#113 Nach einem langen Aufstieg

Bin ich jetzt in Schweden aber wie es dazu kam, berichte ich hier.

Bevor ich mit der Fähre die Lofoten verlassen konnte, brauchte ich erstmal eine Unterkunft in Bodø. Da ich wahrscheinlich erst sehr spät dort ankommen würde, buchte ich mir ein Zimmer in einem Airbnb, direkt in der Stadt. Die Fähre war ausnahmsweise mal nicht allzu teuer, ich zahlte nur 21€ für die 4 Stunden Fahrt zum Festland und mein Rad fuhr umsonst mit. Dafür war die Fahrt an sich sehr wackelig. Der Seegang schob das Schiff so hin und her, dass das Geschirr über die Tische rutschte. Zum Glück hatte ich vorher was gegen meine Reiseübelkeit genommen. Auf dem Festland angekommen,begab ich mich nur noch zu meinem Airbnb, da es schon spät war. Allein durch die Beschreibung des Zimmers etc. hätte ich vermutet, dass ein Student ein ungenutztes Zimmer in seiner Wohnung vermietet und war daher sehr überrascht als mir ein Rentner die Tür aufmachte :D Er war aber echt nett und wahrscheinlich nicht ohne Grund ein "Superhost" bei Airbnb. Er bot mir sogar noch etwas zu essen an,doch ich war müde und ging ins Bett. Am nächsten Morgen machte er mir sogar noch ein reichhaltiges Frühstück, was ich sehr genoss. Er erzählte mir auch, dass er den Winter über in Thailand verbringt und dort seine Zweitwohnung hat. Im Sommer lebt er hier in Bodø und vermietet das Zimmer , was sonst leer stehen würde. Nachdem ich meine Taschen gepackt hatte, führte mich mein erster Weg zur Touristeninformation. Dort wollte ich mir mehr Informationen holen, wie ich am besten weiterfahre. Aber die Angestellten dort hatten auch nicht viel Ahnung und erzählten mir das , was ich schon wusste. Nachdem ich noch einkaufen war, fuhr ich aus der Stadt raus und überlegte weiter, wo lang ich fahren sollte.

Entweder:
Überquere ich das skandinavische Gebirge und fahre dann auf der schwedischen Seite nach Süden, wo es bestimmt flacher ist aber dafür auch landschaftlich uninteressant.

Oder:
Ich fahre weiter am Meer nach Süden bis Trondheim, wo es bestimmt schön ist aber auch bergig und windig. Und nach Trondheim hätte ich dann wieder das Gebirge überqueren müssen. Wobei ich auf der Küstenroute oftmals nicht durch die Tunnel fahren darf und deshalb wieder die Fähren bezahlen muss.

Schlussendlich habe ich mich für die direkte Überqueren der Berge entschieden. Das würde zwar anstrengend werden aber wenn es danach flach ist, lohnt es sich vielleicht. Insgesamt fuhr ich an diesem Tag noch 90 km am Fjord entlang,bis zum Fuße des Berges. Geschlafen habe ich dann auf einem Rastplatz, wo es zum Glück Klos und frisches Wasser gab. Alleine an diesem Tag hatte ich schon 27°C und puren Sonnenschein, was fast schon zu warm ist zum Radfahren.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück ging es die letzten 60km bis zur Grenze den Berg hoch. Die ersten 30 km liefen echt richtig gut. Ich hatte Wind von hinten und die Steigung war auch okay. Im Durchschnitt fuhr ich dort mit 20 km/h den Berg hoch. Meine Mittagspause machte ich nach den 30km am Nationalpark-Center. Aber danach war der Aufstieg nicht mehr so einfach. Alles ging mit 10% auf den ersten 5 km los, was echt schwer war. Zum Glück war es nur eine Nebenstraßen und daher nicht so voll.
Hier muss ich auch mal die Norweger loben. Wenn es die Straße zulässt, fahren die meisten Norweger mit mehr als genug Abstand an mir vorbei und wenn gerade etwas von vorne kommt, warten die meisten geduldig hinter mir. Hier gibt es auch oft Schilder, wo etwas mit Fahrradfahren drauf steht. Und vor den meisten Tunneln gibt es Knöpfe für Radfahrer, die ein Warnlicht am Anfang/ Ende des Tunnels anmachen. Norweger verhalten sich echt gut gegenüber den Radfahren. Bei so manchen ausländischen ( Deutschland, Schweden, Finnland , Frankreich etc.) Wohnmobilen komme ich mir meist so vor, als ob ich noch die Spiegel putzen soll.

