#114 Hier ist nichts!

Die letzten Tage waren wirklich uninteressant... Die ganze Zeit fahre ich auf der E45 nach Süden und es gibt nichts zu sehen. Links und rechts finden sich viele Wälder, einige Seen und wenige Häuser, ein bisschen so, wie letztes Jahr in den Masuren. Alle 50-70 km kommt mal eine größere Stadt / Ansammlung von Häusern, wo ich mich meist mit neuen Lebensmitteln eindecke und mir zur Abkühlung nen Eis oder ein kaltes Getränk hole. ( Ja ich weiß, dass das überhaupt nichts bringt, wenn man kalte Dinge zu sich nimmt aber es tut trotzdem gut). Auch die Straße ist uninteressant, ab und zu geht es Berge rauf und runter, manchmal geht es nur gerade aus oder es kommt mal ne Kurve. Viel Verkehr ist hier oben zum Glück auch nicht aber die Autofahrer hier halten nicht so viel Abstand. Vorallem die Norweger hier fahren manchmal sehr knapp an mir vorbei. Von den Schweden wird man teilweise mit einem freundlichen Hupen gegrüßt. Radfahrer trifft man auch nicht mehr, auf den letzten rund 500km kam mir ein Hamburger entgegen, der zu den Lofoten wollte. Es ist sogar so wenig zu sehen, dass ich nichtmal Bilder gemacht habe. Ab und zu läuft ein einsames Rentier über die Straße und an jeder Ecke kann man" Loppis" kaufen. Anfangs dachte ich noch, dass es vielleicht Eis sein könnte aber nein die Schweden verkaufen ihren privaten Wald in ofenfertigen Stücken.
Da ja hier nicht so viel los ist und die Bedingungen einigermaßen gut sind, fahre ich am Tag auch 120 km und hangle mich von Stadt zu Stadt. Waldbrände sind mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen, was vielleicht auch ganz gut ist.
Mein nächstes großes Ziel ist Östersund, eine größere Stadt, die etwa auf der Höhe von Trondheim liegt aber im tiefsten schwedischen Inland. Von meinem letzten Blogeintrag aus bis Östersund waren es noch rund 300-400 km, die ich auch relativ schnell abarbeitete. Meist schlief ich auf einem Campingplatz aber am letzten Tag vor Östersund suchte ich mir mal wieder einen wilden Platz. Dieser lag ganz nett an einem Fluss, zwar stand mein Zelt nur rund 10 Meter von der e45 entfernt aber es war gut, dass ich dort mein Zelt aufschlug. Kurz nachdem ich mit dem Kochen fertig war, begann es zu regnen und so musste ich schnell wieder alles zusammen packen und in meinem Zelt verstauen. Aber mein Curry schmeckte auch im Zelt :D Danach machte ich mir einen Podcast an und legte mich hin. Auch den Mücken schien der trockene Platz zwischen Zeltplane und Innenteil zu gefallen und so sammelten sich in kürzester Zeit hunderte Mücken, die alle laut brummten. Irgendwann nachts bin ich davon aufgewacht und hatte dann so die Nase voll von dem Brummen, dass ich Autan von innen gegen die Zeltwand sprühte. Und es half sogar :D
