und einem kleinen Seesack,wo Dinge drin waren die man immer wieder schnell gebraucht hat. Da ich mich aber im diesen Jahr auf Zeiten gefasst machen muss, in denen ich vielleicht Tage lang keine Unterkunft oder Supermarkt finden werde, muss man da auch etwas vorsorgen. Dafür habe ich nun auch vorne am Rad einen Gepäckträger für zwei kleine Taschen, die mit Lebensmitteln, Werkzeuge und Campingutensilien gefüllt werden sollen. Dafür habe ich aber den Seesack Zuhause gelassen und komme somit auf 5 Taschen.
Diese sind gefüllt mit:

Kleidung jeglicher Art
Einem Zelt inklusive Isomatte, Schlafsack und Minikissen
Medikamente für den Notfall
Hygienezeug
Werkzeuge
Campingausrüstung, von einem Gaskocher über einen Topf mit Deckel und Teller bis hin zu Besteck und einem Becher.
Essen , was ich noch in Norwegen kaufen muss
Weiterhin darf auch die kleinen Elektroniktasche nicht fehlen, inklusive der großen Powerbank.

Und somit sind dann alle Taschen gefüllt und mein maximal Gewicht für den Flieger auch nur knapp unterschritten.

Hier mal eine kleine Aufstellung, was ich so an Gewicht dabei habe:

Fahrrad: ca. 23 kg (inklusive Anbauteile und Schlösser)
Gefüllte Taschen: 20kg
Trinken: 6 L ( vielleicht auch mehr)
Essen: keine Ahnung, bestimmt auch 6 kg

~ 55kg
+ Mein Eigengewicht :D

Bereits in Amerika hatte ich mit einer Packliste angefangen, damit ich ja nichts vergesse.
Nachdem ich aus Georgien zurück kam hatte ich rund 2 volle Tage um alles zusammen zu suchen. Zum Glück probierte ich auch vorher mal, wie ich mein Zelt aufzubauen habe. Das ist bei meinem Zelt irgendwie anders als bei normalen Zelten :D
Nebenbei musste ich auch noch mein Fahrrad auseinander bauen und in einer Kiste verstauen. Die einzelnen Radtaschen sind übrigens in einem festen, von Oma genähten , Sack verstaut, damit die nicht einzeln durch den Bauch des Flugzeugs fliegen. Und mit gepackten Taschen machte ich mich am 02.07 auf um ein neues Abenteuer mit meinem Fahrrad zu erleben.

PS: Mittlerweile bin ich auch in Alta angekommen und geh jetzt erstmal schlafen.

Kommentare

Lieber Niklas,
Du hast Dir, Deinen Tag, den Geburtstag , zum Start ausgesucht.
Ich hatte mal kurz überlegt, was ich mit 20 Jahren gemacht hatte und ich kam schnell zu dem Schluss, dass ich in dem Moment nicht die Möglichkeit hatte solche Touren zu machen. Ich war bereits im 3. Studienjahr und zwei weitere standen noch vor mir. Danach ging es sofort in den ersten Job und seit 30 Jahren bin ich im Job. Im vergangenen Jahr bin ich gemeinsam mit Dir ein wenig aus dem Job ausgebrochen und wir hatten eine tolle gemeinsame Radreise mit ca. 2500 km. Wie gern erinnere ich mich daran zurück! Danke noch einmal an Dich für die tolle Zeit! Voller Respekt schaue ich jetzt aus der Ferne, wie Du allein die 4000-5000 km absolvierst. Ich wünsche Dir tolle Erlebnisse, gute spontane Bekanntschaften und sicherlich auch schöne Erinnerungen, die Dich Dein Leben lang begleiten werden.

Viele liebe Grüße
Papa