#110 Von Alta nach Tromsø

Als ich Samstag Morgen in meiner kleinen Hütte in Alta aufwachte, regnete es. Es war zwar nicht viel aber draußen war es zusätzlich noch kalt und deswegen wartete ich erstmal eine Weile, um zu sehen ob es vielleicht besser wird. Nach einer Dusche und einem langen Frühstück wurde es gegen 12 Uhr besser und ich verließ Alta. Immer am Fjord entlang ging Kilometer für Kilometer weiter. Ab und zu musste ich noch Umleitungen fahren, da einige Tunnel für Radfahrer gesperrt sind. Zusätzlich fing dann der Regen auch wieder an aber glücklicherweise war er nur so stark,dass mir eine Regenjacke gereicht hat. Viel mehr ist an dem Tag eigentlich nicht mehr passiert. Bei meiner Mittagspause ( um 16:30 Uhr :D) traf ich noch zwei deutsche Rentner, die mit ihren E-Bikes eine große Fahrradtour durch Skandinavien machten. Mit den beiden bin ich aber nicht mitgefahren, da wir doch unterschiedliche Ziele an diesem Tag hatten. Auf meinem weiteren Weg traf ich dann auch Jacob wieder. Ihn hatte ich bereits vor dem Nordkapp getroffen. Er war damals schon auf dem Rückweg und ich hatte noch rund 100km vor mir. Dadurch dass ich aber den Nordkapp Tunnel beim zweiten Mal mit dem Bus abgekürzt hatte, konnte ich ihn nun wieder einholen. Jacob ist in meinem Alter und kommt aus Dresden. Gemeinsam fuhren wir noch ein paar Kilometer, bevor ich auf einem Campingplatz einkehrte. Da er aber noch nicht so viele Kilometer an diesem Tag zurück gelegt hatte, verabschiedeten wir uns und erfuhr weiter. Auf dem Campingplatz gab es zum Glück eine warme Küche, wo ich mich nach dem kalten Regentag aufwärmen konnte.
Am nächsten Tag fuhr ich weiter an den Fjorden entlang Richtung Süden. An der Küste zu fahren ist eigentlich recht entspannt, es ist größtenteils flach aber meist kommt der Wind auch direkt von vorne. Wenn es mal keine Möglichkeit gibt eine Straße an einem Fjord zu bauen, wird meistens ein Pass über das Fjell ( Hochebene über Fjorden)gebaut. Und solche Pässe zu überqueren ist deutlich anstrengender. Die Steigung ist teilweise nicht das schlimmste aber selbst bei nur 5% Steigung braucht man für 450 Höhenmeter rund 9 km. Und das konstante bergauf fahren, ist anstrengend. Oben angekommen wurde ich aber mit einem unglaublichen Blick über den Fjord und Sonne belohnt. An diesem Tag musste ich drei Mal über einen solchen Pass aber nach dem Aufstieg geht's ja zum Glück auch immer wieder ein paar Meter runter. Bei meiner letzten Bergüberquerung traf ich dann auch Jacob wieder und wir machten dann erstmal Pause.
Nicht nur bei Autos etc. schaut man sich gerne die Technik der anderen an, sondern auch bei Fahrrädern. Mein Fahrrad ist beispielsweise schon sehr alt ( bestimmt 8 Jahre) im Laufe der Zeit habe ich es von meinem Jugendrad zu meinem Reiserad umgebaut. Aber neben dem extremen Eigengewicht (20+ kg) merke ich mittlerweile auch, dass ein paar Teile nicht mehr ganz rund laufen ( beispielsweise Schaltung etc.). Jacob fährt zum Beispiel ein modernes und leichtes (12,5 kg) Gravel Bike bzw. Cyclocross Bike und kommt im Vergleich zu mir jeden Berg leichter hoch. Wahrscheinlich werde ich mich nach meiner Ankunft mal nach einem neuen (oder gebrauchten) Reiserad umschauen, da ich glaube , dass mein Rad nach dieser Tour endgültig in Rente geschickt werden kann.