Am nächsten Morgen waren es nur noch 65 km bis in die Zivilisation Östersund. Dort kam ich auch frühzeitig an, dann konnte ich den Nachmittag noch nutzen, um meine Wäsche zu waschen. Dafür wollte ich mich auf dem lokalen Campingplatz niederlassen, wurde aber an der Rezeption etwas geschockt. Insgesamt ( mit Waschen) sollte ich fast 50€ für die Nacht hinlegen. 6€ für Waschmaschine und Trockner , okay damit hatte ich gerechnet. 26€ für die Nacht in meinem kleinen Zelt auf deren Wiese ist schon sehr teuer. Aber um überhaupt auf den Campingplatz zu kommen, brauchte man noch eine Campingcard, für 16€ im Jahr. Diese soll die nachhaltige Entwicklung der Campingplätze in Schweden und Europa sicherstellen. Naja mal sehen, ob ich sie irgendwann nochmal anwenden kann. Aber bei diesem Preis musste ich zwei Mal überlegen. Da es aber auch keine Alternativen (Airbnb, Hostel etc.) zu einem besseren Preis gab, musste ich nun diesen Platz nehmen. Nebenbei auch nochmal vielen Dank an meine Familie, die mich auf dieser Reise etwas unterstützen. :)
Und so baute ich mein Zelt auf und fing an zu waschen. Nach dem erfolgreichen Waschgang gab es für mich noch Abendbrot und danach fuhr ich nochmal zurück in die Stadt, um mir Östersund etwas genauer anzuschauen. Vorher gab ich meine leere Powerbank noch an der Rezeption ab, damit diese dort über Nacht laden konnte. Was auch durchaus nötig war. In der Stadt gönnte ich mir noch ein bisschen Obst und was zum Naschen und lief dann durch das Zentrum. Es war Sonntagabend und dementsprechend auch viel los aber Östersund ist jetzt nicht so speziell. Die Innenstadt ist unspektakulär und auch sehr klein. In einem Lokal gab es noch Stand Up Comedy aber da ich kein Schwedisch spreche/ verstehe, habe ich es gar nicht erst versucht. Dafür lief ich runter zum Wasser, wo eine Art Foodfestival stattfand. Ich setzte mich an den kleinen Hafen, lauschte der Livemusik und genoss meine schwedische Schokolade. Dort saß ich auch eine Weile und schaute entspannt aufs Wasser. Irgendwann fuhr ich zurück und versuchte zu schlafen. Aber wie das auf so großen Campingplätzen so ist, die kleine Kinder sind bis spät in die Nacht wach und laufen draußen laut rum. Das Schlimmste waren aber die Kinder mit ihren "Hoverboards" die surrend über den Platz fuhren.... Irgendwann schaffte ich es aber einzuschlafen und schlief auch ganz gut.
Am nächsten Morgen frühstückte ich noch und packte dann meine Sachen. An der Rezeption holte ich noch meine Powerbank ab, die natürlich nur minimal geladen wurde.... Aber was sollte ich tun, ich musste ja weiter. Mein erster Anlaufpunkt war der Lidl um die Ecke, wo ich mich mit Lebensmitteln eindecken wollte. Vieles habe ich auch bekommen aber beispielsweise deutsches Brot fehlt im schwedischen Lidl. Und dann ging es wieder auf die E45 Richtung Süden.
Diesmal hatte ich aber achterlichen Wind und kam somit sehr gut voran. Bei meiner Nachmittagspause traf ich das erste Mal auf eine Feuerwehr im (Waldbrand) Einsatz, diese tankten gerade an der Tankstelle nach, an der ich meine Pause machte. Aber ich wollte sie nicht in ein Gespräch verwickeln, da sie doch sehr beschäftigt aussahen. Danach bin ich noch weitere 40km gefahren und habe mich dann hinter der Touristeninformation auf einer Wiese niedergelassen. Insgesamt habe ich an diesem Tag 142 km gemacht und damit einen neuen Tagesetappenrekord aufgestellt. Am Abend gab es nur noch Essen und dann gings ins Bett. Wenn ich abends auf meiner Isomatte liege, freue ich mich übrigens schon immer auf das Frühstück am Morgen. Durch das Radfahren bin ich so hungrig, dass ich den ganzen Tag essen könnte :D
