#121/1 Ein Jahr Freiheit und Freizeit, das Fazit!


Kleiner Disclaimer am Anfang:
All das was ich im letzten Jahr erlebt habe, habe ich nun endlich zu einem großen Fazit zusammengefasst. Nach rund 18.000 Wörtern, 35 Wordseiten und 2 Monaten Arbeit bin ich nun endlich fertig und werde die einzelnen Teile jeweils an allen Adventswochenenden veröffentlichen. Und nun viel Spaß :)

Wenn man ohne konkreten Plan in die Zeit nach dem Abi startet, wird man manchmal schon schief angesehen. Was ich aber trotzdem in dem letzten Jahr "ohne Plan" erlebt habe, das möchte ich heute für euch zusammenfassen.

Was machen den die meisten nach dem Abi? Viele gehen natürlich gleich an die Uni, um sofort anzufangen mit einem Studium. Einige sind sich auch sicher, dass sie nach der Schule erst einmal was anderes machen möchten, was nicht so viel mit lernen oder Schule zu tun hat. Der Großteil von diesen "Pausierern" macht ein FSJ (Freiwilliges-Soziales-Jahr), hier in Deutschland. Der Rest geht ins Ausland, um dort die fremden Kulturen kennen zu lernen und natürlich auch mal andere Flecken dieser Erde kennen zulernen. Aber auch da muss man wieder Unterschiede machen. Es gibt einige Organisationen, die eine Art ein FSJ im Ausland anbieten. das ganze funktioniert so, dass man meist in ein Entwicklungs-/ Schwellenland geschickt wird, um vor Ort bei diversen Projekten zu helfen und dafür mit einem Taschengeld entschädigt wird und sich nebenbei natürlich auch das Land ansehen kann. Weiterhin gibt es auch noch die Möglichkeit Work&Travel zu machen, um damit an fremde Orte dieser Welt zu gelangen. Mein Plan nach dem Abi war eher nicht so konkret aber trotzdem habe ich sehr viel erlebt und möchte dies heute in einem kleinen Fazit zusammenfassen.

Schon am Anfang meiner Abizeit war mir relativ klar, dass ich nach der Schulzeit nicht direkt an eine Uni gehen möchte. Ich hatte nun schließlich 12 Jahre lang für Tests und Klassenarbeiten, bzw. "das Leben" :D, gelernt. Selbst in der 10. Klasse habe ich mich damals gegen ein Auslandsjahr entschieden, um erstmal meine Schulzeit zu Ende zu bringen und deswegen stand für mich fest,dass ich eine Pause einlegen möchte. Aber bevor ich wusste, wie ich mein freies Jahr gestalten wollte, war eine Sache schon fast sicher in meiner Zukunftsplanung und zwar, wie es danach weitergehen sollte. Mein großes Ziel war es einen Platz in einem dualen Studium zu erlangen, denn das ist gar nicht so einfach und da es für die Bewerbung ganz spezielle Zeiträume gibt, die noch in weiter Ferne lagen, komme ich darauf später zurück.

Und wie das so ist, plant man ganz wilde Sachen für ein Jahr ohne Schule. Zwischenzeitlich stand auch eine einjährige Fahrradtour zur Debatte aber natürlich auch so Standarddinge wie Work & Travel. Die erste handfeste Überlegung war ein Jahr lang in den USA für ein deutsches IT Unternehmen in Cincinnati zu arbeiten. Über Vatti bekam ich einige Kontakte und schrieb dann pro aktiv den Vertriebsleiter an. Nach einigen Wochen und dem Austausch von Lebenslauf und Bewerbungsschreiben (auf Englisch) trafen wir uns zu einem Gespräch in Potsdam. Dort sprachen wir viel darüber, was seine amerikanischen Kollegen leisten und was meine Aufgaben sein könnten. Nachdem Gespräch nahm er Kontakt zu seinen Kollegen auf und es passierte erstmal eine Weile lang nichts. Nach meinem Abi hatte ich dann leider eine Absage von Ihm in meinem Emailpostfach. Ich hatte mich sehr auf die Zusammenarbeit gefreut, konnte aber auch ihre Gründe verstehen, warum es vielleicht keine gute Idee gewesen wäre, nach Amerika zu fahren, um dort zu arbeiten. Im Großen und Ganzen wäre der organisatorische Aufwand für die Firma viel zu hoch gewesen und bis ich mich in deren komplexe Arbeit eingearbeitet hätte, wäre auch zu viel Zeit vergangen. Und so musste ich weiter denken und vor allem auch planen.


