#121/2 Ein Jahr Freiheit und Freizeit, das Fazit!

Michael hat mal bei Acrolinx in Berlin gearbeitet. Acrolinx ist eine deutsche IT Firma die sich mit ihrer eigenen Software um Contentqualität auf der Sprachebene beschäftigen und diese Engine zur Qualitätssicherung auch an viele Firmen verkaufen. Nun ist Acrolinx aber nicht nur in Deutschland aktiv, sie agieren auch weltweit, beispielsweise in den USA. Und da Micha gute Kontakte zu einer Frau in der amerikanischen Sales Abteilung von Acrolinx hatte, konnte er mich so vermitteln :) Nach ein paar Emails stand unsere Vereinbarung über Arbeit und Unterkunft und ich flog am 20.03.2018 von Berlin über Oslo nach Los Angeles. Aber schon am Berliner Flughafen gab es die ersten Probleme am Check In, ich hatte zwar ein gültiges Ticket, aber trotzdem wollte mich der Mitarbeiter am Check In nicht einchecken. Offenbar kann man nicht in die USA einreisen, ohne ein gültiges Rückflugticket zu haben und da ich mein Rückflug noch nicht hatte, brauchte ich nun doch ein Ticket. Zum Glück hatte ich meinen Laptop dabei und auch freies WLAN am Flughafen und buchte mir schnell einen Rückflug. Nachdem ich meine Buchungsbestätigsung vorzeigen konnte, durfte ich auch einchecken. Das Ganze hat unnötig Zeit gekostet, aber trotzdem habe ich noch meinen Flug nach Oslo bekommen. In Oslo musste ich nochmal umsteigen in den Flieger nach Los Angeles und nach vielen Stunden im Flugzeug landete ich abends auf dem internationalen Flughafen von LA. Und wer hätte es gedacht: Ich hatte überhaupt keine Probleme bei der Einreise, ich musste nicht mal anstehen. Aber! Ich wäre auch ohne Rückflugticket reingekommen. Am Schalter der Einreisebehörde wurde ich zwar gefragt, wann mein Rückflug ist, aber da ich die Bestätigung nur online hatte und das Flughafen Wifi absolut schlecht war, war es dem Beamten dann egal und er hat mich durch gewunken. Draußen sollte mein AirBnB Host auf mich warten aber wir haben uns ewig nicht gefunden. Ich war ja auch noch nie in LA und hatte überhaupt keine Ahnung, deswegen stand ich auch drinnen und sie draußen :D Schlussendlich haben wir uns doch gefunden und ich konnte bei ihr "einziehen".
Die nächsten vier Tage hatte ich Zeit um LA zu erkunden. Am ersten Tag fuhr ich erstmal in die Innenstadt, die aber echt nicht berauschend war. LA hat zwar viele große Hochhäuser in der Downtown aber das sind alles Büros von internationalen Unternehmen und alles nichts für Touristen. Nachdem ich das Zentrum etwas erkundet hatte, wurde ich nochmal überrascht. Ich glaube jeder von euch kennt das Lied "It never rains in southern california" von Albert Hammond aber seine These konnte ich schon am ersten Tag in Kalifornien widerlegen. Es fing an wie aus Eimern zu schütten und zum Glück konnte ich mich in einem U-Bahneingang unterstellen.Da es am Vormittag noch warm und sonnig war, hatte ich nichts gegen den Regen dabei und auch zurückfahren und meine Regenjacke holen, wäre nicht gut gegangen, da ich von der U-Bahn nochmal 30 Minuten durch LA laufen musste, bevor ich an meiner Wohnung war. Aber irgendwann ließ der Regen nach und ich konnte zurückfahren. Dort angekommen traf ich den Mitbewohner meiner Vermieterin. Mit ihm zusammen bin ich dann nochmal zum Griffith Observatorium gefahren, von dort oben hat man einen super Blick über die Stadt und der Park drumherum wurde in den nächsten Tagen zu meinem Lieblingsplatz in LA. Am nächsten Tag wurde das Wetter leider nur ein bisschen besser, aber trotzdem wollte ich meinen Tag nutzen und fuhr deshalb nach Hollywood, was etwas außerhalb von Downtown LA