#117 Die Deutschland Etappe

Kurz vor 18 Uhr legte die Fähre in Puttgarden an und musste mir noch einen Campingplatz suchen. Aber Fehmarn war voll mit Plätzen und so konnte ich mir einen aussuchen. Ich nahm einen im Süden, der nahe an der Brücke lag und gute Bewertungen hatte. Vorher hielt ich noch in Burg auf Fehmarn um meine Lebensmittel wieder aufzustocken. Dort im Edeka gab es nicht nur gute deutsche Schokolade sondern auch ein vernünftiges Radler. Dann waren es auch nur noch wenige Kilometer bis zum Campingplatz, Fehmarn ist ja wirklich nicht groß. Der Campingplatz war Mal wieder riesig und voll aber es gab noch einen Platz auf der Zeltwiese. Beim Einchecken gab es sogar Bonbons und Schokolade :) Mein Zelt war relativ schnell aufgebaut, mittlerweile habe ich ja auch genug Übungen. Dann musste ich noch Essen kochen. Die "Küche" war leider am anderen des Platzes und so musste ich mein Kochgeschirr und meine Tasche mit Essen dorthin schleppen. Als meine Nudeln langsam kochten, machte ich mich auf die Suche nach einer Sitzgelegenheiten, wo ich später meine Nudeln essen konnte. Normalerweise gibt es draußen immer Bänke, Tische etc. aber diesmal war nichts da. Also fragte ich die weiteren Camper, die in der Küche ihr Geschirr abwuschen. Und sofort kam mir Gastfreundschaft entgegen. Ein älteres Pärchen, das nicht weit weg mit ihrem Camper stand, lud mich an ihren Tisch ein. Der Einladung folgte ich und konnte mein Essen wenigstens an einem Tisch essen. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch weiter und immer mehr Menschen gesellten sich zu uns. Die beiden fahren nun schon fast 30 Jahre auf den selben Platz auf Fehmarn und kennen daher viele Leute. Aber irgendwann wurde es auch spät und ich musste mich leider verabschieden.
In den nächsten Tagen standen nämlich die letzten Kilometer bis nach Borkwalde. Laut meiner Navigation sollten es noch rund 390 km. Aber so eine große Etappe lässt sich leichter bewältigen,wenn man in kleinen Schritten denkt. Und so war mein erstes Ziel nach dem Frühstück die Fehmarn Brücke zu überqueren,um überhaupt auf das deutsche Festland zu gelangen. Von dort aus ging es Mal mehr und Mal weniger nah an der Ostsee entlang Richtung Westen. Zwischenzeitlich fuhr ich an Dahme vorbei, wo ich vor Jahren mal mit einem meiner besten Freunde Silvester gefeiert habe. Da kamen schöne und lustige Erinnerung hoch :) Nach ein paar kleineren Pausen ging es nach Travemünde,doch vorher musste ich noch die Tourigegend rund um den Timmendorfer Strand durchqueren. Was leider fast noch schlimmer war als Radfahren in Kopenhagen. Es liefen nicht nur Fußgänger auf dem ausgewiesenen Radweg, nein ich wurde auch noch fast umgefahren. Mir entgegen kam ein älterer Mann auf seinem Rad entgegen. Doch anstatt auf den kurvigen Weg zu achten, ließ er seine blicke träumerisch durch den Hafen gleiten. Glücklicherweise bemerkte er mich noch rechtzeitig und ich musste nicht ausweichen, was für mich im fließenden Verkehr geendet wäre. Aber irgendwann schaffte ich zur Fähre nach Travemünde und machte an der Trave noch meine verspätete Mittagspause. Danach ging es ins Landesinnere Richtung Schwerin. Leider war Schwerin für mich rund 25 km zu weit entfernt und so musste ich mir irgendwo auf dem Land eine Unterkunft suchen, was sich durchaus als schwer herausstellte. Wer stellt schon einen Campingplatz auf das flache Land, wo Touristen normalerweise nur durchfahren? Niemand. Und so fand ich noch ein Hotel in einem kleinen Ort. Die hatten sogar noch ein Zimmer frei. Es war zwar die bisher teuerste Unterkunft meiner ganzen Tour (60€) aber dafür bekam ich ein großes Zimmer mit eigener Dusche, ein gemütliches Bett, WLAN und vorallem ein ausgiebiges Frühstück.