Aber erstmal stand etwas an, was doch schon länger geplant war. Seitdem ich klein bin, nehmen mich meine Eltern mit auf Fahrradtouren. Sein es kleinere Touren ins Umland von Borkalde, wobei diese für den kleinen Niklas schon eine Welttour waren oder längere Touren, wie beispielsweise die mehrtägige Fahrradtour an die Ostsee oder die Tour durch Dänemark. Früher bin ich immer noch mit dem kleinen Fahrrad hinter Vatti hergefahren und irgendwann musste ich dann mein eigenes Gepäck auf meinem eigenen Fahrrad schleppen. Aber egal wie viel Gegenwind wir hatten, wie viele "Berge" es bergauf ging oder wie viel Regen wir hatten, irgendwie hatte ich immer Spaß. Und da Vatti noch einige Überstunden abbauen wollte und zusätzlich noch Urlaub hatte, nahmen wir uns eine richtig große Tour vor. Anfänglich spielten wir sogar noch mit dem Gedanken die Ostsee einmal komplett mit dem Rad zu umrunden aber rund 5.500 km sind schon sehr ambitioniert für eine erste große Tour. Trotzdem wollten wir uns nicht von der Ostsee verabschieden und planten nun eine Tour von Tallinn über das Baltikum zurück nach Borkwalde und da GoogleMaps solch lange Strecken für Fahrradfahrer nicht berechnen kann, wussten wir nur grob was auf uns zukommt. Und so begannen irgendwann Anfang Juli 2017 die Vorbereitungen auf eine der besten Reisen meines Lebens. Ihr glaubt gar nicht, was man alles mitnehmen muss und an was man erst denkt, wenn es zu spät ist. Von Klamotten, Regensachen über Werkzeug und Verpflegung bis hin zu Warnwesten und einem Zelt für den Notfall mussten wir alles mitnehmen. Das nächste Problem war der Transport von unseren Rädern. Wenn man in Tallinn starten möchte, dann muss man selbst und auch die ganze Ausrüstung erstmal dorthin. Die Lösung für das Problem fliegt durch die Luft und sogar Fahrräder kann man bei den meisten Airlines mitnehmen. Dafür zerlegt man die Fahrräder teilweise und packt sie in einen Karton. Und mit gepackten Taschen/Kartons ging es am 17.07.2017 von Berlin nach Tallinn. Mutti mussten wir am Flughafen zurücklassen und waren ab dann auf uns alleine gestellt. Nachdem wir die Räder noch am Flughafen zusammengebaut hatten, startete unsere Tour mit einer Fahrt von 5 Kilometern bis zu unserem Hostel. Aber auch in den nächsten Tagen ließen wir es ruhig angehen und genossen die schönen Landschaften von Estland. Nach wenigen Tourtagen fanden wir unseren täglichen Rhythmus und machten gut Strecke. Immer an der Ostseeküste entlang und mit der Sonne im Gesicht fuhren wir weiter nach Süden aber da Estland nicht riesig ist, hatten wir es relativ schnell durchquert. Danach folgte fast ein Kulturschock in Lettland, die Straßen und Nebenstraßen wurden deutlich schlechter und da es zeitweise auch nur wenige Unterkünfte gab, entschlossen wir uns eine kurze Strecke mit der Bahn nach Riga zu fahren. In der Hauptstadt Lettlands machten wir unsere erste große Pause und schauten uns Riga an. Riga war genauso wie Tallinn