#112 Die Lofoten

In meinem letzten Eintrag war ich ja bereits auf den Lofoten angekommen. Nach einer Nacht auf einem Campingplatz machte ich mich auf den Weg in die erste große Stadt. Svolvaer liegt im Nordosten der Inselgruppe und bot mir erstmal einen Supermarkt um meine Vorräte aufzufüllen und vorallem eine Touristeninformation, wo ich meine Zeit auf den Lofoten planen konnte. Ich wollte nämlich nicht einfach nur über die Lofoten fahren sondern auch ein wenig wandern. Nach einer Mittagspause ging es schon auf die erste Wanderung, direkt am Rande von Svolvaer. Hinter einem Kindergarten ging der Wanderweg steil den Berg hinauf. Da ich ja "möglichst leicht" fahre, habe ich keine Wanderausrüstung dabei, deswegen musste ich mit meiner Fronttasche, einer Wasserflasche und meinen abgelaufenen Turnschuhen wandern gehen. Der erste Abschnitt war schon sehr steil, teilweise waren Seile und Ketten aufgehängt damit man festhalten konnte. Nach einer Weile teilte sich der Weg und eine norwegische Familie konnte mir zum Glück den richtigen Weg sagen. Nach rund 1,5 Stunden hatte ich einen schönen Blick über Svolvaer und war auch fast am Ziel. An der Spitze des Berges gab es eine natürliche Steinbrücke , wo man schöne Fotos machen konnte. Leider war das Wetter nicht wirklich gut. Es war kühl und vorallem wolkig und etwas nass. Lange habe ich es dort oben nicht ausgehalten und ging dann langsam zurück. Seit dem Anfang war der Weg deutlich mit blau-weißen Markierungen ausgeschildert und so folgte ich diesen Markierungen wieder nach unten. Aber die Markierungen von der Bergspitze an führten mich weg vom eigentlichen Weg. Irgendwann war ich so weit vom originalen Weg weg, dass ich mir langsam Sorgen machte. Zum Glück entdeckte ich einen Trampelpfad, der ungefähr zurück führen könnte. Es war aber nur ein Trampelpfad der nicht ausgebaut war und an einigen Stellen sehr steil war oder an anderen matschig. Der Weg wurde immer schmaler aber irgendwann schaffte ich es zum Glück auf den richtigen Weg zurück. Da war ich echt froh :) und dann war ich auch schon wieder am Kindergarten wo mein Fahrrad parkte. Nach einem kurzen Snack wollte ich noch raus aus der Stadt fahren und mir dort ein Schlafplatz suchen. Auf den Lofoten ist es nicht so gern gesehen, dass man wildcampt und deswegen fuhr ich auf einen Campingplatz. Das ist zwar selbst für mich teuer (~20€ pro Nacht) aber für den Preis war die gebotene Infrastruktur teilweise sehr mau. Mehrmals gab es beim Duschen kein heißes Wasser mehr und hier muss man noch fürs duschen extra bezahlen.... Aber naja am nächsten Tag wollte ich in den südlichen Teil der Lofoten fahren, um dort wieder zu wandern. Und so fuhr ich 90 km auf Nebenstraßen nach Fredvang. An diesem Tag überschritt ich auch die 1000km Marke, wäre ich am Tag vorher nicht wandern gewesen, hätte ich die 1000km in 10 Tagen geschafft.
Was denkt ihr eigentlich wenn ihr Lofoten hört?
Ich dachte immer, dass die Lofoten eine wunderschöne Inselgruppe mit kleinen Fischerdörfern und schöner Natur sei. Aber irgendwie wurde ich etwas enttäuscht. Das Wetter war zwar auch nicht das beste - wolkig, kalt und nass- aber sonst ist die Insel voll mit (deutschen) Touris und viele schöne Spots habe ich auch nicht gefunden. Da gefiel mir die Insel Senja irgendwie besser, da hatte ich aber auch top Wetter!

Nach einer Mittagspause auf der Hälfte der Strecke waren es nur noch rund 40 km bis zum Ziel. Auf dem Weg dorthin machte ich eine interessante Beobachtung. Ich habe mich schon auf dem ganzen Weg gefragt, wie all die kleinen Dörfer es handhaben mit der Sicherheit gegenüber Feuer. In den kleinen Dörfern habe ich nirgends eine Feuerwehr gesehen, nur ab und zu ein Feuerwehrfahrzeug, was irgendwo auf einem Hof stand. Aber gestern klärte sich die Situation auf. Auf meinem Weg überholten mich mehrere Feuerwehrfahrzeuge/ RTWs und Polizeiwagen. Alle kamen aus der großen Stadt und hatten einen langen Anfahrtsweg, was ja im Notfall auch nicht die Lösung sein kann?!