Und so quälte ich mich weiter die 10% Steigung hoch. Ein Tunnel um diese Straße zu vermeiden ist leider erst in der Bauphase. Danach ging es nochmals fast flach durch ein Tal bevor der letzte Anstieg kam. Der war zwar nicht so steil aber lang. Gefühlt habe ich bei den 30°C und der vollen Sonne alle 500 Meter eine Trinkpause gemacht. Den ganzen Tag über habe ich übrigens mehr als 4 Liter getrunken. Und irgendwann sah ich dann die Grenze. Auf dem Rastplatz davor, machte ich aber noch eine Pause um mich zu stärken. Als Nachtisch sollte es die Reste meiner Schokolade geben. Die war aber so flüssig geworden, dass ich sie aus der Packung lecken musste :D Nach der Grenze war aber der Berg noch nicht vorbei und ich musste weiter hinauf. Und dann war ich endlich am höchsten Punkt (740 Meter ü. n. N) angekommen. Insgesamt habe ich an diesem Tag fast 1,4 Höhenkilometer überwunden. Dann fand ich zum Glück noch eine Quelle, wo ich meine Wasserflaschen auffüllen konnte und dann ließ ich mich noch rund 20 km den Berg runter rollen. Nebenbei war ich schon auf der Suche nach einem Schlafplatz. Der Lette hatte mal zu mir gesagt, dass die Wahl des Schlafplatzes wie ein Glücksspiel sei. Findet man einen Platz denkt man sich meist, dass es demnächst bestimmt noch einen besseren Platz gibt und fährt weiter. Wenn man dann kein Glück hat, findet man nur noch Plätze die alle schlechter sind als der erste. Ich hatte aber Glück. Neben einer Bushaltestelle führte ein kleiner Weg runter zum See und dort konnte ich schlafen. Zum Abendbrot gab es die letzte Portion meiner 650g Nudelpackung und danach noch Schokolade die in der Abendkühle wieder hart geworden ist. Nebenbei habe ich auch eine neue Serie entdeckt, die ich mir vorher am Nationalpark-Center runtergeladen hatte. Die Serie heißt "The IT Crowd" und soll ein besseres "The Big Bang Theory" sein. Ich habe bis jetzt die ersten 3 Folgen gesehen und bin noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll.

Am nächsten Morgen wachte ich sogar schon vor meinem geplanten Aufstehen gegen 8 Uhr auf. Das Innere meines Zeltes war bereits durch die Morgensonne so warm geworden, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Draußen war es nur etwas besser und ich kühlte mich erstmal im See etwas ab. Das bisschen Waschen tat echt gut :) Danach gab es Frühstück mit all den Lebensmittel, die ich noch hatte und die bei der Wärme in den nächsten Tagen schlecht werden würden. Nach dem Frühstück packte ich alles zusammen und fuhr weiter. Auch der Wind frischte etwas auf aber er kam leider aus der falschen Richtung und blies mir wiedereinmal ins Gesicht. Nach ein paar Kilometern sah ich den ersten Store auf schwedischer Seite und hielt natürlich an um mich wieder mit Lebensmitteln einzudecken. Aber es war eher ein Tourishop und ich kaufte mir Chili Con Carne und die leckeren skandinavischen Hefeteigrollen mit Zimt drin :) draußen machte ich noch etwas Pause und erkannte dann erst warum der Shop genau hier stand. Ein paar Meter zuvor hatte ich den Polarkreis überquert :) Nach meiner Pause und ein paar Bildern von dem Schild ging es weiter. Der Tag war unglaublich warm und ich war froh nach 50km eine Tankstelle gefunden zu haben. Dort gab es ein Eis und ein kaltes Getränk, sowie meine Mittagspause. Die auch relativ lang ausfiel, da es fast schon zu warm war um weiterzufahren. Immer wieder wurde ich auf meine Radreise angesprochen und musste erklären wo es hin geht etc. Übrigens halten mich immer alle für einen Norweger/ Schweden und sprechen mich dementsprechend auch so an. Naja kein Wunder bei meinem Aussehen :D Nach der Pause ging es nochmal weitere 70km nach Süden. Die letzten davon leider auf nem Schotterweg, von dem Google meinte es sei der beste Weg. Mein Nachtlager schlug ich irgendwo neben dem Schotterweg auf und freute mich auf mein Chili. Nach meinem Essen war es zwar noch nicht so spät aber was tut man allein im Wald nach 120km ? Nichts :D Ich habe mich in meinen Schlafsack gelegt und probiert zu schlafen, da ich aber noch nicht müde war, hörte ich noch Podcasts. Ab und zu fuhr ein Auto über die Straße aber sonst war es ruhig. Kurz nach 10 hörte es sich draußen so an, als ob jemand auf der Straße joggt aber in einem komischen Rhythmus. Und als es näher kam und direkt an meinem Zelt vorbei lief, wurde mir klar, was sich da draußen so komisch bewegte. Es waren Rentiere. Schon am Nachmittag war mir eins begegnet und jetzt begutachteten sie mein Zelt. Ich habe mein Zelt aber zugelassen,damit ich die Tiere nicht erschrecke. Nach diesem Besuch schlief ich irgendwann ein. In der Nacht waren die Rentiere nochmals da aber auch diesmal habe ich das Zelt zugelassen.
Am nächsten Morgen wurde ich wieder durch die Wärme in meinem Zelt geweckt. Nach einem schnellen Frühstück ging es weiter auf der Schotterpiste Richtung Süden und vorallem zum nächsten richtigen Supermarkt. In dem Wald, durch den ich fuhr, war es so warm, dass es richtig nach Sauna roch :D Nach 40 km erreichte ich endlich wieder die Zivilisation und konnte auch schon bald einkaufen. Diesmal kaufte ich Reis und Curry, wobei es schwer war Reis in Kochbeuteln zu finden. Nach einer Mittagspause am Bahnhof ging es weiter. Ich hatte mir einen Campingplatz in der nächsten großen Stadt gesucht. Bis dahin waren es weitere 70km, die ich aber auch noch schaffte. Hier angekommen gab es das leckere Curry, wobei ein Beutel Reis mir nach 120km zu wenig war aber zwei wären bestimmt zu viel. Jetzt lade ich erstmal alle meine Geräte und schreibe den Bericht zu Ende.

