#121/3 Ein Jahr Freiheit und Freizeit, das Fazit!

Und an einem anderen Wochenende folgte das Highlight meines Aufenthalts in Utah. Samstagmittag stiegen wir alle ins Auto und fuhren in den Süden von Utah. Insgesamt mussten wir rund 250 Meilen zurücklegen und dauerte gefühlt auch eine Ewigkeit. In Wahrheit waren es nur 4 Stunden aber da sich nicht viel in der Landschaft tat, war die Fahrt relativ langweilig. Die meiste Zeit war die Straße gerade und endete irgendwo am Horizont, neben der Straße war alles sandig und vertrocknet und so wirklich viel konnte man nicht sehen. Ab und zu kamen kleinere Städte oder Viehherden und in der Ferne sah man gelbe karge Berge. Irgendwann hatten wir es geschafft und wir kamen zur Nachmittagszeit in Moab an. Aber warum fahren wir nach Moab, was ist Moab überhaupt? Moab liegt wie gesagt im Süden von Utah und ist umgeben von sehr sehr vielen atemberaubenden Nationalparks. Als erstes bezogen wir unseren Campingplatz und bauten das Zelt auf, da es danach aber immer noch hell war, fuhren wir nochmal zu einem der Nationalparks. Der Arches Nationalpark lag am nächsten dran und sollte auch am besten sein. Für alle die es nicht wissen Arches ist Englisch und wird in etwa so übersetzt: Bögen/ Gewölbebögen und große natürliche Steinbögen erwarteten uns auch. Der Nationalpark war echt atemberaubend und ich weiß gar nicht, wie ich es euch beschreiben soll aber stellt euch eine flache karge Landschaft vor auf der immer wieder große rote Berge stehen und in diesen Bergen sind durch Erosion riesige Natursteinbögen entstanden. Wir hatten auch richtig Glück und kamen genau zum Sonnenuntergang an einem dieser Bögen an und genossen die wunderschöne Aussicht, da es das Wetter wolkenlos war und die Sonne schön rot am Horizont unterging. Nachdem es dunkel war, fuhren wir zurück nach Moab und aßen noch ein Abendessen beim Mexikaner. Danach waren wir alle fertig und fuhren zum Campingplatz. Da es so extrem war, hatte ich nicht mein eigenes Zelt sondern hatte eine Art Schlafsack, der aber eine Zelthülle hatte, sodass ich damit einfach draußen liegen konnte. Auch das Wetter war immer noch top, es war wolkenlos und da es dort in der „Wüste“ kaum Lichtverschmutzung durch Städte etc. gibt, konnte ich noch perfekt die Sterne beobachten. Ich konnte sogar Satelliten an mir vorbei flitzen sehen, was echt cool war und so schlief ich langsam unterm Sternenhimmel ein. Ich muss auch sagen, dass es gar nicht mal so unbequem war mit einer Isomatte auf dem Sandboden zu schlafen aber leider wurde ich mitten in der Nacht wach und merkte, dass es regnete! Damit hatte ich in dieser trocknen Umgebung überhaupt nicht gerechnet und so musste ich in das Zelt der anderen umziehen. Da war es aber so warm, dass ich überhaupt nicht schlafen konnte und floh nach dem Regenschauer wieder nach draußen, wo ich wieder schlafen konnte, doch leider fing es kurz vor dem Sonnenaufgang wieder an zu regnen. Diesmal floh ich aber ins Auto und schlief da mehr oder weniger gemütlich weiter. Am Sonntagmorgen ging es dann auch wieder früh weiter, da wir noch viel vorhatten. Nach dem Frühstück ging es direkt wieder zurück zur Hauptattraktion im Arches Nationalpark. Die Hauptattraktion ist der Delicate Arche, ein großer freistehender Steinbogen, der echt schön aussieht. Dafür wanderten wir vom Parkplatzaus durch den Park eine Stunde bis hin zum Bogen und obwohl wir mit hundert anderen Menschen unterwegs waren, war der Steinbogen schon sehr beeindruckend. Die Sonne knallte immer weiter und es wurde richtig war an dem Tag, wir hatten zum Glück alle genug Wasser dabei aber zwischenzeitlich wurden einige Wanderer von einem RTW abgeholt. Nachdem wir wieder am Auto waren fuhren wir wieder