liegt. Dort machte ich dann die typischen Dinge die jeder Tourist macht, ich war auf dem Walk of Fame, ich war bei den beiden großen Kinos, in denen auch die Oscars verliehen werden und natürlich war ich auch bei den Universal Studios. Aber da es regnete, beschloss ich nach einer kleinen Shoppingtour den Tag nicht unnötig in die Länge zu ziehen und machte mich wieder auf den Weg nach Hause. Am dritten Tag war richtig gutes Wetter und ich fuhr raus an den Pazifik zum Santa Monica Pier. Dort angekommen genoss ich die warme Sonne, das Meer und lief ewig lang die Küste entlang. Das Wetter und das Feeling waren sogar so gut, dass ich einfach weiter bis zum berühmten Venice Beach lief. Immer wieder setzte ich mich hin und beobachtete die Menschen und genoss meine Reise nach Amerika. Das war auch der erste Tag, der mir richtig gut gefallen hat, aber schon auf meinem Heimweg bemerkte ich, dass ich ein übles Geschenk die nächsten Tage mit mir rumtragen würden. Ich hatte den schlimmsten Sonnenbrand in meinem ganzen Leben. Meine Arme und mein Gesicht war so verbrannt, dass könnt ihr euch nicht vorstellen. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich :D Meinen letzten Tag nutzte ich dann nochmal, um meinen Lieblingsplatz in LA aufzusuchen. Ich kaufte mir ein leckeres Sandwich und ein paar andere Köstlichkeiten und ging in den Griffith Park. Dieser Park liegt etwas außerhalb von Downtown, ist aber sehr gut zu erreichen, wenn man in Hollywood ist. Der Park selbst fängt am Fuße eines Berges an mit einer Art Jungel und zieht sich hoch über das Hollywood-Schild bis hin zu den Gipfeln der umliegenden Berge. Oben angekommen ist die Vegetation schon anders, die Bäume sind sehr klein, die Büsche fast ausgetrocknet und alles ist sehr sandig. Das alles spielt sich in einem Höhenunterschied von max. 300 Metern ab. Dort verbrachte ich den ganzen Tag und habe es sehr genossen. Am nächsten Morgen ging es zurück zum Flughafen aber nicht zurück nach Deutschland, sondern nach Sacramento zu meinen Hosts.

Nachdem ich am Kofferband in Sacramento stand und auf meinem Koffer wartete, sagte jemand hinter mir auf einmal meinen Namen. Es war Kristen meine Gastgeberin :) Nachdem wir uns das erste Mal im echten Leben gesehen hatten und mein Koffer endlich angekommen war, fuhren wir zu Kristen. Schon auf der Autofahrt unterhielten wir uns gut und verstanden uns sofort. Da es mitten am Tag war, fuhren wir auch noch bei Alex,Kristens Mann, vorbei. Er arbeitet bei in der Weinabteilung bei Trader Joes (einem Supermarkt) und auch wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Gleichzeitig konnten wir noch für das abendliche Dinner einkaufen und dann ging es zu dem Haus von Kristen und Alex. Beide wohnen in Granite Bay, einem Ort ca. 35 km außerhalb von Sacramento. Auf einem großen Grundstück leben nicht nur Kristen und Alex, sondern auch ihre, anfänglich scheue, Katze Yuki und zwei Pferde. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, wurde es auch schon langsam abend. Bevor ich aber mit meinem Jetlag ins Bett gehen konnte, stand noch ein weiteres Highlight an. Zum Dinner kam die ganze Familie vorbei und wollte mich kennenlernen. Da wäre einmal Kristens Bruder John, seine Frau Mimi und ihre Tochter Niki aber auch Kristens Vater Dave, seine Frau Loren und eine Freundin der Familie Rose. Mit allen habe ich mich gut unterhalten und habe den Abend mit dem guten Essen und den netten Leuten sehr genossen :) In den nächsten Tagen konnte ich die Gegend erkunden und nahm langsam meine Arbeit auf. Meine Aufgaben bestanden vornehmlich aus