#119 Dieser Blog lebt weiter!

Tja was soll ich sagen? Seit meinem letzten Blogeintrag Anfang August ist einige Zeit vergangen und es haben sich viele Dinge verändert und davon möchte ich nun berichten:
Nach den rund 3500 Kilometern auf meinem Fahrrad gönnte ich mir erstmal ein wenig Ruhe. Ein paar Tage nichts tun und vor allem auch das Vergangene Revue passieren lassen, tat mir echt gut. Zwischendurch fing ich auch an meinen Reisefilm über die Radreise zu schneiden aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich diesen auch veröffentlichen möchte. Einerseits habe ich kaum Material, auf der ganzen Reise habe ich Tag für Tag immer weniger Bilder gemacht. Andererseits war es jetzt auch nicht so eine große Tour, wie zum Beispiel mein Work&Travel in den USA. Wenn ihr den Film doch noch sehen wollt, dann schreibt es mir gerne in die Kommentare :) Schon eine Woche nach meiner Ankunft stand ein weiteres Highlight auf meinem Plan, das Feuerwehrfest in Borkwalde. Viele wissen immer nicht, dass hinter so einem Fest unglaublich viel Aufwand betrieben wird, um natürlich das Fest möglichst reibungslos feiern zu können aber auch jedem Gast einen einmaligen und schönen Besuch zu bieten. Und so fängt es schon viele Tage vorher mit einem Großeinkauf an. Am Freitag vor dem Fest fanden wir uns alle um 11 Uhr ein und fingen an alles um und aufzubauen. Samstagmorgen, am Tag des Festes, hieß es natürlich weiterhin aufbauen, Bänke aufstellen, den Grill positionieren und vieles weitere. Nachmittags um 2 ging es dann auch richtig los. Für die ältere Generation gab es zur Einstimmung Musik vom Blasorchester, danach folgten Spiele für die ganze Familie. Zum Abend gab es Würstchen und Fleisch vom Grill und ich stand beim Verkauf und verkaufte fleißig das Essen. Nach dem Abendbrot folgte ein weiteres Highlight, die Rocking Turtles, eine (lokale) Rockmusikband. Und so feierten wir den ganzen Abend, bis spät in die Nacht, ein schönes Feuerwehrfest. Nachdem das Fest offiziell vorbei war, mussten wir nur noch die Straße räumen und dann ging es endlich ins Bett. Nach dem traditionellen Frühstück bei der Feuerwehr bauten wir den Rest noch zusammen und zählten das eingenommene Geld und die Spenden, die wir bekommen haben.

