#118 Das Reisefazit zur Nordkapp-Tour

Für viele meiner Freunde und Bekannte ist das Reisen mit dem Fahrrad nicht das Reisemittel der Wahl. Ich hingegen genieße diese sehr spezielle Art des Reisens sehr. Beim Fahrradfahren erlebt man Land und Leute einfach wesentlich intensiver, als wenn man nur mit dem Auto vorbei rast oder den ganzen Tag am Strand liegt. In meinem aller ersten Blogeintrag über diese Reise habe ich ja schon berichtet, dass es sehr schwer war einen Mitfahrer für diese durchaus lange und intensive Tour zu finden. Da ich aber nicht nicht fahren wollte, nahm ich die Herausforderung alleine an.

Am 02. Juli 2018 stieg ich also mit meinem Fahrrad zusammen in ein Flugzeug und begann meine Reise. In Alta, im äußersten Norden von Norwegen, landete mein Flugzeug und nachdem ich mein Fahrrad zusammengebaut hatte, stand ich da. In den nächsten Tagen fuhr ich erstmal nach Norden, um meinen eigentlichen Startpunkt dem Nordkapp. In den ersten Tagen quälte ich mich schon sehr die steilen Berge hinauf und meistens auch gegen den Wind. Nach dem Nordkapp fuhr ich über Tromsö und die Inselgruppe der Lofoten weiter nach Süden. Nachdem ich wieder auf dem norwegischen Festland war, änderte ich meine geplante Route. Ursprünglich wollte ich ja auch durch Südnorwegen fahren aber ich glaube spätestens an den Trollstiegen wäre ich gescheitert. Und um die Berge in Südnorwegen zu umgehen, war nun mein Plan das skandinavische Gebirge zu überqueren. Dafür brauchte ich tatsächlich nur einen vollen Tag, an dem ich den ganzen Tag bergauf fuhr und war nach diesem sehr anstrengenden Tag dann im flacheren Schweden. Schweden ist zwar touristisch nicht so attraktiv aber teilweise auch sehr schön. In Schweden fuhr ich über die größeren Straßen direkt nach Süden, ich passierte Östersund, Mora und die beiden großen Süßwasserseen Vänern und Vättern bis ich nach Helsingborg im Süden kam. Da ich als Fahrradfahrer nicht auf der Öresund-Brücke fahren durfte, nahm ich die Fähre nach Dänemark. Dänemark durchfuhr ich relativ schnell. Innerhalb von zwei Tagen fuhr ich über Kopenhagen nach Rodby, um dort auf die Fähre nach Fehmarn zu steigen. Und dann war ich auch schon aus Skandinavien raus und wieder in Deutschland. So schnell konnte es gehen. Schleswig Holstein, Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg durchquerte ich relativ schnell.

Nach 33 Tagen, 32 davon auf dem Fahrrad, bin ich nun wieder zu Hause :) Insgesamt habe ich rund 3444 km hinter mich gebracht.

Bevor ich hier abschließend mein Fazit ziehe, möchte ich gerne noch auf einige Dinge eingehen, die vielleicht für euch interessant sind oder mir im Besonderen aufgefallen sind.
Als erstes möchte ich über meine Routenplanung und das tägliche Fahren sprechen. Ursprünglich war der Plan von Nordkapp die gesamte Küste mit all den norwegischen Fjorden entlang zu fahren. Dadurch dass Norwegen keine grade Küste hatte, wäre ich rund 4.500 bis 5000 km gefahren. Aber schon in den ersten Tagen merkte ich, dass ich ohne Training nur relativ langsam in diesem schwierigen Terrain vorankommen würde. Diese Tour habe ich wirklich komplett ohne Training begonnen, da ich im Vorlauf keine Zeit hatte zum Trainieren. Grundsätzlich bin ich ja fit, was ausdauernde Sportarten angeht aber mit dem zusätzlichen Gewicht war es anfangs echt schwer. Das Training kommt dann halt mit der Zeit. Am Anfang habe ich mit Mühe 100 km gemacht, am Ende bin ich eigentlich täglich 130-140 km gefahren. Für viele hören sich zwar schon 100 km viel und vor allem schwer machbar an aber so etwas ist eigentlich für jeden in meinem Alter erreichbar. Da man den ganzen Tag „nur“ zum Radfahren hat, kann man sich so viele Pausen nehmen, wie man möchte. Im Endeffekt braucht man nur die Motivation! Aber zurück zu meiner Routenplanung. Schlussendlich war es eine gute Entscheidung Südnorwegen zu meiden und durch das flachere Schweden zu fahren. Dort konnte ich gut und gerne 120-140 km am Tag machen und bin sehr gut vorangekommen. Aber es gab halt nicht viel zu erleben. Südnorwegen wird dann vielleicht in einer meiner nächsten Touren thematisiert.