eine sehr schöne baltische Stadt, in der ich gerne meine Zeit verbracht habe. Nach ein paar Tagen stiegen wir wieder auf unserer Fahrrad und machten uns auf den Weg zum nächsten großen Ziel auf unserer Reise. Wir wollten unbedingt auf die Kurische Nehrung, die berühmte Halbinsel vor der Ostseeküste Litauens. Dort finden sich beispielsweise schöne Strände, kleine Fischerdörfer und auch die bekannten Wanderdünen und auch dort verbrachten wir einige Tage und genossen die Pause vom Fahrradfahren. Aber auch diese Pause endete einmal und so stiegen wir wieder auf unsere Räder und fuhren weiter. Nun mussten wir aber die Ostseeküste verlassen und einmal Russland umrunden. Da wir kein Russlandvisum hatten, mussten wir die russischen Enklave zwischen Litauen und Polen umfahren. Aber auch das war nicht schlimm, da das Hinterland von Litauen auch sehr schön war. Leider gab es nur einen Grenzübergang nach Polen rüber und das war natürlich eine Autobahn. Und da es keine andere Möglichkeit gab, mussten wir die 30 km über die Autobahn fahren. Glücklicherweise war auf der litauischen Seite mehr oder weniger Stau und die LKWs brausten nicht so schnell an uns vorbei und auf der polnischen Seite gab es dann einen breiten Standstreifen, auf dem wir fahren konnten. Die Warnweste hatten wir übrigens die ganze Tour über an, da wir größtenteils auf Straßen unterwegs waren und von anderen nicht übersehen werden wollten aber auf der Autobahn war sie wirklich wichtig. Nachdem wir in Polen angekommen waren, fuhren wir durch die Masuren wieder zurück an die Ostsee. Dort trafen wir auch Mutti wieder und machten eine Woche lang Familienurlaub ohne unsere Fahrräder. Aber auch nach dem Urlaub war die Motivation noch da zum weiterfahren und führte uns unsere Tour über Posen bis an die deutsche Grenze. Über Frankfurt und Blossin fuhren wir bis nach Hause. Nach rund 2500 km hatten wir es geschafft. Es war eine unglaublich schöne Tour. Vatti und ich haben so viele schöne Dinge erlebt und so viele neue Kulturen kennengelernt, dass es sich echt gelohnt hat. Hier auch nochmal einen großen Dank an Vatti, dass du diese Tour mit mir gemacht hast und auch einen großen Dank an Mutti, die uns fahren gelassen hat :)
Hier auch nochmals ein paar kleine Anekdoten aus diesem Urlaub: Es gibt mehrere Sachen, die wir auf dieser Tour gelernt haben, einerseits sind die unplattbaren Reifen, die ja mittlerweile überall verkauft werden, bei weitem nicht unplattbar aber wir hatten zum Glück nur einen Platten auf der gesamten Tour und andererseits ist es immer schön lokale Spezialitäten zu probieren, es sei denn es ist ist kalte Zwiebelsuppe, davon würde ich abraten :D Wenn ihr die ganze Geschichte dahinter hören wollt, findet ihr sie hier auf meinem Blog im Artikelarchiv.


Und so waren auch schon die ersten 2 Monate meines freien Jahres vorbei, die nachfolgende Zeit habe ich vornehmlich damit verbracht, die Zeit nach meinem Jahr Pause zu organisieren.
