#115 Im Süden ist alles besser :D

Am Ende meines letzten Blogeintrags konnte ich ja endlich die E45 verlassen. Vor mir stand nun die 26, eine der längsten Fernverkehrsstraßen in Schweden. Mein Plan war es der 26 zu folgen, an den beiden großen Seen vorbei bis nach Helsingborg zu fahren. Rund 700km lagen aber noch zwischen mir und der Küste.

Glücklicherweise war der nördliche Teil der Straße sehr gut ausgebaut und von LKWs kaum befahren. Obwohl der Wind nicht wirklich gut stand machte ich ordentlich Strecke. Im Durchschnitt bin ich 130 km gefahren.
Mein erstes Ziel war Filipstadt. Dort schlief ich auf dem einzigen Campingplatz. Komischerweise können hier viele Leute sehr gut Deutsch. Nicht nur im Einkaufsladen sondern auch der Campingplatzbetreiber unterhielt sich mit mir in Deutsch. Normalerweise ziehe ich es aber vor mit den Leuten Englisch zu sprechen, auch wenn sie Deutsch können. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, führte mich mein Weg in die Gemeinschaftsküche und natürlich war ich hungrig. Mittlerweile probier ich mich durch all die Curry Soßen, die ich hier im Supermarkt finden kann :D aber es ist wirklich nicht schlecht! In der Küche kochte sich noch ein älterer Herr aus Schweden sein Essen und wir kamen etwas ins Gespräch. Und es war echt Mal wieder schön mit jemandem zu reden. Die Tage vorher war ja wirklich nicht viel los gewesen mit zwischenmenschlicher Kommunikation. Vorallem passte es auch sehr gut zwischen uns. Er war sehr weise/ intelligent und hat auch in seinem Leben mal in der IT Branche gearbeitet. Zwischendurch lieh ich ihm noch meinen Dosenöffner für seine schwedischen Bockwürstchen aber er hat nicht den Deckel geöffnet sondern gleich die Dose geköpft, trotzdem hat es funktioniert :D Auch nach dem Essen unterhielten wir uns noch weiter.
Nach dem Gespräch ging ich direkt schlafen, da ich wie immer müde war und auch schon dunkel wurde. Interessanterweise wird es nachts auch schon wieder richtig dunkel und obwohl es tagsüber extrem warm ist, kühlt es sich nachts auch richtig ab. Und ich habe auch nicht mehr wild gecampt. Einerseits wurde die Bevölkerung pro Quadratkilometer immer größer, sodass es schwer wurde einen guten Platz zu finden. Andererseits tut eine tägliche Dusche bei solchen Temperaturen/ Anstrengungen schon sehr gut. An einem Abend landete ich auf einem Campingplatz am Vänern, dem westlichen See. Die Lage war top und der Preis stimmte auch, 11€ die Nacht erschien mir fair. Nur das Waschhaus war gewöhnungsbedürftig. Wahrscheinlich wird jetzt fast niemand diese Anspielung verstehen aber die Klos waren fast so wie bei Harz(s) in Kustrena damals. ( Soweit ich mich erinnern kann :D) Auch die Dusche stand mitten im Raum neben den Waschbecken. Wenn man sich duschen wollte, konnte man 2 Vorhänge zuziehen, die dann aber den Weg zum Waschbecken blockierten. Das war alles nicht durchdachte. An dem Abend traf ich auch noch einen schwedischen Radfahrer, der die beiden Seen, ca. 1000km Strecke, als Training für eine größere Tour umrundete. Und ich bin am Anfang ganz ohne Training in diese lange Tour gestartet :D
Am nächsten Morgen kam ich an einem Ort vorbei, der mir von der Touristeninformation empfohlen wurde. Es waren mehrere Schleusen. Diese bildeten mit vielen weiteren Schleusen, Kanälen und Seen die schwedische Version des Panamakanals. Der Göta Kanal verbindet Göteborg über rund 600 km mit der Ostküste Schwedens. Anfang des 19. Jhd. wurde dieser teilweise per Hand von Soldaten gegraben. Heutzutage hat der Kanal vornehmlich eine touristische Bedeutung, wird aber auch noch teilweise für den Warentransport genutzt. Als ich gerade an der Schleuse ankam, wurde ein kleines Ausflugsboot geschleust. Dieses hatte die Außenmaße eines Dampfers und passte gerade so in die Schleusenkammer, die echt nicht groß war. Da kam ein bisschen das Spreewald Feeling auf.