Weiterhin würde ich gerne über meine Ausrüstung sprechen. Ich bin mit einem Fahrrad gefahren, was bestimmt schon 8 Jahre alt ist oder sogar älter. Damals war es mein erstes 28“ Fahrrad und da ich seitdem einige Fahrradtouren mit meiner Familie gemacht habe, habe ich es mir dementsprechend umgerüstet/ umgebaut. Früher hatte ich beispielsweise einen normalen geraden Lenker, den ich dann zu einem „Rennradlenker“ umgerüstet habe. Allein dadurch habe ich viele Möglichkeiten gemütliche Griffe zu finden. Nur die Schalthebel sind die alten, da wären mir Shimano STIs lieb aber die gibt’s dann wahrscheinlich beim nächsten Rad. Danach folgten der Getränkehalter, der Schlosshalter und seit Juni auch der Gepäckträger für das Frontrad. Der Rahmen ist komplett aus Stahl und mit allen Anbauteilen sehr sehr schwer. Wie ich schon mal berichtet habe, komme ich gut und gerne auf 20+ Kilogramm, was im Vergleich schon echt schwer ist. Auch mein Gepäck war teilweise zu viel/ zu schwer aber darauf gehe ich später ein. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass man auch mit dem schwersten Fahrrad und reiner Muskelkraft gut fahren kann. Trotzdem denke ich darüber nach mir ein neues Fahrrad/ gebrauchtes Fahrrad in der nächsten Zeit zu kaufen und mein jetziges Fahrrad in Rente zu schicken. Was das Zelten angeht war ich ganz gut ausgerüstet, würde ich sagen. Das Zelt war für mich alleine groß genug und ich konnte auch meine beiden Taschen mit ins Zelt nehmen, wo mein Schlafsack und meine Klamotten drin waren. Wenn mich noch jemand von meinen Freunden begleitet hätte, wäre es auf Dauer bestimmt etwas eng geworden. Auch meine dicke Isomatte war perfekt und hat mir größtenteils eine gute Unterlage geboten. Auch der Schlafsack war für fast alle Wetterlagen gut ausgelegt. Nur in der Nacht mit +4°C, kurz vor dem Nordkapp, musste ich mit Jogginghose, Pullover etc. schlafen. Auch meine Kochausrüstung war zwar minimal aber völlig ausreichend für meine Bedürfnisse. Glücklicherweise ist auch mein Rad fast immer heil geblieben. Ich hatte zwar Werkzeug für viele Eventualitäten dabei, unter anderem auch platte Reifen, lose Schrauben oder auch ein Kettenriss. Zum Glück habe ich das alles nicht gebraucht und mir ist glücklicherweise auch keine Speiche gebrochen. Vielen Radfahrern, denen ich begegnet bin, hatten mindestens eine gebrochene Speiche auf jeder Tour, was wirklich ein worst case wäre. Nur meine Fahrradständer sind mir fast schon regelmäßig abgebrochen. Da muss ich mir wirklich für die Zukunft eine bessere Alternative überlegen. Die einfachen Ständer sind einfach nicht auf diese große Last ausgelegt.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich gefühlt zu viel Gepäck dabei hatte. Auf der einen Seite gibt es natürlich Dinge, die ich nicht gebraucht habe aber trotzdem für den Notfall von großer Bedeutung sind. Beispielsweise die Medikamente, die Regensachen oder das Verbandsmaterial. Aber es gibt einige Dinge auf die ich hätte verzichten können. Hier eine kleine Liste: Badelatschen, Badehose, mehrere dicke Sachen (Pullover, Softshelljacke, Fleecejacke etc. ), lange Sport-Shirts, den Schal, ein zweites Fahrradschloss und normale T-Shirts. Seit Östersund trage ich auch meine Radfahrunterhose, da mein Po schon weh tat und sich durch die normalen Unterhosen auch Scheuerstellen gebildet haben. Auf die normalen Unterhosen könnte man also auch verzichten, wovon ich ja auch 10+ dabei hatte. Das gleiche gilt auch für Socken. Diese hätte ich lieber einen Tag länger an und hätte dafür weniger mitgenommen und einmal mehr gewaschen. Sich nach dem Zwiebelprinzip anzuziehen macht hier wirklich mehr Sinn! Und obwohl ich relativ früh gemerkt habe, dass ich zu viel dabei habe, habe ich kein Paket nach Hause geschickt, sondern alles brav nach Hause getragen. Im letzten Jahr hatten wir bestimmt auch ein bisschen zu viel dabei aber dieses Jahr fiel es mehr ins Gewicht (pun intended :D ).