Gartenarbeit, was ich auch vollkommen okay fand und bei so einem großen Grundstück ging mir auch nie die Arbeit aus. In diesen Tagen bin ich auch zum ersten Mal Traktor gefahren, was auch sehr cool war. Meine Gastgeber und die ganze Familie hat mich richtig in ihr Leben eingebunden. Gefühlt habe ich alles mitgemacht, vom Einkaufen über Oldtimertouren bis hin zu Wochenendausflügen und damit das amerikanische Leben und deren Kultur auch sehr gut mitbekommen und kennengelernt. Apropos Wochenendausflüge: An einem Wochenende fuhr ich mit Mimi und John und ihren beiden Hunden zum Lake Tahoe. Dieser liegt weit oben in der Sierra Nevada und ist Kaliforniens größte Süßwasserquelle. Nach gut einer Stunde Autofahrt kamen wir an einem sehr luxuriösen Appartementkomplex an, an dem John Anteile hatte. Dort, direkt am See, verbrachten wir das ganze Wochenende mit Wandern und entspannen. Dort oben habe ich auch das erste Mal richtig mexikanisch gegessen und es hat mir sehr geschmeckt. Aber wir haben nicht nur diesen einen Ausflug zusammen gemacht, sondern viel mehr. Gefühlt habe ich weniger gearbeitet als, dass ich das Land und deren Leute kennengelernt habe :)
An einem Samstagmorgen holte mich Dave zu einer ganz besonderen Tour ab. Kurz nach 8 rollte er mit einem Ford Mercury aus dem Jahr 1948 auf den Hof und wow, so ein altes und schönes Auto hatte ich vorher noch nie gesehen. Der Mercury war damals sein erstes Auto und nach einer langen Zeit hat er sich nochmal solch ein Auto gekauft und dieses per Hand neu aufgebaut und wieder restauriert. Mit dem Oldtimer fuhren wir zu einem Oldtimermuseum, wo noch weitere Oldtimer aus dieser Zeit auf uns warteten. Zusammen machten wir eine Tour durch das Umland von Sacramento, umgeben von vielen Nussbäumen, Obstbäumen und ganz viel Sonne fuhren wir über die kleinsten Straßen und genossen die gute Fahrt. Was für ein unglaublicher Tag.
An einem anderen Wochenende fuhr die gesamte Familie mit mir zu einem typischen amerikanischen Rodeo in eine Nachbarstadt. Es war zwar ein toller Ausflug aber insgesamt gesehen war es eindeutig nicht mein Favorit. Allein schon aus Tierschutzgründen fand ich es nicht so cool. Wenn ihr da noch ein längeres Fazit haben wollt, dann schaut gerne bei den älteren Artikeln vorbei.
Aber natürlich hatte ich auch mal Zeit für mich und konnte meine Freizeit eigenständig gestalten. Da in der Garage von Kristen und Alex immer ein Rennradrad für mich bereitstand, nutzte ich die Möglichkeit eine Tour zu machen auch sehr oft. Eine meiner liebsten Strecken führte am Folsom Lake entlang und den American River hinunter, die Strecke war glatt asphaltiert und wenn ich gewollt hätte, hätte ich bis rein nach Sacramento fahren können. Wenn ich eine anspruchsvollere Tour fahren wollte, dann bin ich bis nach Auburn hochgefahren. Auf 12,5 Meilen ging es rund 400 Meter nach oben, was zwar nicht nach viel klingt, aber die Strecke ging immer bergauf und bergab und nicht grade hoch.
Aber manchmal muss man auch beim Sport zusehen und ihn nicht immer selbst machen. An vielen Abenden schaute ich mit John Baseball, ich habe zwar bis heute nicht alle Regeln verstanden, aber es war immer sehr spannend, den San Franciso Giants zuzusehen. Außerdem waren wir auch mal bei einem Footballspiel von Niki. Normalerweise spielen in der Highschool nur die Jungs Football aber einmal im Jahr werden die Rollen getauscht und die Mädels spielen bzw. die Jungs sind Cheerleader. Das Ganze war mein erstes Footballspiel und ich hatte auch viel Spaß beim Zuschauen und auch die Regeln verstand ich relativ schnell.