raus aus dem Park und weiter zu nächsten. Diesmal ging es nach Canyonlands und wie der Name schon sagte bestand der ganze Park aus riesigen Canyons. Dort angekommen parkten wir oben an der Kante und konnten viele viele Meilen in die Ferne schauen und alles war mit tiefen Canyons durchzogen. Im Gegensatz zum Yosemite NP. fand ich diesmal kein europäisches Pendant und war echt überrascht von der Landschaft. Über Jahrmillionen hat das Wasser tiefe Spalten in den harten Felsen gewaschen und wir konnten diese Werk bestaunen. Es war echt cool. Aber auch unser zwei Tagesausflug ging dann irgendwann sehr schnell vorüber und wir mussten wieder zurück nach Salt Lake City, da natürlich Ralph und Allison am nächsten Tag arbeiten mussten und Fiona wieder in die Schule musste. Eine wichtige Sache aus Utah habe ich aber noch vergessen, die ich unbedingt noch erzählen möchte. Wie ich ja vorhin schon erwähnt habe, sind wir oft wandern gegangen in Salt Lake City und Umgebung und meist bin ich auch immer mit meinen Gastgebern unterwegs gewesen aber es gab eine Wanderroute, die ich alleine gemacht habe. Irgendwann wurde mir die Tour zum Livingroom (dt. „Wohnzimmer“) empfohlen und so machte ich mich eines Nachmittags auf dorthin. Passenderweise startete die Tour in der Nähe vom Naturkundemuseum, was auch nicht weit weg war von meiner Unterkunft. Von dort aus ging es mehr oder weniger gemütlich den Berg hoch und nach ein bisschen mehr als einer Stunde war ich oben. Dort oben lagen relativ viele lose Steine, aus denen die ganzen Wanderer Sofas gebaut haben, auf denen man sitzen konnte und einen perfekten Blick über Salt Lake City hatte. Man konnte durch das ganze Tal sehen bis rüber zu den Salzseen und dem Flughafen, dort oben zu sitzen habe ich echt genossen. Doch bei meinem ersten Aufstieg sah ich schon die ersten dunklen Wolken herannahen und als ich oben ankam ging es heftiges Gewitter los. Es donnerte, es blitzte, der Wind war unglaublich stark und es regnete wie aus Eimern. Wie immer hatte ich natürlich nichts dabei um mich zu schützen und musste nun möglichst schnell den Berg verlassen. Obwohl ich doch relativ wenig Zeit dort oben verbracht habe, war es unglaublich gut und ich wollte unbedingt dorthin zurück. Wenige Tage später an einem schönen sonnigen Nachmittag stieg ich also wieder hoch und konnte es vollends genießen. Die Aussicht war so gut, dass ich einige Stunden dort oben saß und Salt Lake City beobachtete. Und bei meinem Abstieg kam mir noch eine gute Idee. Wenige Tage später googelte ich die Uhrzeit vom Sonnenuntergang und machte mich wieder auf den Weg hoch zum Livingroom. Als ich oben ankam, merkte ich, dass viele andere Leute auf die Idee gekommen sind von dort oben den Sonnenuntergang zu beobachten aber ich bekam noch einen „Sitzplatz“ auf einem der Steinsofas und machte es mir gemütlich. Die Sonne ging wenig später am Horizont über den Salzseen unter und tauchte das ganze Tal in ein schönes Licht. Danach war es noch sehr spannend zu sehen, dass in Salt Lake City überall die Lichter angingen und auch diesmal genoss ich es, dort oben zu sitzen. Nur leider wurde es immer dunkler und ich musste ja noch den ganzen Weg wieder zurück ins Tal, der natürlich nicht ausgeleuchtet war. Anfangs konnten meine Augen noch gut mithalten aber nachdem mehrere große Schlangen meinen direkten Weg kreuzten und ich immer in allerletzter Sekunde noch drüber springen konnte, nahm ich mein Handy und machte die Taschenlampe an. Bis heute weiß ich noch nicht, ob mir die Schlangen gefährlich geworden wären, wenn ich drauf getreten wäre :D Und so vergingen meine zwei Wochen in Utah auch sehr schnell und er nächste Ausflug stand bevor, bevor es zurück nach Sacramento ging.