Vorhin hatte ich ja schon angesprochen, dass mein Plan war, ein duales Studium der Informatik zu machen. Am liebsten hätte ich das bei einer großen IT-Firma gemacht, die mir möglichst viele Möglichkeiten bietet die ganze IT Welt aber auch viele Abteilungen der Firma kennen zu lernen. Und so fing ich an, mir diverse Firmen mit dualen Studiengängen aus dem Internet rauszusuchen. Ich schrieb meine Bewerbungen, meinen Lebenslauf und schickte alles ab. Insgesamt habe ich mich damals bei 8 Firmen beworben, darunter waren die klassischen IT-Konzerne, wie IBM, SAP und HPE, natürlich waren auch Autobauer vertreten, wie Porsche und Daimler aber auch Bosch und Firmen, von denen ich vorher noch nie gehört hatte(PwC und Accenture). Aber ich dachte mir, dass es wesentlich besser ist sich bei mehreren Firmen zu bewerben und im Notfall noch ein Backup-plan zu haben, als alles auf eine Karte zu setzten. Und so schickte ich 8 mal mehr oder weniger die gleiche Bewerbung an diese Firmen und fing an zu warten. Die ersten die sich gemeldet haben, waren Daimler und die luden mich auch gleich zu einem Bewerbungsgespräch nach Stuttgart ein. Wenige Tage später stieg ich in den ICE und fuhr in ein Bundesland, welches ich vorher noch nie bereist hatte. Und als ich am Abend vorher in meinem Hotel ankam, war ich sehr aufgeregt, schließlich hatte ich noch nie in meinem Leben so ein wichtiges Bewerbungsgespräch/ Assessment Center. Kurz vor dem Schlafengehen ging ich nochmal meinen Vortrag durch, den ich extra für diese Bewerbung, zum Thema "Digitalisierung in der Autobranche und deren Zukunft", ausarbeiten musste. Überpünktlich klingelte mein Wecker und auch überpünktlich war ich bei Daimler in Böblingen, ich war sogar so früh da, dass ich erstmal mit einem Kakao in einen Kaffeeraum gesetzt wurde. Danach passierte etwas ungewöhnliches, es kam einfach keine Mitbewerber mehr. Ich war die ganze Zeit alleine und als ich dann abgeholt wurde, wurde mir klar, dass ich nicht bei einem Assessment Center mit x Mitbewerbern war, sondern am heutigen Tag der einzige Bewerber war. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde folgte auch schon mein Vortrag und dieser kam sehr gut an, danach wurde ich ein wenig durch die Abteilungen geführt und ich ging mit meinen späteren "Studienreferenten/ Betreuern" noch Mittagessen. Danach war der intensive Tag auch schon vorbei und ich wurde mit dem Versprechen, dass Daimler sich meldet, entlassen. Und ganz ehrlich danach war ich echt fertig und glücklich, dass ich im Zug schon mal ein Nickerchen machen konnte. Ein paar Tage später meldete sich dann auch schon die IBM und wollte, dass ich erstmal einen Online-Mathetest mache, um für das spätere Assessment Center überhaupt zugelassen zu werden. Und ganz ehrlich nach dem Test dachte ich, dass ich von der IBM nicht mehr eingeladen werde. Klar war meine letzte Mathestunde nun auch schon mehr als ein viertel Jahr her aber da ich immer gut in Mathe war, machte ich mir im Vorfeld kaum Sorgen. Es war auch nicht so, dass der Test sehr schwer war, es waren meist Sachaufgaben, die man mit einem simplen Dreisatz oder grundlegender Mathematik lösen konnte. Das Problem war aber die Zeitvorgabe, für jede Aufgabe hatte man 1,5 Minuten Zeit und musste innerhalb dieser Zeit die Aufgabe und deren Anforderungen verstehen und dann noch lösen. Nebenbei lief noch provokant ein Timer ab und da man bei einer falschen Antwort oder keiner Antwort Punktabzug bekommen hat, war der Druck schon sehr hoch. Aber irgendwie muss ich es doch geschafft haben und wurde zum Assessment Center bei der IBM in Ehningen eingeladen. Im Vergleich zu Daimler war ich aber nicht alleine an diesem Tag und hatte bestimmt 12 Mitbewerber, von denen sich alleine auf Informatik 4 oder 5 beworben hatten. Trotzdem war die Atmosphäre an diesem Tag unter uns, als Bewerber, sehr gut. Schon morgens in Hotel habe ich einen Mitbewerber getroffen, mit dem ich mich viel und lange unterhalten hatte. Bei dem Assessment Center kamen dann die typischen Aufgaben auf uns zu, die es immer bei einem Assessment Center gibt. Wir hatten Einzelinterviews in denen wir einerseits über persönliche Dinge, wie Erfahrungen, Hobbys etc. gesprochen haben aber andererseits mussten wir auf Situationsfragen intuitiv antworten.