Normalerweise macht Niki aber Football nicht als Sport, sondern etwas anderes, etwas Besonderes, etwas sehr amerikanisches :D Sie geht in ihrer Freizeit Tontaubenschießen, was sogar von ihrer Schule organisiert wird. Und auch dahin nahm sie mich mal mit. Dort wird mit echten Schrotflinten und scharfer Munition auf fliegende Tontauben geschossen. Das Ganze hat sogar einen kleinen Wettkampfcharakter, da die getroffenen „Tauben“ aufgeschrieben werden. Gute Schützen treffen aus 25 Tauben eigentlich immer 24 oder 25, dafür braucht man gute Konditionen und muss vor allem auch die Waffe gut kontrollieren können, da sie nach den 25 Rounds echt schwer wird. Woher ich das weiß? Beim ersten Besuch saß ich noch auf der Bank und durfte zuschauen aber schon bei zweiten Mal durfte ich dann selbst ran. Ich hatte vorher noch nie eine Waffe in der Hand gehabt und bekam zum Glück erstmal einen Einweisung. Und dann ging es auch schon los, die Schrotpatrone in den doppelten Lauf legen, die Waffe schließen, zielen, „Pull“ rufen und abdrücken. BUMMM! Natürlich habe ich beim ersten Mal daneben geschossen aber es war trotzdem ein krasses Gefühl. Vorher hatte ich erwartet, dass mir die Schrotflinte und deren Rückstoß die Schulter weghaut, aber der Rückstoß war erstaunlich gering. Irgendwann traf ich dann auch eine Tontaube und ich muss sagen, dieses Erfolgsgefühl war echt nicht schlecht. In meiner ersten Übung traf ich dann wenigstens 6 aus 25. Das ist gar nicht schlecht, aber danach habe ich es echt gemerkt, wie schwer so eine Waffe nun doch ist.
Als Kristen für ein paar Tage rüber nach San Francisco gefahren ist, durfte ich auch mit. Bevor wir bei unseren Gastgebern ankamen, zeigte mir Kristen noch ein bisschen das Silikon Valley, was für mich als Informatiker unglaublich interessant war. Als Erstes waren wir auf dem coolen und modernen Googlecampus. Danach fuhren wir am alten Haus von Steve Jobs vorbei und dann noch am Tesla HQ :) Da es aber schon spät wurde, fuhren wir zu unseren Gastgebern. Wir wohnten bei Kristens Freunden, die ein kleines Haus direkt am Stanford Campus in Palo Alto haben und von dort aus startete ich in den nächsten Tagen meine Touren. Am ersten Tag fuhr ich mit dem Zug rein nach San Francisco und wanderte durch die Stadt, vom Bahnhof lief ich den ganzen Tag, bis ich am Nachmittag an der berühmten Golden Gate Bridge ankam. Und wow ist San Francisco eine schöne Stadt, ich kann es gar nicht beschreiben, aber das ganze Feeling war top. Die Architektur empfand ich, als wesentlich schöner aber auch die Menschen waren irgendwie cooler drauf und auch das Klima war super angenehm. Ich verbrachte den ganzen Tag in der Stadt und blieb solange dort, bis mich der Regen zurückschickte. Zurück in Palo Alto gab es auch schon Abendessen. Unser Gastgeber war ein extrem guter Hobbykoch und versorgte uns mit super leckerem Essen. Es war Burrito-Nacht und normalerweise bin ich nicht der größte Freund von originalen mexikanischen Burritos aber an diesem Abend wurde ich kulinarisch mehr als überrascht! Doug, unser Gastgeber, hatte alles selbstgemacht, vom Gemüse über das Fleisch bis hin zum Burritofladen. Absolut wow! Nach dem Essen entdeckte ich noch etwas Unglaubliches an der Wand im Esszimmer. Ich schaute mir eine alte Landkarte an und stolperte über den Titel „Brandeburgensis marchae descriptio“. Brandeburgensis? Das kenne ich doch irgendwoher und schaute genauer hin und auf einmal sprangen mir