Von Salt Lake City flog ich nach Los Angeles, einer der bekanntesten Städte der USA. Dort angekommen machte ich mich auf den Weg zu meinem AirBnB, was auch diesmal nicht schlecht war. Meine Unterkunft lag ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß vom Las Vegas Boulevard entfernt und auch der Flughafen war nicht weit. Gleich am ersten Tag machte ich mich auf zum Boulevard. Dort angekommen war ich überrascht von alle den den Menschen, die sich über die Bürgersteige des Boulevards bewegten aber so ist das halt hier. Später hat man mir erzählt, dass die meisten Touris nicht aus dem Ausland kommen, sondern aus dem Inland. Viele nehmen sich ihren Jahresurlaub, um diesen in Vegas zu verbringen, was ich echt nicht nachvollziehen kann. Am ersten Nachmittag/ Abend schaute ich mir die typischen Hauptattraktion an, beispielsweise den Brunnen vor dem Bellagio Casino, das Caesars Palace und little Paris, wenn man das so nennen kann. Am nächsten Tag lief ich den kompletten Boulevard runter bis hin zu dem berühmten Las Vegas Schild und zurück. Auf dem Weg kam ich auch an all den anderen spektakulären Casinos vorbei, wie dem New York Casino, dem Venetian, mit einer Nachbildung der Kanäle inklusive Boote und dem Flamingo, wo wirklich echte Flamingos im Innenhof leben. Vegas ist echt krass, mit all den Gebäuden, dem vielen Wasser, den unendlichen Casinos und den Tieren mitten in der Wüste. Abends traf ich mich noch mit Ralph, der geschäftlich in Vegas war und wir gingen gemeinsam traditionell chinesisch Dim-Sum essen. Davon hatte ich vorher noch nicht gehört, wollte es aber ausprobieren, da Ralph es vorgeschlagen hatte. Beim Dim-Sum bestellt man nicht wie normal ein einziges Gericht von einer Karte, nein es werden kleine Wagen mit Schälchen rum gefahren. Dann kann man sich immer Schälchen nehmen mit Dingen die lecker aussehen und am Ende werde die Schalen auf dem Tisch gezählt und man bezahlt die Schalen. Und da es traditionell Chinesisch war, gab es kein Ente-Süß-Sauer sondern richtig abgedrehte Sachen, an die ich mich nicht mehr wirklich erinnere. Aber eine Sache ist mir nachhaltig im Kopf geblieben.Hühnerfüße, allein die Vorstellung war für mich nicht so lecker aber trotzdem habe ich es probiert. Prinzipiell ist es auch ganz lecker aber man nimmt die Füße ganz in den Mund, um das Fleisch abzuknabbern, was nicht so lecker war :D An meinem letzten Tag fuhr ich mit dem Bus in den Norden der Stadt, dort steht einerseits „The Stratosphere“, ein Casino mit einem sehr hohen Aussichtsturm aber auch die Altstadt von Las Vegas, die auch schön sein sollte. Als erstes ging es für mich auf den Turm und die Aussicht war echt cool. Ich konnte alles sehen, was ich den letzten Tagen so abgelaufen war und wenn man etwas weiter schaute, konnte man am Horizont schon die ewige Weite von Nevada erkennen. Danach fuhr ich weiter zur Altstadt, die aber auch sehr touristisch war und dadurch auch sehr enttäuschend. Und damit endete auch mein kleiner Las Vegas Trip, am nächsten Morgen ging schon wieder mein Flieger zurück nach Sacramento. Kleine Anmerkung noch am Rande: ich war zu jung, um in Vegas mal in Casinos zu spielen, so wie es alle anderen machen und deshalb hab ich es gelassen.