Nach dieser Stärkung war es ein Klacks nach Schwerin, was ich allerdings nur umfuhr. Eine kleine Pause machte ich dort,wo ich vor 2 Jahren für mein Praktikum gelebt habe. Damals hatte ich bei der Firma Planet mein Schulpraktikum erlebt und konnte dabei viel lernen. Leider lag der der Firmensitz nicht auf meinem Weg. Weiter ging es über Ludwigslust, wo es wieder ein Eis für mich gab :) und natürlich war es wieder unglaublich warm. Irgendwann passierte ich dann auch schon die Grenze zu Brandenburg. Nach einem langen Tag kam ich in Havelberg unter. Dort gab es einen netten Campingplatz auf einer Havelinsel und kaltes gezapftes Radler :) Auch hier waren meine neuen Nachbarn sehr interessiert an meiner Tour und so konnte ich auch hier wieder eine nette Unterhaltung führen. Leider nahm mein Rad kurz vor dem Ende nochmal einen Schaden. Zum zweiten Mal auf der Tour brach mein Fahrradständer ab. Diese Dinger sind halt nicht für solch große Extrabelastungen ausgelegt. Zum Abendessen gab es Mal nicht Nudeln oder Reis mit Soße sondern gute deutsche Linsensuppe. Danach war ich so fertig, dass ich beim Hören meiner Podcasts eingeschlafen bin.
Morgens war es bereits wieder so warm in meinem Zelt, dass ich früh aufstand. Nach einer kalten Dusche gab es noch ein kleines Frühstück und dann baute ich zum letzten Mal für diese Reise schon mein Zelt ab. Meine Nachbarn wünschten mir noch eine gute Reise und ich fuhr los. Am Elberadweg entlang ging es nach Rathenow und dann weiter Richtung Brandenburg. Laut dem Radwegschild waren es noch 59 km bis nach Brandenburg,laut Straßenschild 32 km und laut Navigation rund 30 km. Den Rad-um-Weg wollte ich nicht nehmen und so fuhr ich der Navigation nach. Diese führte mich aber durch den Wald über sandige und matschige Wege, dafür sparte ich mir aber den ein oder anderen Kilometer. In Brandenburg machte ich dann beim Aldi meine kleine Mittagspause. Nach den ersten Schlucken aus meiner Apfelschorle ereignete sich noch etwas unerwartetes. Nebenan war ein Postverteilzentrum und auf einmal schoss ein gelber Elektropostwagen über den Parkplatz, rammte ein parkendes Auto und rutschte dann über eine Grünfläche bis beide an einem Verkehrsschild zum Stehen kamen. Nach erster Verwirrung unter den ganzen Leuten auf dem Parkplatz musste was getan werden. Und so habe ich das erste und hoffentlich letzte Mal in meinem Leben den Notruf gewählt. Normalerweise komme ich ja erst nach dem Notruf ins Spiel. Glücklicherweise saßen in beiden Fahrzeugen keine Personen, nur hatte der Postwagen jemanden mitgenommen, der später von einem Krankenwagen betreut wurde.
Und dann ging es auch für mich weiter. Ab jetzt konnte ich auch das Navi ausschalten und frei fahren. Über Netzen, Lehnin und Busendorf ging es zurück nach Borkwalde.

Und da war ich auf einmal zurück von meiner großen Tour. :)

In den nächsten Tagen folgt noch mein ausführliches Fazit aber jetzt ruhe ich mich erstmal aus.