all die bekannten Orte ins Auge. Die ganze Karte zeigte die Mark Brandenburg im 17. Jahrhundert mit all den kleinen Orten. Selbst Brück, Baitz, Golzow und Lehnin waren schon verzeichnet, das fand ich echt spannend, vor allem war die Karte auch noch historisch, aber keiner konnte mir sagen, warum sie da wirklich hing. Am nächsten Tag konnte ich mir ein Fahrrad nehmen und erkundete die nähere Umgebung. Als Erstes fuhr ich zu der Garage, in der damals HP gegründet wurde. Mitten in einem Wohngebiet hinter einem Haus stand einen kleine Garage, in der maximal ein Auto Platz finden würde und dort wurde damals HP gegründet. Was für eine Vorstellung! Nach einem kleinen Zwischenstopp bei Subway – meines Lieblings Fast Food Laden in den USA- fuhr ich zum Stanford Campus und machte dort im Park mein Mittag. Danach besichtigte ich das riesige Standford Gelände. Dort gibt es nicht nur Vorlesungssäle, Wohngebäude und Bibliotheken, sondern auch einen Aussichtsturm und eine Shoppingmall. Und obwohl ich viel Zeit zu Fuß und auf dem Rad auf dem Campus verbracht habe, fühle ich mich, als ob ich nur 10 % des gesamten Geländes gesehen hätte. Abends gab es dann wieder super leckeres Essen, was Doug für uns gekocht hatte. Am Abreisetag unserer kleinen Tour fuhren wir noch beim Facebook Campus vorbei und dann mit dem Auto über die Golden Gate Bridge nach Hause. Was für ein Erlebnis. San Francisco aber auch die ganze Bay Area haben es mir echt angetan :)
An einem der folgenden Wochenenden holte mich Dave wieder mit einem besonderen Auto ab, da wir beiden wieder eine gemeinsame Tour machen wollten, um uns die Gegend näher anzuschauen. Aber nein, diesmal kam er nicht mit seinem Oldtimer, sondern mit einem Porsche Boxter Cabrio aus dem Jahr 2001. Und wie das halt so ist, ist Dave natürlich etwas älter und hat somit auch ein paar Probleme in den tiefergelegten Sportwagen einzusteigen. Und da Dave die Fahrt entspannt genießen wollte, durfte ich den Porsche fahren! :) Da in der Nähe das berühmte Gebiet aus der Zeit des Goldrausches lag, fuhren wir als Erstes dorthin und informierten uns über das damalige Schürfen von Gold. Danach fuhren wir hoch in die Sierra Nevada und aßen mit Freunden in einer Goldgräberstadt zum Mittag. Nach dem Essen fuhren wir noch in eine alte Miene, die eine der größten und profitabelsten der damaligen Zeit war. Das war echt eine schöne Tour, nicht nur, dass ich die schöne Gegend erkunden durfte und gleichzeitig mehr über den Goldrausch erfahren habe, ich hatte auch unglaublich Spaß mit dem Porsche. Die 200 PS und die tiefergelegte Bauform machten echt Spaß auf den kurvigen Straßen und auch bei höheren Geschwindigkeiten war das Auto gut zu kontrollieren. Als wir nach dem Essen auch noch das Stoffverdeck öffneten und die Sonne hineinschien war der Tag perfekt. :) Aber das war nicht die letzte Tour die ich mit Dave gemacht habe. Amerika ist ja nicht nur für seine verrückten Politiker und ihre Waffenkultur bekannt, sondern auch für die vielen schönen Nationalparks und auch solch einen durfte ich mit Dave besuchen. Diesmal ging es aber schon wesentlich früher los, da uns eine lange Fahrt bevor stand. Unser Tagesziel war der Yosemite National Park und wir fuhren tatsächlich auch 4 bis 5 Stunden inklusive Pausen, bis wir am Eingangstor zum Park waren. Aber allein die dorthin Fahrt hat sich wieder gelohnt, nicht nur, dass ich noch eine ganz andere und schöne Ecke von Kalifornien entdecken