Zurück in Sacramento ging meine Zeit in den USA leider langsam dem Ende entgegen aber trotzdem habe ich noch einige schöne Dinge erlebt :) Wie ich vorhin schon angesprochen habe, hat Kristen 2 Pferde bei sich auf dem Grundstück und das aus dem Grund, da das ihre Freizeitbeschäftigung / ihr Sport ist. Kristen betreibt „Combined Driving“, bei dem ein zweiachsiger Wagen hinter ein Pferd gespannt wird und sich auch zwei Leute auf dem Wagen befinden. Eine Person zum Lenken und eine Person zum Navigieren. Mit diesem Gespann muss man dann möglichst schnell durch einen abgesteckten Parcours fahren. Und damit Kristen immer üben kann, wohnen die Pferde auch bei Kristen. Ab und zu fährt Kristen auch zu einer befreundeten Ranch, um dort auf dem offiziellen Platz mit den Hindernissen zu trainieren. An einem Tag fuhr ich mit zu dieser Ranch und durfte auch mal mit auf dem Wagen fahren und sogar das Pferd führen :) An einem anderen Wochenende war eine große Charityveranstaltung auf dieser Ranch in Verbindung mit einem Wettkampf für Kristen, leider hatte sich Kristen sich in der Vorrunde disqualifiziert und konnte so nicht an dem Wettkampf teilnehmen, dafür bekam ich aber einen Job an diesem Tag. Kristen wusste, dass ich gerne fotografiere und so drückte mir irgendwann jemand einen Kamera in die Hand und meinte, dass ich doch das Event festhalten solle. Nachdem ich mir einen guten Spot am Wasserhindernis gesucht hatte, ging es auch schon los und ich fing an alles zu fotografieren. Insgesamt habe ich in rund einer Stunde 1100 Fotos gemacht, wovon am Ende 20 Bilder raus gekommen sind, die wirklich richtig gut waren. Nach dem Wettkampf ging die Charityveranstaltung los, diese drehte sich um das Zuschauen vom Kentuky Derby, einem wichtigen Pferderennen in den USA. Das eingenommene Geld durch den Ticketverkauf ging an einen wohltätigen Zweck. Neben einem Dinner, gab es Verlosungen und andere Sachen zu kaufen. Dann ging auch schon das Rennen los, überraschenderweise war es aber nach einer Minute wieder vorbei. Natürlich rennen die Pferde nicht x Kilometer wie bei einem Marathon oder so aber das Rennen bestand wirklich nur aus einem Rennen. Es gab nicht mal irgendwelche Vorrunden oder so. Trotzdem war es sehr spannend aber mein Pferd, welches ich gezogen hatte, hat leider nicht gewonnen. Nach diesem Event rückte meine Abreise aus den USA mit großen Schritten immer näher. Im Endeffekt war die Zeit aber viel zu kurz und sehr gerne wäre ich länger geblieben. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren nochmal die Chance habe nach Kalifornien zu reisen, um all meine Gastgeber noch einmal zu besuchen. Auf dem Rückweg nach Deutschland machte ich noch einen kurzen Zwischenstopp auf Island, genoss das raue Wetter und flog am nächsten Tag wieder zurück nach Berlin.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass meine Zeit in den USA echt unglaublich schön war. Ich habe so viele Dinge gesehen, erlebt und auch gelernt, dass sich die Zeit dort mehr als gelohnt hat.

Glücklicherweise war mein Jahr Pause noch nicht vorbei und es standen in den nächsten Wochen noch viele coole Ausflüge, Urlaube und eine große Radtour an.
Als erstes machten Vatti, Helko und ich einen Urlaub der etwas anderen Art. Wir fuhren gemeinsam in den Süden von Dänemark, um dort über den Strand zu segeln. Segel? Über den Strand? Wie soll das denn gehen? Im Gegensatz zum zum Segelboot ist das Segel in etwas kleinerer Form auf einen kleinen Buggy montiert, der dann über den riesigen Strand der dänischen Küste fahren kann. Vor einigen Jahren haben wir das schon einmal gemacht und da es damals eine echt coole Erfahrung war, wollten wir es unbedingt wiederholen. Diesmal nahmen wir uns wieder ein kleines Ferienhaus in direkter Nähe zum Strand und verbrachten fast jeden Tag im Strandsegler. Auch das Wetter und der Wind war wesentlich besser und wir konnten den Strand komplett nutzen. Neben dem Strandsegeln haben wir viel Skat gespielt, gekocht aber auch sonst die Insel mit unseren Fahrrädern erkundet. Und auch diese Woche ging wieder viel zu schnell vorüber.