Nach dem Motto: "Was würden Sie tun, wenn sich ihre Abteilung heute Abend treffen möchte, um das dringende Projekt zu beenden, obwohl sie mit ihrer Familie heute Abend schon Fußball schauen wollten."
Mein Weg zum Ziel war immer ein Kompromiss und damit bin ich anscheinend auch sehr gut durchgekommen. Weiter ging es mit einer Selbstpräsentation, die zum Thema "Ich und IBM" gehalten werden sollte. Danach gingen wir mit unseren Betreuern in der Kantine essen und konnten erstmal etwas abschalten. Nach dem Essen ging es weiter mit Gruppendiskussionen und einer offenen Fragerunde an duale Studenten. Das schöne bei der IBM war, dass wir an diesem Tag direkt ein Feedback bekommen haben. Nachdem aber eine echt gute Bewerberin ohne Vertragszusage aus ihrem Feedbackgespräch zurück kam, waren wir alle sehr geschockt. Aber trotzdem bekam ich bei meinem Gespräch eine blaue Mappe mit meiner Vertragszusage in die Hand gedrückt und dann war ich so unglaublich froh, dass ich die Zusage bekommen hatte :) Die Gründe dafür, werde ich später noch kurz erläutern. Glücklich fuhr ich nach Hause und wenige Tage später meldeten sich immer mehr Firmen bei mir, Daimler rief mich morgens kurz vor 8 Uhr an und teilte mir telefonisch mit, dass sie mich auch gerne nehmen würde aber auch die anderen 6 Firmen luden mich zu Assessment Centern ein. Und so verbrachte ich die nächsten paar Wochen immer in Stuttgart und Umgebung und stellte mich den verschiedenen Aufgaben. Wobei ich auch sagen muss, dass die Aufgaben eigentlich immer ähnlich oder fast schon gleich waren und da ich dadurch immer mehr Übung hatte, performte ich auch dementsprechend bei all den Unternehmen. Insgesamt war ich 1,5 Monate lang fast wöchentlich einmal in Stuttgart oder Frankfurt und stellte mich den Aufgaben. Und ganz ehrlich, der Aufwand hat sich eindeutig gelohnt. Am Ende bin ich auf folgendes Ergebnis gekommen: Ich habe 8 Bewerbungen geschrieben, von diesen 8 Firmen haben mich auch 8 zu einem Assessment Center eingeladen, 6 dieser Einladungen bin ich gefolgt und habe dann schlussendlich 5 mögliche Zusagen für ein duales Studium bei diesen Firmen in der Tasche gehabt. Das coole ist, dass ich nun eine riesige Auswahl hatte und mich frei entscheiden konnte. Hier möchte ich mal kurz darlegen, warum ich mich für/ gegen diese Firmen entschieden habe:

Daimler:
Das Feeling bei Daimler in der Abteilung war schon sehr cool und auch die Kombi aus Autos und IT in der Zukunft finde ich mega interessant. Der einzige negative Punkt war, dass ich meine Praxiseinsätze eigentlich immer in der gleichen Abteilung machen sollte. Das macht für Daimler natürlich extrem Sinn, da sie mich dann nach dem Studium schon fast als Experten übernehmen könnten. Trotzdem habe ich schlussendlich abgesagt.
SAP:
SAP ist als großes IT Unternehmen schon mal sehr geeignet, dort hätte ich auch viele Abteilungen und Richtungen erkunden können aber hier war mein Problem, dass das Hauptsitz sehr weit weg von der Uni liegen würde. Deshalb hätte ich eigentlich 2 Wohnungen gebraucht, was sich wirklich nicht lohnt. Auch die Reisezeit zwischen den beiden Lokationen war sehr groß und so fiel SAP für mich leider auch raus.
HPE und Bosch:
Bei den beiden habe ich von mir aus das Assessment Center abgesagt. Bosch ist halt vornehmlich kein IT Unternehmen und ist deswegen aus der Liste geflogen und von HPE hat man zur Zeit meiner Bewerbung nicht wirklich was gutes gehört. Es ist zwar ein IT Unternehmen mit viel Tradition aber es hieß immer wieder, dass es der Firma nicht gut geht und ich wollte schon einen zukunftssicheren Arbeitsplatz haben.