Die Zeit nach dem Feuerwehrfest war wieder sehr entspannt, zwischendurch passierten immer wieder ein paar Dinge, die aber alle nicht wirklich bedeutend waren. Ich fuhr ein bisschen mit meinem Rennrad durch die Gegend, besuchte meine Großeltern und bereitete mich auch schon langsam auf meinem Umzug vor. Und wie es halt manchmal so ist, ging mein Feuerwehrpieper an einem Donnerstagnachmittag. Wir wurden zu dem 400 Hektar Waldbrand bei Treuenbrietzen gerufen, der sich seit einigen Stunden durch die extrem trockenen Kiefernwälder fraß. Auf der Hinfahrt haben wir uns leider vollständig verfahren. Das lag aber nicht an fehlender Ortskenntnis, sondern eher an dem merkwürdigen Alarmfax, das uns zugestellt wurde. Auf diesem finden wir normalerweise alle wichtigen Informationen zum Einsatzort, unserer Aufgabe etc. Dieses Mal standen aber 2 Adressen auf dem Fax und wir haben uns leider für die falsche entschieden. Mit etwas Verspätung näherten wir uns dann dem Sammelpunkt in Frohnsdorf. Aber bis zum Sammelpunkt schafften wir es nicht mehr. Kurz nach Klausdorf standen gut 5 Feuerwehrfahrzeuge auf der Straße und löschten einen kleinen Bodenbrand am Wegesrand, welcher bestimmt durch Funkenflug entstanden ist. Dort wurde uns auch gesagt, dass der Weg zum Sammelpunkt geschlossen sei, das das Feuer über die Landstraße gesprungen sei. Und da wir uns dort keine Aufgaben mehr holen konnten, schlossen wir uns der Gruppe an. Plötzlich brachen alle ihre Löscharbeiten ab und ließen alles stehen und liegen. Der Grund dafür lag in rund 200 Metern Entfernung. Dort schlugen die Flammen des nahenden Waldbrandes Meter hoch durch die Kronen kleineren Bäume. Und ganz ehrlich so etwas krasses habe ich in meiner ganzen Feuerwehrkarriere noch nie erlebt, da bekommt man nun wirklich Respekt vor dem Feuer. Das neue Ziel war die Verteidigung von Klausdorf, dem Ort, welcher gerade akut vom nahenden Feuer bedroht war. Das tückische war der Wind, der schon den ganzen Nachmittag stark wehte und das Feuer vor sich her trieb. In Klausdorf angekommen, standen wir direkt an der Dorfgrenze und bauten mit den anderen Feuerwehren mehrere Leitungen auf, um gegen das Feuer zu kämpfen. Nebenbei wurde auch der Ort evakuiert und das hat mich schon etwas geschockt/ geprägt. Die Menschen mussten gefühlt innerhalb von wenigen Minuten aus ihren Häusern raus und alles zurücklassen. Zu dem Zeitpunkt sah es noch extrem schlecht aus für Klausdorf. In so eine Situation möchte ich nie als Privatperson erleben. Glücklicherweise drehte der Wind etwas und das Feuer ging erstmal an Klausdorf vorbei. Zu der Zeit konnten wir uns noch ein wenig entspannen und warteten auf neue Anweisungen. Zwischenzeitlich kam ein Förster mit einem riesigen Radlader, um einerseits die Lage zu erkunden und Brandschneisen durch den Wald zu schlagen, was prinzipiell eine sehr gute Idee ist, da das Feuer sich dann nur noch schwerer ausbreiten kann. Leider drehte der Wind und auf einmal lag die Rauchwolke komplett über Klausdorf und auch der Förster kam mit erhöhter Geschwindigkeit aus dem Wald gebrettert. Das Feuer breitete sich nun wieder in Richtung Klausdorf aus und wir wurden wieder auf den Plan gerufen. Auf Anweisung unseres Staffelführers legten wir Filter und Maske zum Selbstschutz an und bewegten uns mit unseren Schläuchen Richtung Waldbrand, der wirklich sehr nahe an Klausdorf herangekommen war (ca. 200 Meter vor dem letzten Haus.). Dort kämpften wir an vorderster Front gegen den Waldbrand, was ein unglaubliches/ unbeschreibliches Gefühl war. Glücklicherweise war es "nur" noch ein Bodenbrand und kein Kronenbrand und so konnten wir erfolgreich gegen das Feuer vorgehen. Aber auch das war nicht minder anstrengend und zum Glück wurden wir dann auch vorläufig von Kameraden abgelöst. Nach einer Pause ging es weiter und wir löschten weiter. Beziehungsweise war es dann kein Löschen mehr sondern eher ein Ablöschen. Dadurch, dass immer wieder Munition im brennenden Wald explodierte, durften wir dann nur noch von den befestigten Wegen löschen. Aber auch da waren wir durchaus erfolgreich. Zwischenzeitlich hatten wir zwar einige Wasserprobleme, da das lokale Versorgungssystem nicht wirklich klar kam. Als dann der Wind wieder auffrischte, kam es zu einer sehr interessanten Situation. Überall flogen rot-leuchtende Funken durch den komplett dunklen Wald, es sah schon fast so aus, wie in einem Endzeitfilm :D Kurz vor ein Uhr Nachts durften wir dann endgültig unsere Sachen zusammen und wir wurden von "frischen" Feuerwehren abgelöst. Danach gab es noch etwas zu Essen in Frohnsdorf und dann ging es endlich nach Hause ins Bett. Kurz nach 3 war ich auch dort angekommen und schlief einfach nur ein. Es war sehr interessant mal an solch einem Großeinsatz teilzuhaben und die ganze Technik zu sehen, die dort aufgefahren wird. Auch war es sehr spannend mal an vorderster Front gegen einen großen Brand zu kämpfen, normalerweise werden wir nur für die Wasserversorgung an entlegenen Einsatzstellen gebraucht.