Nach dieser Woche folgte noch ein kurzer Abstecher in ein Land, das ich vorher nicht wirklich auf dem Plan hatte. Was fällt euch ein, wenn ich „Georgien“ sage? Wahrscheinlich nicht viel und so ging es mir auch, ich konnte das Land noch in etwa auf der Landkarte einordnen aber danach hörte es schon auf. Da traf es sich gut, dass sich meine beste Freundin Julia bei einer Organisation auf einen weltweiten freiwilligen Dienst beworben hatte. Zugewiesen wurde ihr dann ein Einsatz an einer georgischen Schule in der Hauptstadt Tiflis, an der sie im Deutschunterricht unterstützen sollte. Kurz nachdem wir unser Abi in der Tasche hatten, ging es für sie auch schon nach Georgien. Mittlerweile war fast ein dreiviertel Jahr vorüber und nach all den Erzählungen und Blogartikeln von Jule, wollte ich nun auch mal Georgien erleben. Als ich nach Amerika geflogen bin, hatte ich wenigstens die Sicherheit in der Tasche, dass ich mit den Menschen dort kommunizieren konnte. In Georgien wird üblicherweise Georgisch gesprochen, was ich natürlich nicht konnte und auch Russisch ist bei mir nicht vorhanden. Zum Glück empfing mich Jule am Flughafen und führte mich die nächsten zwei Wochen sicher durch alle möglichen Orte von Georgien. Angefangen haben wir an der Küste von Georgien mit einem Strandurlaub am schwarzen Meer. Neben den vielen Stunden am sonnigen und steinigen Strand von Batumi (Badeort von Georgien) haben wir aber auch viele andere interessante Dinge gemacht. Einmal haben wir beispielsweise einen Tagesausflug in einen nahegelegenen botanischen Garten gemacht. Dieser war sehr schön angelegt und direkt über dem Meer gelegen. Die Artenvielfalt war riesig und wir verbrachten einige Stunden damit, durch die verschiedenen Vegetationszonen zu spazieren. Aber auch vom georgischen Leben habe ich einiges mitbekommen. Oft waren wir georgisch Essen, sind mit den berühmten Bussen (Marshrutkas) gefahren, befassten uns mit der lokalen Geschichte oder kauften auf kleinen und größeren Märkten ein. Nach einer Woche in Batumi stiegen wir in eine Marshrutka und fuhren weiter nach Kutaisi, einer Stadt in der Mitte von Georgien. Dort verbrachten wir zwar nur 2 Tage aber in der Zeit schauten wir uns trotzdem spannende Sachen an. Wir besuchten ein kleines Kloster, dass sehr idyllisch über einem Fluss gelegen war. Danach wollten wir noch in eine riesige Tropfsteinhöhle aber diese hatte leider zu. Stattdessen besichtigten wir eine riesige verlassene Klinikanlage mit angeschlossenem Kurpark. Und auch so ging gingen die zwei Tage schnell vorüber. Die restlichen Tage meines Besuchs verbrachten wir in der Hauptstadt von Georgien, in Tiflis, wo Jule auch schon fast ein Jahr wohnte. Auch da hatten wir eine angenehme Mischung aus den typischen Touri-Aktivitäten und den Sachen die nur Lokals machen. Und dann waren auch schon zwei sehr schöne Wochen vorüber und ich musste in den Flieger nach Hause steigen. Insgesamt hat mir auch Georgien sehr gefallen. Das Leben in Georgien ist sehr unterschiedlich zu unserem Leben hier in Deutschland aber ich habe diese Mentalität und den Lebensstil sehr genossen. Und auch in den nächsten Jahren möchte ich nochmal nach Georgien reisen, um mir das Land vollständig anzusehen.
Auf meinem Rückflug hatte ich echt Glück, dass ich trotz Verspätung meinen Anschlussflug in Riga bekommen habe und pünktlich wieder in Deutschland war. Um meine nächste Reise zu organisieren blieben mir nämlich nur noch wenige Tage.