Danach ging es weiter nach Marienstad, dort führte auch ein gut ausgebauter Radweg hin, was ich in Schweden vorher noch nicht gesehen hatte. In Marienstad ging es erstmal wieder zur Touristeninformation, da ich wissen wollte, ob es nicht doch Radwege in Schweden gibt und wenn ja, ob es auch welche nach Helsingborg führen. Die Tourismusfachkraft ( sagt man das so?!) wusste aber auch nicht mehr und benutze auch nur die Navigation von Google Maps. Das konnte ich auch alleine. Ihre Tour führte mich über unzählige Dörfer und kleine Straßen ( Der Belag war unbekannt) bis nach Helsingborg. Trotz ihrer Hilfe entschied ich mich erstmal für die 26, da ich ja mit ihr gute Erfahrungen gemacht hatte. Leider war die 26 nach Mariestad wie eine Schnellstraße ausgebaut. Links, rechts und in der Mitte verliefen Leitplanken, sodass es für Autos schon schwer war mich zu überholen. Glücklicherweise war Samstag und fast kein Lkw auf der Straße. Aber es wurde auch nicht besser. Der Wind blies in unregelmäßigen Stößen gegen mein Rad und ich musste ständig gegenlenken und aufpassen, dass ich nicht wieder im Graben lande. Nach ein paar Kilometern musste ich die Straße verlassen, da es für mich einfach zu risikoreich war. Und so hieß es Google Maps raus und dem unbestimmten Weg folgen. Die 26 hätte insofern den Vorteil gehabt, dass sie perfekt ausgeschildert ist und gerade durch das Land läuft. Bei dem Google Maps Weg musste ich in jedem Ort abbiegen und mich jedes Mal neu orientieren. Dann fing es auch noch zu regnen an und meine eigentlich gute Stimmung wurde zum Trotz. Ich kam noch auf die Idee, dass Google mir den Weg ansagt, wie bei einem richtigen Navi, aber Google hört immer auf das GPS Signal zu nutzen, wenn man den Bildschirm ausschaltet. Das einzige was ich nun hörte war:" Kein GPS Signal". Nach dem Regen würde es aber besser und ich fuhr durch eine sehr schöne Landschaft. Ich würde sie fast schon als eine Mischung aus England und Harz beschreiben :D. Viele Kilometer und Navigationsstopps später kam ich nach Falköping und da ich auf der Suche nach einem Klo war, fuhr ich auch in die Innenstadt. Leider ohne großen Erfolg. Dafür bot sich mir bei der Einfahrt ein absolut geniales Bild,was ich leider nicht fotografieren konnte. Dafür war ich einfach zu langsam.
Ich fuhr an einem abgeernteten Getreidefeld vorbei und aus den gold-gelben Stoppeln erhoben sich auf einen Schlag hunderte schwarze Raben/ Krähen. Das Licht und die Farbkombination war in diesem Moment echt perfekt aber leider habe ich den Moment verpasst.
In der Innenstadt traf ich dann auf etwas anderes, was auch interessant war. Vorher möchte ich aber noch etwas über Autos sprechen. In Norwegen fahren, für europäische Verhältnisse, viele Elektroautos und vorallem auch Teslas auf den Straßen, was für mich ja absolut perfekt ist. So viele schöne Autos habe ich lange nicht mehr gesehen. In Schweden hingegen gibt es kaum Elektrofahrzeuge, dafür aber Volvos ohne Ende. So sagt es auf jeden Fall mein Klischee und es stimmt auch. Ständig sieht man einen Volvo, mal in dieser und jener Ausführung und mal in dieser und jener Farbe. Was natürlich auch sehr spannend (für mich) ist,da Volvo durchaus auch sehr schöne Modelle hat. Ein Polestar 1 war leider nicht dabei aber der kommt ja auch erst 2019 auf den Markt. Es war aber Samstag und so holten die Schweden ihre Spaßautos aus der Garage. Und was fahren Schweden zum Spaß? Nein kein Porsche, kein Cabrio und auch sonst keine "krassen" Autos, sie fahren amerikanische Oldtimer. Diese haben sie vollkommen im alten Stil wieder aufgebaut.