Am nächsten Morgen konnte meine feine Feuerwehrnase schon riechen, was ich an diesem Tag erleben würde. Der Wind hatte über Nacht um 180° gedreht und brachte so den Rauch des nahen (10-20 km) Waldbrands in das kleine Dorf. Alle die schon mal einen Waldbrand erlebt haben, werden diesen (markanten) Geruch kennen. Und auch die Sicht war doch etwas eingeschränkt. Trotzdem war die Straße freigegeben und ich konnte losfahren. Leider wieder mit Wind von vorne, praller Sonne und sehr warmen Temperaturen. Nach gut 20 km lösten sich zum Glück die Rauchschwaden auf. Kurz bevor ich in die nächste größere Stadt (Sveg) einfuhr, hatte ich noch eine weitere Begegnung mit der Feuerwehr. Diesmal kam sie aber nicht angefahren, sondern angeflogen. Über mir drehte ein Löschflugzeug seine Kreise, leider habe ich es nicht mehr mitbekommen, wie es seine Wasserladung abgelassen hat. Trotzdem war es mal sehr spannend zu sehen, wie so ein Flugzeug im Tiefflug über den Wald fliegt. In Sveg versorgte ich mich mit neuen Lebensmitteln und einem kalten Getränk. Danach setzte ich mich in die Touristeninformation,machte dort meine Mittagspause und lud nebenbei mein Handy auf. (Meine Powerbank hatte ja kaum noch Strom...). Danach ging es noch mit kräftigem Gegenwind die E45 weiter nach Süden. Und bei einer kurzen Pause am Straßenrand hatte ich eine interessante Begegnungen. Als ich gerade meine Essenstasche wieder verschloss, hielt ein VW Bus mit deutschem Nummernschild neben mir und fragte ob alles okay sei. Und ja klar mir gings gut. Der Fahrer gab mir dann noch ein Buch mit, was seine Frau - die Beifahrerin- geschrieben hatte. Es hieß "Glücklich sind.." und war mir erstmal als A6 Heftchen eine willkommene Abwechslung zu meinen abendlichen Podcasts. Nach rund 110 km schlug ich mein Zelt an einem Rastplatz an einem kleinen See auf, machte mir mein Essen und schlug danach das Buch auf, was ich noch bei mir hatte. Ich meine ein Buch über Glück bzw. glücklich sein, kann immer interessant sein aber leider war nach den ersten Sätzen das Buch schon nichts mehr für mich. Zitieren kann ich es hier zwar nicht mehr genau aber ich kann den ungefähren Sinn wiedergeben. "Glücklich sind alle die, die dem Wort des Herren Folge leisten. Unglücklich sind alle die, die sich dem Herren widersetzen [etc.]". Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Menschen glauben und bin auch durchaus für die freie Religionsausübung aber für mich ist sowas nichts. Dann höre ich doch lieber meine Podcasts.
Am nächsten Morgen merkte ich schon den Wind, der mein Zelt gut durchschüttelte. Und leider kam der Wind aus dem Süden und natürlich führte mich mein Weg in den Süden. Und schon am frühen Morgen waren es 25+°C . Und es wurde auch nicht besser den ganzen Tag über. Mein Mittag machte ich in Orsa bzw. Mora , zwei großen Städten die nahe beieinander liegen. Aber bis dahin musste ich mich 80 km vorkämpfen. Teilweise hatten wir dann 34°C und der Wind kühlte auch nicht wirklich. Heute war ich echt froh, als ich mir kühle Getränke kaufen konnte :) Nach der Pause fuhr ich noch weitere 35 km und bin damit vorerst von der E45 runter. Ab morgen geht es auf der 26 südwärts.