Bis Östersund , der nächsten großen Stadt sind es noch 300km. Bis nach Hause sind es auch "nur noch" rund 1800-2000km auf dem kürzesten Weg.

VG vom Campingplatz

PS: Danke für die vielen Tipps und Tricks was mein Abendessen angeht. Ich habe viele interessante Ideen per E-Mail, WhatsApp oder als Kommentar bekommen. Demnächst stehen dann Linsen-(Suppe) und Reis und Curry auf meinem Speiseplan. :)
Übrigens freue ich mich immer über Kommentare :)

PPS: Heute war der erste Tag an dem ich durchgängig 20km/ h gefahren bin, was durchaus schnell ist.

Kommentare

....... da musstest du dich ja richtig quälen.
Hoffentlich werden deine nächsten Etappen vom Streckenprofil ausgehend ein bisschen leichter. Das es ist Schweden so heiß ist, ist auch selten. Du musst bei deiner Tour nur aufpassen wegen der Waldbrände. Im Moment gibt es 40 Waldbrände in Gesamtschweden und sie kriegen diese nicht unter Kontrolle.
Wir drücken dir die Daumen, dass du die beste Strecke findest und fahren kannst.
LG aus Borkwalde

Hallo Niklas,
heute ist der 24.07 und wir haben den Tag im Strandkorb unserer Ferienwohnung gesessen und den Blick auf den Bodden und nach Hiddensee genossen. Sogar die Radtour zum Strand haben wir auf morgen verschoben. Es ist einfach zu warm und mit dem Strandkorb können wir uns immer von der Sonne abkehren.
20 km/h sind schon richtig viel. Wir haben diese auf unserer letzten Tour im vergangenen Jahr knapp verfehlt.

Wir wünschen Dir weiterhin eine gute Tour, gute Wegbegleiter und immer Wind von hinten.

VG Papa

kommt in den nächsten zwei Tagen. Ich bin schon fleißig am schreiben aber es dauert noch etwas.

liest auf ihrem Handy immer mit. Ich zuerst bei ihr seit ich aus Rumänien zurück bin. Erinnerte mich aber heute, dass ich ja registriert bin und Dir schreiben kann. Der Name kann bleiben, beneide Dich natürlich um diese große Radtour, zumal es in diesem Jahr bei mir noch keine bemerkenswerten Radtouren gab - wird sich wieder ändern. Da hast Du wieder viele neue Eindrücke jeglicher Art zu verarbeiten - und jeder Tag, wie immer auch geplant und vorausgedacht, bringt nur nicht vorhergesehene Erlebnisse und ist nicht zuletzt ein Test der Willenskraft. Erfahrung hat den Verbstamm fahren - da hast Du die beste Form für Erkenntnisgewinn gewonnen. - Nach diesen altklugen Worten: Genieße es, nimm Dir Muttis Esshinweise und sonstigen Ratschläge zu Herzen. Und hab noch viele schöne Begegnungen mit den Menschen. Solltest Du, wenn Du bei Trondheim nach Schweden abgebogen bist, über den Trollweg fahren oder Mora in der Nähe haben, grüße diese Gegenden von uns. Da hausten wir auf den Fjällen. Liebe Grüße auch von Bärbel! Und weiter viel Kraft