Und in dieser Innenstadt war ein Treffen dieser Szene. Alt und wirklich auch Jung trafen sich dort mit ihren Oldtimern und boten diese zur Schau an. Hunderte, wenn nicht gar tausende, alte Amerikaner fuhren durch die Stadt. Alle schön herausgeputzt und beladen mit Menschen in Feierlaune inklusive der Musik aus den Zeiten dieser Autos. Und auch mich hat es erfasst und ich blieb an einem Kreisverkehr stehen und schaute mir alle interessiert an. Und da waren echt schöne Autos dabei! Viele junge Schweden kaufen sich auch alte Autos und bauen diese wieder auf, um am Wochenende Mädels aufzureißen. Auch ne gute Möglichkeit :D Aber nach einer Pause musste/ wollte ich auch weiter. Nach der Stadt gab es einen absolut genialen Radweg. Ich würde vermuten, dass diese mal eine alte Eisenbahnstrecke war und nun asphaltiert wurde. Die Strecke war perfekt und sehr flach. Aber nach diesem langen Tag wurde ich langsam müde und musste mir einen Schlafplatz suchen. Dafür suchte ich mir einen Campingplatz etwas abseits meiner Strecke. Den kleinen Umweg von 6km nahm ich aber in Kauf,allein schon für eine Dusche und Strom. Der Platz sollte in einem Dorf liegen,dass nur 5 Häuser hat und an einer Straße lag. Und so war es auch: Das Schild stand einsam vor einer Hauseinfahrt. Okay dachte ich mir und ging zur Tür um zu klopfen. Und niemand antwortete. Auch im Inneren sah es eher nach Abstellkammer als nach Wohnhaus aus. Da aber im Umkreis von 20 km kein Campingplatz mehr war, brauchte ich dringend diesen Platz. Bei Google fand ich noch eine Telefonnummer, die mich aber auch nur zum Haustelefon weiterleitete, was natürlich auch nicht besetzt war. Die Straße runter sah ich jemanden seinen Vorgarten wässern und wollte ihn fragen, ob der Campingplatz überhaupt noch betrieben wird. Insgeheim hoffte ich, dass er einfach sagt, dass ich mein Zelt für die eine Nacht in seinem Vorgarten aufschlagen dürfte. Aber er hatte die Handynummer seines Nachbars und rief ihn an. Dieser war anscheinend mit seiner Familie im Urlaub fand es aber okay wenn ich mich auf seinem Grundstück niederlasse - for free- wie er so sagte. Naja besser als nichts, obwohl es echt zeitweise sehr gruselig war, hinter diesem unbewohnten Gebäude zu campen. Abends kamen dann noch seine richtigen Nachbarn vorbei, die die Katze fütterten und Mal nach mir sahen. Aber insgesamt war es ein sehr ruhiger und schöner Platz.
Am nächsten Morgen ging es weiter auf den super Radwegen über Ulricehamn weiter Richtung Süden. Gegen Ende hin wurde es wieder etwas weniger besiedelt aber mein Ziel war eine größere Stadt/ Dorf namens Torup. Dort vermutete ich einige Unterkünfte, allein schon weil es an der 26 lag. Nach 135 km kam ich auch dort kurz nach 8 Uhr abends an. Aber laut Google gab es dort keinen Campingplatz und Schilder für einen fand ich auch nicht. Laut Google gab es noch ein Hotel, was mir als gute Alternative erschien, das machte aber gerade Urlaub. Weiterhin gab es noch ein Wanderheim, was von außen aber verwahrlost und geschlossen aussah. Laut dem Restaurant Betreiber nebenan musste man aber nur die Telefonnummer anrufen. Dann habe ich dort angerufen und sprach mit irgendwem, der schlecht Englisch sprach. Außerdem sei das Wanderheim "fully booked". Ich denke, dass die Leute am anderen Ende der Leitung einfach keinen Bock hatten mich aufzunehmen. Und was macht man dann,wenn man müde ist und es keine Unterkünfte gibt?Alternativen suchen. Schlussendlich schlief ich dann auf der Wiese hinter einem Supermarkt zwischen Parkplatz und Bahnlinie. Besser als nichts! Der erste LKW mit Lebensmitteln stand zwar schon um 5:45 Uhr an der Laderampe und auch der erste Zug fuhr um 6 Uhr aber es war trotzdem okay. Nach dem Frühstück konnte ich wenigstens gleich einkaufen gehen :)
Heute stand die letzte Etappe nach Helsingborg an. Über kleine Dörfer fuhr ich erstmal nach Halmstad,eine echt schöne Stadt, und dann weiter an der Küste nach Helsingborg.
Dort fährt alle 30 min eine Fähre rüber nach Helsingør in Dänemark und da es dort drüben einen guten Campingplatz geben sollte nahm ich auch noch die Fähre.