Die Idee zu meiner nächsten Reise kam mir bereits zur Weihnachtszeit 2017, als ich relativ viel Zeit zu Hause verbracht habe und dementsprechend auch viel im Internet unterwegs war. Damals war noch nicht klar, wie mein freies Jahr weitergehen sollte. Und so musste ich kreativ werden, da mein Work and Travel in Kanada ja nichts geworden war. Eines Tages stieß ich auf ein Video von fünf deutschen Jugendlichen, die in ihren Sommerferien Südnorwegen mit ihren Fahrrädern erkundet haben. Und da ich ja schon die Fahrradtour mit Vatti durch das Baltikum sehr cool fand und auch ein sehr großer Freund von Skandinavien (Norwegen ganz speziell) bin, wuchs in mir die Idee mit dem Fahrrad Norwegen zu erkunden. Ursprünglich wollte ich mir zwei Monate Zeit für folgende Route nehmen: Ich wollte in Borkwalde starten, bis nach Hirtshals in Dänemark fahren und dort auf die Fähre nach Kristiansand in Norwegen fahren. Von dort aus sollte es an der Küste entlang immer weiter Richtung Norden gehen, bis ich irgendwann die Hälfte meines Zeitlimits erreicht hätte und wieder umgedreht wäre. Aber ganz so perfekt fand ich den Plan nicht. Irgendwie gehört für mich zu jeder Fahrradtour auch irgendein Ziel und so machte ich mich auf die Suche nach möglichen Zielen, die ich erreichen konnte. Glücklicherweise stolperte ich über einen Blog von zwei Deutschen, die vor einigen Jahren von Deutschland mit ihren Fahrrädern bis hoch zum Nordkapp, dem nördlichsten Punkt Europas, gefahren sind. Das Nordkapp war zwar viel weiter entfernt von Deutschland als alle meine ursprünglichen Pläne aber der Gedanke an eine Fahrradtour zum Nordkapp hat mich schon sehr gefesselt. Aber bis ich diesen Plan in die Tat umsetzen konnte gab es noch viel zu erledigen. Erst einmal musste ich Mutti und Vatti, dass die Tour eine gute Idee sei und ich das auch ganz alleine schaffen könnte, da ich ja noch niemanden gefunden hatte, der mich begleiten würde. Aber ich schaffte es die größten Bedenken aus dem Weg zu räumen und konnte mich nun konkret auf die Planung konzentrieren. Der Zeitraum von Juli bis August stand ja zum Glück schon fest aber da das Nordkapp doch soweit von Deutschland weg ist, konnte ich unmöglich die Hin- und Rückstrecke in den zwei Monaten schaffen. Schon gar nicht, weil ich mir ja auch noch viele Dinge in Norwegen anschauen wollte. Deswegen musste ich mir überlegen, wie ich vom Nordkapp wieder zurück nach Borkwalde in möglichst kurzer Zeit komme. Zur Auswahl standen eigentlich nur zwei Möglichkeiten, einerseits hätte ich irgendwo in der Nähe vom Nordkapp in einen Flieger steigen können und wäre zurück geflogen. Das Problem hierbei lag aber eindeutig bei dem Transport von meinem Fahrrad. Normalerweise packe ich immer das Rad in einen großen Pappkarton ein, damit es im Flugzeug geschützt ist aber ich war mir echt unsicher ob ich so etwas vor Ort bekommen könnte. Andererseits hätte ich auch den Zug nehmen können aber mit bestimmt 10 Mal umsteigen, wenig Zeit zum Umsteigen und keiner gesicherten Fahrradmitnahme war mir das definitiv zu riskant. Während ich immer noch an der Rückreise arbeitet, suchte ich parallel auch immer noch nach möglichen Mitfahrern. Aber da hatte ich überhaupt kein Glück. Die eine Hälfte meines Freundeskreises hätte auf jeden Fall Lust gehabt mich zu begleiten aber alle von denen waren entweder durch das Studium oder sonst irgendwie eingebunden und konnten sich nicht eben mal 2 Monate Urlaub nehmen. Die andere Hälfte meines Freundeskreises kann überhaupt nichts mit dem Thema Fahrradfahren anfangen. Und da ich nicht mit irgendwelchen fremden Leuten die ganze Zeit fahren wollte, stellt ich mich darauf ein die Tour alleine zu bestreiten. Und neben ein paar Kleinigkeiten konnte ich die Planung auch bald abschließen.
Springen wir zurück zu dem Zeitpunkt an dem ich aus Georgien wieder zurück nach Deutschland gekommen bin. Wie ich schon erwähnt habe, hatte ich nur wenige Tage Zeit meine ganzen Taschen zu packen, um meine Fahrradtour zum Nordkapp zu starten. Aber ein wesentlicher Punkt hatte sich in meiner Planung geändert, ich hatte nämlich das Problem mit dem Rückweg gelöst. Ganz simple habe ich die Tour einfach umgedreht und flog nun von Berlin aus mit meinem Fahrrad nach Alta, was ca. 200 km vor dem Nordkapp liegt, um danach die Strecke zurück nach Borkwalde mit dem Fahrrad hinter mich zu bringen. Und so ging es auch los.