Ich muss auch sagen, dass es in jedem Land unterschiedlich war sich mit dem Fahrrad zu bewegen. In den einzelnen Blogeinträgen habe ich mich ja schon zur Genüge über die existenten Radwege und die "Freundlichkeit" der Autofahrer ausgelassen aber auch was das Gesamtfeeling in jedem Land angeht, gibt es einige Unterschiede. In Norwegen bin ich sehr gerne gefahren und das obwohl ich ja mit den Bergen und dem Wind zu kämpfen hatte. Norwegen bietet halt sehr viele schöne Landschaften und hinter jeder Ecke kann man etwas neues entdecken. Auch die vielen wilden Tiere (Rentiere, Füchse etc.) waren sehr schön zu beobachten. Schweden hingegen war eher langweilig. Es ist halt fast nur Wald- und Seenlandschaft. Der Süden war okay aber im Norden hatte ich teilweise sogar Versorgungsprobleme, da es kaum Supermärkte gab. Dänemark fuhr sich als Radfahrer sehr gut, es gibt sehr viele Radwege und die Landschaft ist sehr flach. Viel Zeit habe ich in Dänemark ja nicht verbracht und kann deswegen kaum etwas über die Attraktivität sprechen. In Deutschland bin ich jedoch sehr gerne gefahren. Es gibt nicht nur viele Radwege, man fährt auch über all durch die kleinen Dörfer und Städte. Deutschland möchte ich auf jeden Fall noch weiter mit dem Rad bereisen. Ich kann es gar nicht in Worte fassen aber irgendwie ist es neben Norwegen ein super Land um es mit dem Fahrrad zu bereisen :)

Weiterhin möchte ich auch über meine Verpflegung sprechen. Im sportlichen Sinne habe ich überhaupt nicht auf meine Nahrung geachtet. Ich habe das gegessen auf das ich Lust und Hunger hatte. Bestimmt kann man auch an solch eine Tour mit der Abnehmintention herangehen aber darauf habe ich gar nicht geachtet! Hier noch eine kleine Auflistung meiner Verpflegung:

Frühstück:
• Brot mit Salami || Frischkäse (der mir ständig in der Tasche ausgelaufen ist….)
• Äpfel
• Jogurt (nur in den kalten Regionen aber perfekt zum Radfahren)

Mittag:
• Eigentlich alles wie beim Frühstück

Abendessen:
• Nudeln und Tomatensoße
• Reis und Curry (sehr lecker)

Snacks:
• Kekse oder Schokolade
• Nüsse oder Salzstangen
• Eis

Getränke:
• Leitungswasser (3x 1,5 Liter auf dem Fahrrad)
• Apfelschorle
• Ab und zu Cola/Fanta

Bei 140 km am Tag hat man eigentlich immer Hunger und auch bei so warmen Temperaturen immer Durst. Teilweise habe ich manchmal 5 Liter am Tag getrunken.