Nach dem Großbrand stand auch schon fast mein Umzug nach Stuttgart an, dafür musste ich all meine Dinge zusammenpacken und vor allem auch entscheiden, was ich überhaupt in Stuttgart brauche. Neben meinen ganzen Klamotten mussten natürlich auch Geschirr und Besteck für meine kleine Küche mit aber auch diverse Büroartikel. Am Freitag den 31.08 ging es dann los. Vormittags packte ich noch all meine Kartons in Auto und kurz nach dem Mittag fuhren Vatti und ich los. Und natürlich musste es so kommen, dass wir schon auf der A9 immer wieder Baustellen und stockenden Verkehr hatten. Kurz vor Nürnberg machten wir unsere erste Pause und tauschten dann auch gleich mal, damit Vatti sich ausruhen konnte. Irgendwann tauschten wir dann noch einmal und nach rund 6,5 Stunden kamen wir in Stuttgart Vaihingen an, meinem zukünftigen Wohnort. Dort wohne ich in einem relativ modernen Studentenwohnheim in einer Zweier-WG. Die WG liegt ganz oben, im 4. Geschoss und liegt auch sehr ruhig am Ende des Ganges. Abends räumten wir noch all meine Sachen in die neue Wohnung, gingen dann noch im nahen Reishaus essen und waren danach so fertig, dass wir sofort in Bett gingen. Für Vatti hatten wir leider die Isomatte vergessen und so mussten wir beide auf meiner Matratze schlafen (1,4x2 Meter), was doch etwas eng war. Ich habe übrigens glücklicherweise viele Möbel von meiner Vormieterin übernehmen könne, sonst wäre mein Zimmer komplett leer gewesen. Nach einer fast schlaflosen Nacht für mich ging es am nächsten Morgen direkt weiter. Da wir keine Lebensmittel mehr eingekauft hatten, einigten wir uns auf ein Frühstück bei IKEA. Aber auch viele andere Menschen in Stuttgart sind auf diese Idee gekommen und so war es dementsprechend voll. Das Frühstück war trotzdem okay und nachdem wir uns gestärkt hatten, folgten wir den Massen durch den IKEA und arbeiteten unsere Liste ab. Neben einem neuen Bettgestell und einem Sideboard fehlten uns nur noch einige Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Bügel, Pflanzen , eine Wäschetonne und Verteilersteckdosen etc. Nach nur 2,5 hatten wir es geschafft :D Auch die neuen Möbel bauten wir direkt auf und sortierten meine neuen Sachen ein. Und da der Tag noch relativ jung war (ca.16 Uhr) und wir nicht noch eine Nacht gemeinsam auf dem Bett verbringen wollten, entschieden wir uns wieder zurückzufahren. Da auch mein Studienbeginn noch 2 Wochen entfernt lag, fuhr ich auch wieder mit nach Borkwalde. Auf dem Rückweg machten wir noch eine Pause für ein gutes Abendessen und waren dann auch kurz vor 12 wieder in Borkwalde.

Die nächsten 2 Wochen konnte ich somit noch einmal nutzen, um diverse Dinge zu erledigen. Beispielsweise konnte ich meinerseits ein längeres Projekt beenden. Die Website von Borkwalde, deren Neugestaltung in den letzten 12 Monaten meine Aufgabe war, konnte ich design- technisch vollenden. In einem letzten Treffen mit unserer Bürgermeisterin und anderen Verantwortlichen konnten wir noch die letzten Kleinigkeiten ausbessern und die Seite somit freigeben für die inhaltliche Gestaltung. Diese wird aber glücklicherweise nicht von mir übernommen, sondern von Anderen. Wenn dann alle Inhalte eingetragen sind, wird die Seite veröffentlicht und alles ist gut :)
Am letzten Freitag stand auch noch ein ganz anderer Abschied an. Bei der Feuerwehr war die Dankesschönveranstaltung, für alle die beim Feuerwehrfest geholfen hatten. Gleichzeitig war es auch das letzte Zusammentreffen mit meinen Borkwalder-Kameraden. Es wurde gegrillt und bis spät in die Nacht gefeiert. Insgesamt war ich nun 14 Jahre hier in Borkwalde in der Freiwilligen Feuerwehr und bin mit meinen Kameraden durch dick und dünn gegangen. Angefangen mit 6 Jahren in der Krümelgruppe ging es dann immer weiter aufwärts durch die Jugendfeuerwehr bis hin zur Erwachsenenfeuerwehr, in der ich dann auch schon Einsätze mitfahren durfte. Insgesamt waren es echt schöne 14 Jahre :)
Nach der Verabschiedung von meinen Feuerwehrkameraden folgte am nächsten Tag noch die Verabschiedung von meinen Freunden. Dafür schmiss ich eine kleine Party bei uns zuhause in Borkwalde. Zum Abendessen gab es Burritos, so wie ich es in Amerika gelernt hatte, nur dass die Fladen echt schlecht waren. Auch das war insgesamt eine schöne Party und Verabschiedung von meinen Freunden.