An meinem Geburtstag waren alle Taschen gepackt und auch das Fahrrad in einer Pappkiste verstaut und ich konnte losfliegen. Von Berlin ging es erstmal nach Oslo und von dort aus dann weiter nach Alta. Allein die Anreise hat fast einen Tag gedauert und so kam ich erst sehr spät in Alta an. Am Flughafen baute ich direkt mein Fahrrad zusammen und hatte damit auch wirklich kaum Probleme. Nebenbei unterhielt ich mich noch mit einem Spanier, der ebenfalls mit seinem Fahrrad angereist war und nach dem Nordkapp rüber nach Umea in Schweden fahren wollte. Aber der Start meiner eigenen Tour war schlechter als erwartet. Schon auf den ersten Metern merkte ich, dass meine Gangschaltung defekt war, ich konnte vorne einfach nicht mehr schalten und so musste ich erstmal einen Fahrradladen aufsuchen. Zum Glück konnten die mir sofort helfen und das Stück Plastik entfernen, dass sich in meiner Schaltung verklemmt hatte. Danach wollte ich eigentlich noch Gaskartuschen für meinen mitgebrachten Campingkocher kauften aber kein Laden hatte die richtigen. Als ich dann in einem Spezialladen war, wurde mir gesagt, dass der Gaskocheranschluss denen überhaupt nicht bekannt sei und es dafür keine Kartuschen geben würde. Gut ich muss auch zugeben, dass der mitgebrachte Gaskocher von Mutti und Vatti stammte und wahrscheinlich seit der DDR-Zeit nicht mehr benutzt wurde, deshalb kaufte ich mir auch gleich einen neuen inklusive Gaskartusche. Danach konnte es endlich losgehen und ich war froh, dass ich die ersten Probleme hinter mich gebracht hatte. Auf den ersten Kilometern traf ich einen jungen Letten auf seinem Fahrrad, der auch zum Nordkapp wollte und so fuhren wir die nächste Zeit gemeinsam. Und über seine Anwesenheit bin ich bis heute auch noch immer froh. Nachdem wir den ersten Pass überquert hatten, fuhren wir über ein Fjell (norwegische Hochebene?), wo der Wind kräftig von der Seite blies. Unglücklicherweise schob der Wind mich und mein Rad von der Straße und als ich versuchte gegenzulenken, legte es mich mit dem Fahrrad auf die Asphaltstraße. Glücklicherweise fuhr gerade niemand hinter uns und ich bekam auch nur ein paar Schürfwunden an Händen und Knien ab. Ohne den Letten hätte ich aber nicht so einfach in der Wildnis aufstehen können und er half mir auch dabei meine Wunden zu versorgen. Abends schlugen wir unsere Zelte in der Nähe der Straße auf und ich war echt fertig. Ich war an dem Tag nicht nur hingefallen und 90 Kilometer gefahren, nein ich war auch verhältnismäßig untrainiert und echt erschöpft. Leider blieb mir im Vorfeld der Tour keine Zeit zum Trainieren aber das Training und die benötigte Kraft würde ich den nächsten Tagen wieder aufbauen. Aber auch das Wetter in dieser Region hatte ich ein bisschen unterschätzt. Laut dem Klimadiagramm für das Nordkapp liegt die Durchschnittstagestemperatur im Juli bei ca. 13°C. Das hört sich ja prinzipiell super an aber die Nachtwerte waren deutlich darunter. Am Abend vor der Ankunft am Nordkapp war es extrem kalt. Nachdem wir unsere Zelte windgeschützt in einer alten Kiesgrube aufgebaut hatten, schauten wir auf den aktuellen Wetterbericht und das extrem kalte Wetter bestätigte sich. Es waren 4°C draußen und uns beiden war so extrem kalt. Nach einer warmen Mahlzeit und einem heißen Tee verkroch ich mich auch sehr schnell in meinem Zelt. Laut dem Aufdruck auf meinem Schlafsack liegt die optimale Außentemperatur für diesen bei 13°C und das merkte ich auch die ganze Nacht über. Ich schlief dick eingekuschelt mit Jogginghose, dicken Socken, einem Pullover und ner Mütze auf dem Kopf im Schlafsack und es war trotzdem sehr kalt in der Nacht.