durfte, nein ich durfte wieder den Porsche fahren, was für ein schönes Gefühl :) Auf dem Weg zum Park kamen wir auch an vielen verbrannten Waldstücken vorbei. Das was wir im Sommer 2018 in Brandenburg erlebt haben, passiert gefühlt jeden Sommer in Kalifornien. Es ist verdammt heiß und regnet kaum, dazu kommt noch, dass viel zu viel Süßwasser für die Landwirtschaft und den Anbau von irgendwelchen Früchten, Nüssen und Reis verbraucht wird. Und so kommt es immer wieder zu verheerenden Waldbränden in ganz Kalifornien, da sind Fichtenwalde und das was ich in Treuenbrietzen erlebt habe nichts dagegen. Irgendwann wurde die Landschaft auch wieder grün und wir fuhren in das Tal vom Yosemite National Park. Für alle die jetzt kein Bild von dem Nationalpark im Kopf haben: Ich habe am Anfang gedacht, dass wir in einen norwegischen Fjord einfahren. Am Rande des Tales erstreckten sich Felswände in die Höhe, die mehrere hundert Meter hoch waren und das Tal war voller grüner Bäume und einiger Bäche und Flüsse. Aber es war unglaublich schön :) Eigentlich wollten wir eine geführte Tour machen, aber daraus wurde nichts, da die Plätze dafür schon alle besetzt waren. Das Tal wurde übrigens auch zunehmend voller und so erkundeten wir den Nationalpark ohne Führung. Aber ich muss sagen, dass das Tal zwar sehr schön war aber dadurch, dass ich Norwegen schon sehr gut kenne, hat es mich nicht wirklich umgehauen. Dafür sind wir dann noch hoch zu einem Aussichtspunkt gefahren, der mich dann wirklich vom Hocker gehauen hat. Wir waren oben auf so einer Felswand und hatten einen perfekten Blick auf das ganze Tal und natürlich auch El Capitan, den berühmtesten Berg im Park. Dort oben aßen wir dann unsere Sandwiches und genossen es einfach nur. Dieser Aussichtspunkt ist auch absolut eine Empfehlung wert und auch nicht ganz so überrannt von Touristen. Und nach einigen Stunden im Yosemite N.P. machten wir uns wieder auf den Heimweg und natürlich durfte ich wieder fahren ;)
Nun ist es aber nicht so, dass ich den ganzen Tag lang nur unterwegs war und mit meinen Gastgebern und das Land erkundet habe. Natürlich habe ich im Gegenzug auch viele Arbeiten für meine Gastgeber erledigt. Neben den Kleinigkeiten, wie einkaufen oder Gartenarbeit habe ich auch einige größere Projekte umgesetzt. Für Dave und Loren habe ich zum Beispiel einen Dekozaun gebaut, um den Blick aus dem Esszimmerfenster zu verschönern. Auch für John und Mimi habe ich einen Zaun neu aufgebaut, der die Pooltechnick verstecken soll und bei Kristen und Alex habe ich das größte Projekt gebaut. Wie ich vorhin schon erwähnt habe wohnen auf dem Grundstück von Kristen und Alex auch zwei Pferde. Und wenn da Pferde wohnen, dann steht da natürlich auch ein kleiner Stall, eine Koppel und Trink- und Essmöglichkeiten aber eine Sache fehlte noch. Genauso wie wir Menschen, muss ein Pferd auch mal gewaschen und gepflegt werden. Damit die Pferde beim Waschgang nicht weglaufen, gibt es ganz besondere Konstruktionen, in die man das Pferd stellen kann und dann auch sicher waschen kann, ohne dass dem Pferd oder dem Mensch etwas passiert. Meine Aufgabe war es also nun so eine „Waschmaschine“ zu designen und zu bauen. Wie ihr ja wisst, sind Pferde auch nicht klein und so wurde das ganze zu einem größeren Projekt. Insgesamt bin ich ja handwerklich gut bewandert, aber die ersten Probleme traten schon bei der Planung auf. Da die Amerikaner nicht im metrischen System rechnen, musste