Und so konnte ich Schweden nach 11/12 Tagen wieder verlassen. Es war zwar touristisch komplett uninteressant aber zum Fahrradfahren und die Landschaft anschauen super.

Auf meiner ganzen Schwedenreise habe ich leider nie einen wilden Elch gesehen und auch Ikea habe ich auf über 1500 km nie gesehen, bis auf den Ikea Markt in Helsingbor. Ich dachte, dass es die hier an jeder Ecke gibt :D

Jetzt geht es nach Dänemark. Mal sehen was ich dort erlebe.

Viele Grüße
Niklas

PS: Leider hat Google viele meiner durchaus schönen Fotos beim synchronisieren verloren/ gelöscht. Ich weiß nicht warum aber ich bekomme sie einfach nicht zurück geholt. Deswegen ist die Bilderauswahl etwas dürftig

Kommentare

Da ich mittlerweile schon fast in Deutschland bin, wollte ich unbedingt diesen Artikel noch schnellstmöglich online bringen. Und natürlich habe ich wieder was vergessen. Hier die Nachträge:

A)
Als ich so durch das winzige Dorf zu diesem Campingplatz im Nirgendwo fuhr, fiel mir eine Sache sehr positiv auf. Jeder kleine Bauernhof in Schweden bekommt FTTH , also eine Glasfaserleitung für extrem schnelles Internet ans Haus gelegt. Natürlich weiß ich nicht, wieviel die Schweden dafür bezahlen aber im Punkt Internetausbau ist Schweden damit deutlich fortschrittlicher als Deutschland. Bei uns hapert es ja noch am Breitbandausbau! In Dänemark ging es genauso weiter, überall standen kleine Schildchen mit dem Glasfaserwerbeslogan der Firma und überall schauten noch die Leitungen aus dem Boden.

B)
Skandinavische Supermärkte sind toll. Sie sind zwar manchmal schlecht sortiert und teurer als in Deutschland. Aber einerseits haben sie ( Schweden und Dänemark) auch sonntags von 9-20 Uhr mindestens geöffnet, was mir sehr gelegen kam. Und andererseits findet man überall Getränkekühlschränke mit vorgekühlten Getränken. Es tut unglaublich gut bei so einem warmen Wetter eine kalte Apfelschorle oder so etwas zu trinken. Leider gibt es die Apfelschorle nur selten und so musste ich auf die fruchtige Fanta zurückgreifen. Diese gibt es aber hier auch in mindestens 4 - 5 verschiedenen Sorten/ Geschmacksrichtungen. Einige davon sind echt lecker. Sicherlich gibt es auch bei uns ab und zu Getränkekühlschränke und unterschiedliche Fantasorten aber hier ist es mir mehr aufgefallen.

..... wie wir wissen, bist du bereits auf der Fähre nach Fehmarn. Einige der Ortsnamen kommen uns bekannt vor, da wir ja auch schon mal mit dem Fahrrad Schweden bereist haben. Aber bei weitem nicht in der Geschwindigkeit.d
Für die letzten Kilometer durch Deutschland immer gut ausgebaute Radwege und vor allem immer ein Plätzchen auf guten Campingplätzen.
LG

für den ausführlichen Bericht. DSa du nun schon in Dänemark radelst, bist du ja auch bald zu Hause. Wie schön, dass du alles so gut geschafft hast. Wenns auch manchmal sooo ruhig auf dem Campingplatz war.
Die Hitze geht uns ganz chön auf die Nerven. Da schafft man jA DEN rOLLSTUHL NUR sehr schwer.
LG und weiter gute Fahrt.