Vor und während meiner Tour haben mich immer viele Menschen gefragt, ob ich nicht bei einer so langen Zeit irgendwann einsam werde. Und ja das Problem bereitete mir vor der Tour auch einige Kopfschmerzen. Das Mitfahrerproblem habe ich ja schon einmal beschrieben, deswegen überspringe ich das hier und berichte gleich von der eventuellen Einsamkeit. In Nordnorwegen trifft man unglaublich viele nette Touristen und auch viele Radfahrer. Angefangen von dem Letten, der mich die ersten paar Tage begleitet hat. Dann habe ich Jacob getroffen, mit dem ich bis nach Tromsö gefahren bin. Bei Tromsö habe ich dann die beiden Hamburger Mädels getroffen, die ich danach zwar nicht mehr gesehen habe, wir aber zwischendrin immer noch Kontakt hatten. In Schweden wurde es dann erheblich weniger. Erst in Südschweden traf ich dann wieder ein paar wenige Radfahrer. In Deutschland bin ich dann, wie berichtet, auf viel Gastfreundschaft getroffen und habe dort auch viele nette Menschen getroffen.

Einsam war ich eigentlich nie. Es tut auch mal gut, wenn man Zeit für sich hat und in Ruhe über alles nachdenken kann. Abends war es teilweise etwas einsam für mich aber da hatte ich dann immer Kontakt zu Familie und Freunden, habe gelesen oder meine guten Podcasts gehört. Insgesamt wäre es bestimmt schön gewesen diese Tour mit einem guten Freund/ Freundin zu erleben aber ich habe es auch so überlebt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Tour von Nordkapp sehr gefallen hat. Ich habe unglaublich viel gesehen und erlebt. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und schöne Dinge erlebt. Nun bin ich aber glücklich und zufrieden, dass ich diese Tour in so einer kurzen Zeit gemeistert habe. Ich glaube, dass sehr wenige Menschen von sich behaupten können schon einmal mit dem Fahrrad am Nordkapp gewesen zu sein. Ich freue mich nun schon auf all die nächsten Touren, die ich hoffentlich erleben darf, dann vielleicht auch mit Begleitung. ;)

Zum Schluss möchte ich noch meinen großen Dank aussprechen. Einerseits natürlich an meine Familie, die mich bei dieser Tour unterstützt hat. Andererseits möchte ich auch allen danken, die mich über meinen Blog unterstützt und verfolgt haben. Und natürlich geht ein großer Dank an all die Menschen die ich auf meiner Tour getroffen habe.
Vielen Dank dafür! :)

PS: Wenn ich in den nächsten tagen all meine Bilder noch retten kann, dann gibt es für euch auch wieder einen Reisefilm :)

Kommentare

Hallo Niklas,
jetzt hast Du es geschafft und ich habe immer mit sehr viel Interesse Deinen Blog gelesen! So hatten wir auch eine gutebmöglichkeit, Dich auf Deiner Tour virtuell zu begleiten. Aus meiner Sicht eine sehr herausfordernde aber auch spannende Tour. Jetzt hast Du es geschafft und Dich immer immer wieder motivieren können. Ich finde es sehr schön zu erleben, wie Du die Leidenschaft am Radreisen fröhnst.
Wir machen uns jetzt auch auf den Weg nach Hause und wir sehen uns heute Nachmittag. Wir freuen uns auf Deinen ausführlichen Bericht.
Überleg schon mal, wo wir heute essen gehen wollen!

VG Papa

Jetzt habe ich mit Interesse dein Fazit der Reise/Fahrt gelesen. Wie gut du alles gemeistert hast und die vielen schönen Begegnungen und Erlebnisse. Das spornt doch für neue Ziele mit oder ohne Begleitung an!
Weiterhin Gesundheit, Kraft und Ausdauer.
LG O O