ich all meine Berechnungen in Fuß, Zoll und ähnlichem anstellen aber auch diese Hürde konnte ich nehmen und konnte mit dem Einkauf fortfahren. Mit dem riesigen Pferdeanhänger von Kristen fuhren wir direkt zu einem der größten Baumarktketten in Amerika. Bei Homedepot bekamen wir wirklich alles, vom Holz und Fertigbeton über die Wasserleitungen bis hin zu den Dekosachen konnten wir alles kaufen. Zum Glück hatten wir viel Platz im Hänger, den wir auch unbedingt brauchten. Allein die Pfosten waren rund 16x16x200cm groß und auch 280kg Fertigbeton in Säcken mussten wir noch verladen, der übrige Rest war dagegen gar nichts :D Zurück bei Kristen und Alex fingen wir direkt an mit den Arbeiten. Wir setzten Messpunkte, buddelten die Löcher, setzten die riesigen Pfosten in Waage und ließen über Nacht alles trocknen. Am nächsten Tag wurde noch eine Menge Schotter angeliefert, die wir später als Untergrund nutzen wollten. Danach machten wir weiter und setzten die Zwischenbretter, damit die Pferde später nicht abhauen könnten. Eine weitere größere Herausforderung war es, den Wasseranschluss bis an die Waschstation zu legen. Einerseits lag schon eine Wasserleitung mit Hahn in der Nähe der Waschmaschine und andererseits hatten wir schon eine Art Dusche für die Pferde installiert. Beide mussten nun verbunden werden mit einem Absperrventil und einem Verteiler dazwischen. Das Problem war nur, dass alles unterschiedliche Anschlussformate hatte. Zusammen mit Alex bin ich dann nochmal zu einem Baumarkt gefahren, wo wir dann einige Stunden damit verbracht haben eine Lösung zu finden, aber auch das konnten wir meistern. Nachdem das Wasser vernünftig lief, mussten wir nur noch ein paar Ablagen und Haken anbringen und den Boden mithilfe des Treckers mit Schotter auffüllen. Und nach einigen Tagen Gesamtbauzeit konnte das erste Pferd die Anlage einweihen und wurde gewaschen :) Aber ich habe nicht nur Zäune und Waschanlagen gebaut, ich habe auch für alle meine Gastgeber typisch deutsch gekocht. Neben Kassler und Rouladen brachte ich den Amerikanern auch den guten Obstsalat näher :) Aber woher bekommt man bitte in den USA Rouladenfleisch oder gepökeltes und geräuchertes Schweinefleisch für Kassler? Zum Glück ist die USA ja ein typisches Einwandererland und hatte schon immer viele Einwanderer aus Deutschland. So kommt es auch, dass es in jeder größeren Stadt einen deutschen Fleischer gibt. Sacramento hatte sogar zwei und eines Tages fuhren Kristen und ich dorthin. Schon als wir eintraten, fühlte ich mich wie in einer deutschen Fleischerei mit den typischen Glasauslagen, in denen viele deutsche Fleisch- und Wurstspezialitäten lagen. Aber wie fragt man auf Englisch nach Kasslerfleisch? Zum Glück wurde die deutsche Fleischerei auch von Deutschen geführt und so konnte ich mit dem Verkäufer/ Metzgermeister ganz einfach auf Deutsch reden und meine Wünsche äußern. Bereits seine Vorfahren sind in die USA eingewandert und haben diese Fleischerei eröffnet und er hat dann seine Metzgereiausbildung in Berlin gemacht, um dann den Laden in Sacramento weiterzuführen. Wir kauften Kasslerfleisch, Bratwürstchen, Sauerkraut und Triolade, die allen meinen Gastgebern sehr gut geschmeckt hat. Abends kochte ich dann Kassler mit Kartoffeln und Sauerkraut und zum Nachtisch gab es einen Obstsalat. Da es allen geschmeckt hat, kochte ich über meinen ganzen Aufenthalt mehrfach gute deutsche bürgerliche Küche für meine Gastgeber.