Wenige Tage später stand auch schon mein endgültiger Umzug nach Stuttgart an und es ist schon erstaunlich, wie viel Dinge ich noch mitgenommen habe, an die ich vorher überhaupt nicht gedacht hatte :D Donnerstag früh kurz vor 5 klingelte dann auch schon mein Wecker und nach einem kleinen Frühstück, brachte mich meine Mutter zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es erstmal Richtung Berlin, dort stieg ich um in den FlixTrain. Dieser war vergleichsweise billig und somit mein Mittel der Wahl. Ich hatte einen Sitzplatz im 5er- Abteil reserviert und diesen fand ich auch recht zügig. Die Menschen in meinem Abteil waren auch alle noch müde, es war kurz nach 7, und so döste auch ich ein. Zwischenzeitlich stieg noch so eine Art "Sheldon Cooper" ein. Gefühlt konnte er keine Minute stillhalten und erzählte immer etwas über Züge oder wollte aus dem Abteil raus, um sich irgendwas anzusehen. Natürlich saß ich an der Tür und musste somit immer Platz machen. Ein bisschen dösen konnte ich trotzdem noch und so gingen die 6,5 Stunden auch vergleichsweise schnell rum. In Stuttgart angekommen, musste ich nur noch nach Vaihingen und in mein WG Zimmer. Dort konnte ich mich erstmal niederlassen und ausruhen. Nebenbei packte ich noch all meine Sachen aus und ging auch das erste Mal einkaufen. Der nächste Supermarkt ist auch nur einen Kilometer entfernt und so ging ich auch noch einkaufen. Es ist ein Rewe und dort bekam ich auch eigentlich alles, was ich brauchte. Es ist nur ein bisschen Kacke die Wasserflaschen zu schleppen aber da fällt mir sicherlich auch noch was ein.

Aber warum bin ich eigentlich aus dem kleinen beschaulichen Borkwalde nach Stuttgart gezogen?
Jetzt Mitte September fängt mein duales Studium der (angewandten) Informatik bei der IBM an und da es diesen Studiengang nur wirklich hier gibt, bin ich nach Stuttgart gezogen. Was wird mich nun zukünftig erwarten? Die nächsten zwei Wochen werde ich ausschließlich bei der IBM verbringen. Dort gibt es nicht nur ein generelles Kennenlernen von den Studenten und der IBM sondern wir bekommen auch unsere Materialien und fahren gemeinsam zum Teambuilding in den Schwarzwald. Davon werde ich euch auch noch berichten. Danach folgt im Dreimonatsrhythmus immer wieder Theorie- und Praxisphasen. Die Theoriephasen verbringe ich an der DHBW im Stuttgarter Zentrum und die Praxisphasen werde ich ausschließlich bei der IBM verbringen. Dort kann ich mich im Vorhinein auf verschiedene Angebote "bewerben" und kann somit Abteilungen erleben, die mich auch wirklich interessieren und auch im Leben weiterbringen. Nach 3 Jahren halte ich dann einen Bachelor of Science in der Hand mit dem Vorteil, dass ich schon berufliche Erfahrungen gesammelt habe aber auch Geld verdient habe. Und natürlich werde ich auch weiterhin von all meinen Erlebnissen berichten, bleibt also dran! :)

Schlussendlich möchte ich auch noch kurz über meine Feuerwehrzukunft sprechen. natürlich gibt es nicht nur in Borkwalde eine Freiwillige Feuerwehr, die sich immer über neue Mitglieder freut, nein auch hier in Stuttgart-Vaihingen gibt es natürlich eine. Und da ich die letzten 14 Jahre wirklich genossen habe, werde ich mich, sobald ich mich eingelebt habe, bei der lokalen Feuerwehr melden und hoffe, dass ich dann hier meinem Hobby auch weiter nachgehen kann :) Und auch ein weiteres Hobby fehlt mir hier noch in Stuttgart, ich hatte zwar beim ersten Umzug mein Fahrrad mit dabei aber als ich gesehen habe, dass selbst in den Semesterferien der Fahrradkeller komplett überfüllt ist, haben wir es vorerst wieder mit nach Hause genommen. Dafür werde ich aber in der Zukunft mein Rennrad hier haben, was ich gerne an meine Wand hängen möchte. Damit habe ich einerseits etwas Deko in meinem Zimmer, die wirklich zu mir passt und andererseits kann ich es dann sofort greifen, wenn ich zur Arbeit fahren möchte oder nur Lust habe mich etwas zu bewegen.

Viele Grüße aus Stuttgart
Niklas

Kommentare

Hallo, nun habe ich auch diesen interessanten Bericht gelesen. Diesen Feuerwehreinsatz haben wir sehr interessiert begleitet u. immer an dich gedacht. Viel Glück für den Einsatz in Stutgart es werden ja stets Leute - noch dazu erfahrene - gesucht.
Ich freue mich auf die nächsten Berichte. LG O