PwC und Accenture:
Diese beiden sitzen in Frankfurt und sind auch keine IT Unternehmen. Es sind Consulting Firmen (Firmenberatung etc.) und legen eher den Fokus auf den wirtschaftlichen Part im Studium. Für beide hatte ich eine Zusage für ein Studium der Wirtschaftsinformatik aber einerseits hat mir die starke Wirtschaftsorientierung nicht so gut gefallen und andererseits hätte es kaum IT-lastige Praxiseinsätze für mich gegeben. Weiterhin wurde uns schon am Tag des Assessment Center sehr deutlich gemacht, wie unsere "Karrierelaufbahn" auszusehen hat.
Porsche:
Porsche war das einzige Unternehmen, wo ich beim Assessment Center war aber keine Zusage bekommen habe :D Vorort gab es einen Mathe/Physik-Test, der Mathetest bereitete mir nur wenige Probleme aber beim Physiktest war gefühlt alles vorbei. Das letzte Mal, dass ich in einer Physikstunde saß, war glaube ich in der 9. Klasse und das habe ich auch gemerkt :D Trotzdem war der Tag nicht schlecht. In der Mittagspause saß ich beispielsweise in 2 extrem hochwertigen/ neuen und PS starken Porsches, die in der Eingangshalle standen aber das Feeling den ganzen Tag über war einfach nicht das beste. Bei den anderen Assessment Centern war zwischen den Bewerbern immer eine gute Stimmung, in den Pausen haben wir uns unterhalten und alle gut verstanden. Bei Porsche konnte ich in den Pausen nicht mal mit meinen Mitbewerbern eine Konversation starten, alle waren nur mit sich selbst beschäftigt und nur darauf aus bei Porsche einen Platz zu bekommen.
IBM:
Wie ihr wisst, bin ich nun doch bei der IBM gelandet. Einerseits natürlich durch meine frühkindliche Prägung :D Aber auch mein Praktikum damals in der 9. Klasse bei der IBM hat mir sehr gefallen und schon damals habe ich ein gutes Firmenfeeling mitbekommen. Auch beim Assessment Center war die Stimmung unter uns Bewerbern am besten. Wir haben uns untereinander sehr intensiv und gut unterhalten und alle waren sehr teamorientiert. Und natürlich erfüllt die IBM alle meine "Kriterien" für einen guten dualen Partner. 1) ich bin in einer großen IT-Firma B) ich habe die Möglichkeit ALLES an der IBM kennen zu lernen, ich, als Informatiker, könnte sogar in der Sales-Abteilung oder beim Personalmanagement meinen PE machen, was ich unglaublich gut finde. So kann ich mich ausprobieren und die Abteilung finden, in der ich später einmal landen möchte. Weiterhin kann ich in Stuttgart wohnen und gleichzeitig zur Uni gehen und zur IBM und brauche (erstmal) keine zweite Wohnung. Und so habe ich schlussendlich den Vertrag bei der IBM unterschrieben, :)

Zum Schluss meines Berichtes über meine Bewerbungsphase möchte ich nochmal den vielen IBM Studenten danken, die mir im Vorfeld alle Fragen beantwortet haben und natürlich auch allen anderen die diesen Prozess mit mir durchgestanden haben. Danke :)