Bevor ich ankam, musste ich aber nochmal durch einen Unterseetunnel, was wie immer kacke war. Erst geht es steil runter und dann steil wieder rauf... Aber auch das schaffte ich und dann war es nicht mehr weit bis Fredvang. Hier soll es laut dem Internet einen der schönsten Plätze auf den Lofoten geben. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte und mir mein Abendbrot gekocht hatte, wie immer Nudeln mit Tomatensoße und diesmal hatte ich noch Würstchen und Chilipulver, was es etwas besser machte. Kurz nach 7 brach ich zu meiner Wanderung auf. Der Campingplatzbetreiber konnte mir den Weg gut beschreiben und mit einem Podcast im Ohr wanderte ich los. Diese Wanderung war im Vergleich zur ersten wesentlich einfacher. Es ging zwar den Berg hoch aber nicht so steil und rutschig. Nach 1,5 Stunden sah ich 400 Meter unter mir den Strand und bereitete mich darauf vor schöne Fotos mit meinem Handy und dem Stativ zu machen. Und es musste ja so kommen - der Nebel wurde dichter und die Sicht fiel fast auf 0. Nach 20 Minuten im Nebel, Nieselregen und in der Kälte verzog sich wenigstens etwas der Nebel und ich konnte etwas den Strand sehen und habe versucht gute Bilder zu machen. Bei schönem Wetter wäre es bestimmt besser gewesen aber das ist vielleicht ein Grund in den nächsten Jahren nochmal wiederzukommen. Vielleicht so wie es die beiden Hamburgerinnen machen oder mit nem eigenen selbst ausgebauten kleinen Camper ( Das wäre echt gerade so mein Traum :) ). Als ich abends zurück kam fiel ich nur noch in meinen Schlafsack und schlief. Die Nacht war leider nicht so schön, es war windig und es regnete. Auch am nächsten Morgen regnete es noch. Nach einer (lauwarmen) Dusche packte ich nur noch meine Sachen und verzog mich erstmal ins trockene Haupthaus.
Und ich wartete und wartete aber das Wetter wurde zwei drei Stunden lang nicht besser, die Wolken hingen tief, der Wind war Stark und natürlich regnete es. WLAN gab's auch nicht aber ich konnte den ganzen Text hier oben schreiben. Doch irgendwann musste ich los, da ich nicht noch eine Nacht für nichts bleiben wollte. Das Wetter sah etwas besser aus und kurz nach 13 Uhr gings los. Es nieselte nur noch und die ersten paar Kilometer kam ich recht gut voran. Dann musste ich aber direkt am Meer auf der E10 fahren, was sich als schwierig herausstellte. Es fing wieder an zu regnen, der Verkehr nahm zu und vorallem nahm der Wind bedeutend zu! Teilweise schubste mich dieser wie ein Luftballon hin und her und da er auch noch direkt von vorne kam, fuhr ich die meiste Zeit im kleinsten Gang, um überhaupt ein paar Meter zu schaffen. Mein Ziel war übrigens Moskenes (im Süden der Inseln), wo die Fähre nach Bodø ( Festland) fährt.
Und als ich durch die letzten Dörfer vor Moskenes gefahren bin, änderte sich meine Meinung zu den Lofoten. Hier fand ich genau das, was für mich Lofoten typisch ist. Hier machte ich eine kurze Pause und schoss dieses schöne Bild von der Fischerhütte. Hierher muss ich unbedingt noch einmal mit einer/ meiner richtigen Kamera!

Jetzt sitze ich in Moskenes in der Touristeninformation, warte auf die Fähre und schreibe diesen Bericht zu Ende.

Morgen in Bodø werde ich mich informieren, ob es sinnvoll ist die weitere Strecke über Schweden zu fahren, um dann die Entscheidung zu treffen.

Kommentare

Hallo Niklas,
ein wirklich ausführlicher Bericht! Schön, dass Du noch die schöne Seite der Lofoten gefunden hast.
Wir waren heute mit Oma, unserem Geburtstagskind, Opa, Ulla und Thomas gemeinsam auf dem Pfingstberg zum Essen.
Es war ein sehr schöner Moment. Das Wetter und das Essen passten einfach und die Stimmung war auch sehr schön.
Danach waren wir noch zu Oma und Opa gefahren und hatten noch einen schönen Nachmittag.
Oma hat sich sehr über Deinen Anruf gefreut!

Mach Dir einen schönen Abend.

VG Papa