Nach rund eineinhalb Monaten verließ ich Sacramento und flog nach Salt Lake City, der Hauptstadt von Utah. Dort sollte ich auf Ralph, Allison und Fiona (eine Familie) treffen die mich für die nächsten 2 Wochen aufnehmen wollten. Alle sind gute Freunde von Kristen und Alex und wollten mir auch mal Utah zeigen. Die ganze Familie wohnt etwa 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt in einem Haus nahe den Bergen. In meinen zwei Wochen habe ich richtig viel erlebt, da die ganze Familie immer durch und durch aktiv ist. An den ersten Tagen erkundete ich Salt Lake City, die ganze Stadt ist geprägt durch die mormonische Religion (grundsätzlich christlich). Man merkt nicht nur deren besonderen Lebensstil, sondern auch, dass Salt Lake City die Hauptstadt der Mormonen ist. Überall stehen große mormonische Tempel rum und auch viele andere Gebäude sind von den Mormonen erbaut und betrieben. Am spannendsten für mich war aber die Stammbaumbibliothek, die die größte der Welt sein soll. Leider hatte ich nie die Gelegenheit rein zu gehen und meinen Stammbaum nachzuschlagen. Ich möchte aber in der Zukunft mal auf deren online Service zurückgreifen. Aber auch das Naturkundemuseum war echt spannend und ist für alle die Salt Lake City besuchen empfehlenswert. Generell werden in Utah relativ viele Dinosaurierskelette gefunden und diese werden dort interaktiv ausgestellt aber es gibt auch noch viele weitere Abteilungen, in denen man sich die Entstehung von uns Menschen, Tektonik, Lebensräume von Flora und Fauna und vor allem auch viel über das Weltall anschauen kann. Dort verbrachte ich auch einige Stunden, aber wie ich vorhin schon erwähnt habe, war meine ganze Gastfamilie sportlich sehr aktiv. An einem Nachmittag wanderten Ralph, ein Freund von Ralph und ich hoch auf einen Berg und hatten einen wunderschönen Blick runter bis zu den Salt Lakes und in der anderen Richtung konnten wir bis in die Rocky Mountains schauen. Aber meine Gastgeber waren auch große Rennrad und Mountainbike Fans und so machten wir auch einige Radtouren. An einem Nachmittag ging es mit Ralph auf eine Tour. Aber wir fuhren nicht eine gerade Straße entlang, sondern den Emigration Canyon rauf, was sich mit der Zeit zu meiner Standardroute entwickelte. Auf 9 Meilen (14,5 km) ging es mehr als 1500 Fuß (ca. 460 Meter) nach oben, was schon echt eine gute Herausforderung war, dafür, dass ich kaum trainiert war :D Aber oben wurde man wieder mit einer schönen Aussicht belohnt und danach konnte man sich auf eine lange und schnelle Abfahrt freuen. Auch die Tochter von Allison und Ralph, Fiona, war in ihrer Freizeit sehr sportlich unterwegs. Im Sommer spielt sie Fußball, was ja in Amerika fast schon ungewöhnlich ist. An einem Wochenende war ich auch mal bei einem Spiel dabei und fühlte mich fast wie in Deutschland :D Im Winter fährt sie fast schon professionell Ski in den nahegelegen Bergen. An einem Wochenende fuhren wir hoch in die Berge und sahen uns die Skigebiete mal an. Park City war unter anderem auch der Austragungsort von den olympischen Winterspielen im Jahr 2002. Dort oben in Park City hatten meine Gastgeber auch noch ein Wochenendhaus, in dem wir ein bisschen Zeit verbrachten. Ein paar Tage später fuhr ich mit Allison nochmal hoch in die Berge, um eine befreundete Familie zu treffen, die sich dort ein kleines Ferienhaus gemietet hatten. Wir aßen abends Pizza und unterhielten uns echt gut, da die Familie auch Kinder hatte, die nur ein bisschen jünger waren als ich. Danach ging es noch ans Lagerfeuer und dort gab es auch den Nachtisch. Für mich war es zwar etwas komplett neues, aber es war trotzdem was typische amerikanisches. Es war Smores. Für Smores werden Marshmallows über dem Lagerfeuer geröstet und dann mit einem Block aus Schokolade zwischen zwei Kekse gequetscht und gegessen. Dabei zerfließt das Marshmallow und verbindet sich mit der Schokolade, was ein echt leckeres Ergebnis ergibt, aber gefühlt bekommt man danach einen Zuckerschock :D