Abends fuhren wir noch ein paar Kilometer gemeinsam, bevor ich mir einen Schlafplatz nach 116 km an diesem Tag suchte. Da es aber kaum Plätze gab, wo man wildcampen konnte, schlief ich neben der Straße unter einer Freileitungen.
Am nächsten Tag ging es ganz normal weiter. Mittlerweile folge ich übrigens dem beschilderten EuroVelo 1 , einem Europaradweg, der mich heute nach Tromsø führen sollte. Dafür musste ich nach 20 km einen Fjord mit der Fähre überqueren. Die Fähre kam auch schnell und die Überfahrt war sogar für mich als Radfahrer kostenlos. Danach folgte wieder pures Fahren entlang eines Fjordes. Nach rund 40km stieß ich auf die nächste Fähre und wer wartete dort auch? Jacob. Zusammen mit zwei Mädels (Selin und Luna) warteten wir auf die Fähre. Nach der Überfahrt waren es nur noch rund 45 km bis Tromsø und damit ein erreichbares Ziel für den Tag. Mein aktuelles Durchschnittstempo liegt bei ca. 15-16km, dies entspricht dem Tempo eines normalen Radfahrers, und somit war ich nach gut 3 Stunden in Tromsø. Die große Eismeerkathedrale lag auch auf meinem Weg und so machte ich dort Halt. In der Zwischenzeit hatten die beiden Mädels für uns 4 eine Hütte als Unterkunft besorgt. Insgesamt sind wir damit sogar billiger weggekommen, als wenn wir in ein Hostel gegangen wären. Dort gab es auch mal wieder eine heiße Dusche :) danach kochten wir noch gemeinsam Nudeln zum Abendessen und gingen danach in die Stadt. Viel zu bieten hat Tromsø leider auch nicht. Wir waren zwar auch erst kurz nach 22 Uhr da aber neben der Kathedrale, der Brücke und einer kleinen Innenstadt gibt es dort nicht viel. Abends saßen wir dann noch lange und gemütlich in unserer Hütte und tauschten uns aus. Jacob und ich konnten davon berichten, wie interessant es ist mit dem Fahrrad zu reisen und die beiden Mädels berichteten von ihren Touren. Die beiden machen einen 8 Wochen langen Roadtrip durch die skandinavischen Länder ( vornehmlich Norwegen) und möchten dabei Land und Leute kennenlernen. Gemeinsam sind sie in einem kleinen Citroen C3 unterwegs, der bis oben hin voll ist mit Essen, Kleidung und Campingausrüstung. Sie fahren jeden Tag woanders hin um sich dort Dinge anzuschauen oder zu wandern. Abends schlagen sie ihr Zelt an einem schönen Ort auf und fahren am nächsten Morgen weiter.
Falls jetzt hier einer meiner Freunde mitliest: Auf so eine Tour hätte ich auch mal Lust :) Zusammen mit jemandem, mit dem man sich gut versteht, ein Land wie Norwegen zu bereisen und überall anhalten zu können ist bestimmt nett. Wandern gehen, Land und Leute kennenlernen , Fotos machen etc. Na wer hat Lust?

Bis spät in die Nacht haben wir noch gequatscht und dann war auch schon meine Reise nach Tromsø vorbei.

Kommentare

..... weiterhin gute Fahrt und tolle Erlebnisse auf deiner Tour und such dir eine Strecke, wo du nicht sooft übers Fjell musst.

Moin Niklas,
ich kommer erst heute dazu, Deinen Blog zu lesen.
Super, dass Du ein paar Leute auf der Strecke triffst und ihr euch so gut austauschen könnt! Dann ist es auch nicht so einsam.
Das mit dem neuen Rad ist sicherlich eine Überlegung wert!

VG Papa