Und so sind schon wieder 1,5 Monate ins Land gegangen in denen ich "Pause" gemacht habe. Nun sollte es aber endlich losgehen mit Reisen und Spaß haben. Nur stand ich aber ohne Plan und ohne konkrete Möglichkeit da. Aber Ideen hatte ich! das Konzept von Work& Travel hat mich schon früher überzeugt, da man mit den Lokals in Kontakt kommen kann und sich gleichzeitig seine Reisen noch ein wenig finanzieren kann. Dann stellte sich nur noch die Frage nach dem wo? Da ich ein großer Freund von den nordischen Ländern bin, konnte ich mich dort schon mal festlegen aber Skandinavien hatte ich fast schon komplett bereist. Ein Land blieb dann noch übrig, was sehr große Ähnlichkeiten mit Skandinavien hat und zwar Kanada. Über ein Online-Portal, was mir Kathi und Arno empfohlen hatten, bewarb ich mich bei bestimmt 25 Host, um für diese in Kanada zu arbeiten. Das schöne an solchen Plattformen ist, dass man schon vor der Einreise in ein Land weiß, wo man unterkommt und was man dann Vorort zu tun hat. Mein Problem war nur, dass es auch in Kanada auf den Winter zu ging und im Winter natürlich wesentlich weniger Arbeiten anfallen, als im touristischen Sommer. Von den 25 Leuten haben mir auch max. nur 7 zurück geschrieben, was ich sehr ernüchternd fand. Und so ging die Suche weiter und immer mehr Tage verstrichen. Aber auch zuhause fand ich genügend Aufgaben, mit denen ich mich beschäftigen konnte. Zum Beispiel hatte ich ja im Sommer den Job des Webadmins für die borkwalde.de Website übernommen und da die alte Seite wirklich nicht mehr die neuste war, war meine Aufgabe das ganze in einen neuen und modernen Rahmen zu bringen. Dafür setzte ich mich mit unserer AG Marketing zusammen und gemeinsam entwickelten wir ein neues Design und besprachen all die Funktionen, die die neue Website haben sollte oder auch nicht. Und so hangelten wir uns von Versammlung zu Versammlung und besprachen meine getätigte Arbeit und wie das so ist, reift so ein Projekt natürlich erst in der Entstehungsphase. D.h. es kamen ständig neue Ideen auf, die besprochen werden mussten und dann von mir umgesetzt wurden. Und da solche Sachen wie ein CMS (System hinter komplexen Website) fast schon "Neuland" für mich waren, wuchs ich auch an meinen Aufgaben. Nun ein Jahr später ist die Umsetzung von mir komplett fertig und wartet nur noch darauf mit Inhalten bestückt zu werden, was aber zum Glück nicht meine Aufgabe ist. Ich hatte zwar Deutsch LK aber das Schreiben von Texte war für mich immer nur Beiwerk und nie mein Favorit. Wenn die Seite dann komplett online geht, werde ich euch auch nochmal informieren, dann könnt ihr euch mein Werk live im Internet ansehen :) Und für alle die sich fragen, warum so ein Projekt ein Jahr an Zeit in Anspruch nimmt, ist die Antwort relativ einfach. Einerseits habe ich das ganze nur in meiner Freizeit gemacht und nicht hauptamtlich 8 Stunden am Tag und andererseits wollten wir auch keine unvollständige Website veröffentlichen. Das grobe Design und alle Funktionen stehen bestimmt schon seit einem halben Jahr aber am Ende ist es die Perfektion, die so viel Zeit kostet, da man immer und überall noch Kleinigkeiten findet, die man verbessern könnte/möchte.