Um am Ende nochmal auf den Titel des Eintrages einzugehen: Vor Östersund war es echt schwer die Zivilisation zu finden, dort musste ich wirklich gut planen, was Essen und Unterkünfte an ging. Nach Östersund wurde es besser und jetzt findet man schon öfter Mal einen Supermarkt.

Kleiner Nachtrag: Heute habe ich auch die erste große Schlange gesehen. 0,8 - 1 m lang, schwarz und so 3-4 cm im Durchmesser, glücklicherweise bin ich nicht drüber gefahren :D

VG Niklas

PS: das aktuelle Ankunftsdatum in Borkwalde würde ich auf den 10.08 bis 15.08 schätzen.

PPS: Bilder kommen wie immer später, da das schwedische Mobilfunknetz nicht wirklich gut ausgebaut ist.

Kommentare

hier hast Du versäumt. Gestern am frühen Nachmittag roch es stark nach Rauch, der Fahrer, der Meike um 16 Uhr brachte dann die Neuigkeit mit, dass von der 246 in Richtung Belitz Rauch über dem Wald stand. Der Brand bestätigte sich, von der A 9 fraß sich das Feuer auf Fichtenwalde vor - am späten Abend wurde es 800 m vor den ersten Häusern von Fichtenwalde gestoppt. Die Bekämpfung geht jetzt weiter - ist ein Großaufgebot einschl. Hubschrauber, erschwert, weil verborgene Munition aus dem 2. Weltkrieg ab und an hochgeht. Wir waren schon auf Einquartierung vorbereitet und Mutti rief auch an und sagte, sie hätte Euren Freunden dort geraten, Euer Haus zu benutzen bei einer Evakuierung, die schon vorsorglich angesagt war. Nun ist sie erst einmal wieder ausgesetzt, aber es schwelt weiter. Konzentrationspunkt Feuerwehr und technischer Helfer ist der Spargelhof Klaistow, der Brand ist von dort ca. 2000 m entfernt. Heute wollten wir in Werder einkaufen, wurden aber schon am Kreisel von Busendorf/Kanin von der Polizei wieder nach Borkwalde umgeleitet und schwammen in dem Autostrom mit, der von der A 2 in Lehnitz durch unsere Dörfer auf die A 9 umgeleitet wurde; das Dreieck Potsdam war voll gesperrt. -
Mora hast Du also schon geschafft. Ja, alles nur Wald und wenig Abwechslung. Wir brauchten seinerzeit einen Schraubenzieher und mussten von unserer Hütte 70 km fahren, um einen in der nächsten Stadt aufzutreiben.
Wir hoffen, dass es bald wieder interessante Begegnungen gibt, nicht nur mit Proselytenmachern. Zumindest wenn die großen Seen, der Vättern oder Vänernsee, falls Du sie eingeplant hast. Wir drücken Dir dafür und für viel Kraft die Daumen....

einen Kommentar zu scheiben. Schade, dass die Landschaft so wenig bietet. Hoffentlich wird es bald besser. Sehr gespannt haben wir den Waldbrand in Fichtenwalde verfolgt. Ist ja scheinbar glimpflich für die Bewohner ausgegangen. Sicher wärst Du dort auch zum Einsatz gekommen! Ich hoffe auf einen weiteren optimistischen Bericht von toller Landschaft und schönen Erlebnissen. Scheinbar begegnet Dir z.Zt. auch kein gleichgesinnter Radler. Viel Erfolg und Durchstehvermögen wünschen O O

seit 5 Tagen. Hoffen, Du strampelst noch frohen Mutes und hattest doch noch etwas Abwechslung inzwischen.
Kraft und gute Motivation! Bärbel, Meike, Dierk

Moin Moin,

Ja ich mache ordentlich Strecke und nehme heute Abend/ morgen früh die Fähre nach Dänemark.

Der neue Blogeintrag kommt auch bald aber ich brauche noch etwas Zeit um ihn zu schreiben.

VG aus Halmstad

Hallo Niklas,
heute hatte ich Zeit, mich auf deinen neuesten Stand zu bringen. Manchmal tut es am Ende nur noch weh! So ging es uns zumindest am Ende eines Wandertages und wir können uns gut vorstellen, dass bei deiner Kilometerleistung ähnlich ist. Hier in Albanien haben wir Feuerwehrautos mit der Aufschrift „Feuerwehr“ gesehen. Ansonsten sind hier eher die Brände von Griechenland in den Medien.
Den Trail Peaks of the Balkans haben wir in 10 Tagen bewältigt und dabei 200 km zu Fuß gelaufen und 12500 m nach oben und auch wieder nach unten in die Beine gebracht. Dabei kamen wir durch leere Gegenden und durch Sommeralmdörfer, in denen es kein Strom gibt. Jetzt erholen sich unsere Füße an der albanischen Rivera. Die Idee mit dem Camper spielen wir auch immer wieder im Kopf durch. Bisher haben wir noch Ziele, bei dem wir ihn nicht brauchen und er nur rumstehenden würde. Doch ich glaube, irgendwann wird die Zeit kommen.
Halte durch! Freunde sind in Schweden und schreiben und, dass sie noch nie 30 Grad dort hatten aber jetzt!
Ach ja auf dem West-Coast -Trail haben wir abends Salami gebraten und in Kartoffekpüree aus der Tüte gerührt.
Kerstin und Torsten