Aber ich habe nicht nur an der Website gearbeitet sondern auch viele andere Dinge gemacht. Schon immer hatte ich was für Holzhandwerk übrig und habe dann im November beschlossen unser altes Vogelhaus zu restaurieren, welches ich vor 10-15 Jahren mit Vatti zusammen gebaut hatte. Und so verbrachte ich viele Stunden in der Werkstatt mit Schleifen, Sägen, Bohren und Streichen. Weiterhin war ich auch viel für die Feuerwehr da. Vor allem bei uns in Borkwalde ist es tagsüber sehr schwer Kameraden zu bekommen, um Einsätze zu fahren. Borkwalde hat ja so gut wie keine Arbeitsplätze und da ist es fast schon natürlich, dass alle nach Potsdam oder Berlin fahren, um dort zu arbeiten. Aber was passiert, wenn es doch mal tagsüber brennt? Natürlich kann man Glück haben und es sind viele Leute zum Löschen da aber das ist bei weitem nicht immer der Fall. Wenn in dieser Zeit der Pieper ging standen wir meist zu zweit da. Alf, unser Gemeindearbeiter, und ich mussten dann die Einsätze händeln. Dies haben wir aber immer gut erledigt und sind zu einem eingespielten Team zusammen gewachsen. In dieser Zeit habe ich mich auch noch sehr viel um meine alte Schule gekümmert. Einerseits habe ich meine Lego AG immer wieder unterstützt bei der Vorbereitung auf den Wettkampf, an dem wir jährlich teilnehmen. Seitdem ich in der 5. Klasse war, war ich Teil dieser AG und bin mit ihr gewachsen. Irgendwann wird man aber zu alt um mit Lego zu spielen und so wurde ich in der 9. Klasse zum Team Coach der AG und konnte so mein gewonnenes Wissen an die jüngere Generation weitergeben. Das hat mir durch alle Jahr hinweg riesigen Spaß gemacht und so viel es mir echt schwer am Ende meiner Schulzeit auch diese AG aufzugeben. Aber dadurch, dass ich nach meinem letzten Schultag noch ein paar mal da war, fiel mir der Abschied etwas leichter. Aber andererseits wurde ich auch noch an anderen Stellen in der Schule eingebunden. In der 12. Klasse hatten ein Kumpel und ich ein Onlineinventarsystem für unsere Schule geschrieben und das musste dann natürlich auch noch weiter gepflegt werden. Kurzer Hand wurde ich auch zum "Dozenten" an meiner Schule. In meiner Schullaufbahn habe ich zwar sehr oft gehört, wie man eine Bewerbung schreibt oder wo der Unterschied zwischen Uni und Hochschule liegt aber niemand hatte mich darauf vorbereitet, was es heißt zu einem Assessment Center zu gehen. Und so erzählte ich den 9. Klassen mehr über meine vielschichtigen Erfahrungen und spielte mit ihnen auch ein paar typische Situationen durch, die sie garantiert in den nächsten Jahren auch einmal erleben werden. Und so gingen wieder einige Wochen ins Land und auf einmal war schon Weihnachten, ganz ehrlich die Zeit verging echt schnell. Und nach einer legendären Silvesterparty bei uns in Borkwalde waren wir schon im Jahr 2018 und ich hatte immer noch keinen Platz im Ausland.


Als nächstes stand aber erstmal unser Familienskiurlaub mit Familie Eckermann an, wo ich eigentlich gar nicht mit eingeplant war. Den als der Urlaub gebucht wurde, sah es noch ganz danach aus, dass ich bereits in Kanada schufte und eh nicht da sein würde. Aber ich hatte Glück und bekam noch ein Zimmer in einem Hotel im Nachbarort. Und so ging es Anfang Februar mit dem vollgepackten Koffer Richtung Norditalien. Normalerweise fahren wir immer nach Österreich aber dieses Jahr wollten wir anscheind etwas neues ausprobieren. Aber es war echt cool, das Skigebiet lag ca. 20 km nördlich von Brixen und war riesig. Das lag daran, dass dort zwei kleinere Gebiete mit einer langen Seilbahn verbunden wurden und so konnte ich morgens in die Seilbahn steigen und rüber zu den anderen fahren. Auch gab es für alle den geeigneten Schwierigkeistgrad. Mutti, Heike und Vatti eher auf den blauen und roten Pisten und Micha und ich auf den schwarzen und roten Pisten. Aber Skifahren ist auch anstrengend und so machten wir auch mal einen Tag Pause und wanderten das Tal hinauf. Oben angekommen, standen wir in einem meterhoch zugeschneeiten Dorf mit einer kleinen bewirtschafteten Alm. Da oben war es echt traumhaft :) Aber auch diese Woche ging relativ schnell vorbei und bald schon kehrte ich in meinen Alltag in Borkwalde zurück und ich hatte immer noch keinen Job im Ausland. Und wie das immer so läuft bin ich durch einen glücklichen Zufall und über 10 Ecken an den besten Auslandseinsatz gekommen, den ich mir vorstellen konnte :)