Aber nach wenigen anstrengenden Tagen mit viel Gegenwind, sehr kalten Nächten und dunklen Tunneln erreichten wir das Nordkapp und das war echt ein unbeschreibliches Gefühl das Nordkapp aus eigener Muskelkraft erreicht zu haben :)
Danach ging es weiter Richtung Süden und ich merkte relativ schnell, dass ich viel zu viel Gewicht bei mir hatte. Nicht nur, dass mein Rad unglaublich schwer war, nein ich hatte auch viel zu viel Kleidung dabei, die ich nicht wirklich brauchte. Ich habe zwar versucht 2 kg per Post nach Hause zu schicken aber 44 Euro für ein simples Päckchen waren mir eindeutig zu viel und so trug ich all meine Sachen fleißig nach Hause. Aber ich merkte ich, dass es nicht ganz so leicht war im bergigen und windigen Norwegen Fahrrad zu fahren, so wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Trotzdem kam ich sehr gut voran und machte nun eigentlich jeden Tag 100-140 km. Abends suchte ich mir meist einen schönen Platz zum Campen, kochte mir mein Essen und legte mich schlafen. Das schöne an Skandinavien ist das sogenannte Jedermannsrecht, welches besagt, dass man fast überall sein zelt aufschlagen und dort übernachten darf, wenn man den Platz sauber zurücklässt. Dieses Recht nutzte ich auch sehr oft und war nur ab und zu auf einem Campingplatz, zum Wäsche waschen, heiß duschen oder aufwärmen. Mein nächstes Ziel nach dem Nordkapp war Tromsö, eine Stadt die ca. 550km südlich vom Nordkapp liegt. Auf dem Weg dahin traf ich immer wieder einen jungen Dresdener, der auch mit dem Fahrrad unterwegs war und meine Tour in umgekehrter Reinfolge gemacht hat. Oft fuhren wir gemeinsam große Teile der Strecken und unterhielten uns gut. Kurz vor Tromsö trafen wir noch zwei junge Hamburgerinnen, die gerade einen Skandinavien Roadtrip macht. Gemeinsam buchten wir uns eine Hütte für die Nacht und erkundeten Tromsö. Danach ging es für mich weiter zu den Lofoten, einer sehr berühmten und wunderschönen kleinen Inselgruppe an der Küste von Norwegen. Um dorthin zu gelangen fuhr ich die Küste entlang immer weiter nach Süden. Einen super schönen Zwischenstopp hatte ich auf der Inselgruppe Senja. Dadurch, dass ich erst gegen Mittag in Tromsö startete, kam ich auch erst sehr spät auf Senja an (gegen 10 Uhr). Aber ich konnte die norwegische Mitternachtssonne nutzen und nahm mir vor noch weitere 60 km zu fahren, damit ich am nächsten Morgen die nächste Fähre Richtung Süden nehmen konnte. Und diese 60 km auf Senja waren unglaublich! Die ganze Insel ist nur sehr sporadisch bewohnt aber hat unglaubliche Landschaften. An den Rändern der Fjorde steigen hunderte Meter hohe Felswände auf und jeder Fjord wird mit einem weißen Sandstrand vollendet. Wow diese Landschaft hat mich echt beeindruckt. Und kurz nach 0 Uhr kam ich dann an der Fähre an, kochte mir noch schnell was und legte mich nach 140 km endlich schlafen. Wenige Tage später kam ich auch schon auf den Lofoten an und wurde mit eher mäßigem Wetter begrüßt. Trotzdem nahm ich mir einen Tag und ging Wandern, abgesehen davon, dass ich auf dem Rückweg etwas vom Weg abkam, war es eine echt schöne Wanderung. Danach fuhr ich relativ schnell weiter in den eher Süden, der auch wirklich viel schöner war. Das Wetter war zwar immer noch regnerisch aber die kleinen bunten Fischerdörfer in den Buchten waren einfach Traumhaft. Dort unten machte ich auch nochmal eine zweite Wanderung, die absolut wunderschön gewesen wäre, wenn es nicht so neblig gewesen wäre. Ich wanderte auf einen Berg, der den schönsten Ausblick auf einen unbewohnten Fjord versprach aber von dem Fjord habe ich nicht viel gesehen.
Nachdem ich Lofoten wieder verlassen hatte, musste ich mich nun entscheiden. Entweder fahre ich durch den Süden von Norwegen, der weitaus steilerer Berge hat als der Norden oder fahre ich über das skandinavische Gebirge rüber nach Schweden, was etwas flacher sein sollte. Nach einer sehr langen Überlegung entschied ich mich schlussendlich für den Weg über Schweden, da mein Rad gefühlt zu schwer (50+ kg Fahrrad und Gepäck) war für die extremen Steigungen in Südnorwegen. Aber der Weg nach Schweden war auch nicht leicht. Einen ganzen Tag habe ich gebraucht, um das skandinavische Gebirge zu überqueren. Den ganzen Tag ging es mit bis zu 10% Steigung die Berge hoch, zum Glück war die Straße kaum befahren und ich konnte immer wieder an der Seite pausieren. Abends hatte ich dafür einen super Schlafplatz direkt an einem Bergsee. An dieser Stelle hatte ich der erste Mal auf dieser Tour auch echte Versorgungsprobleme. Mein letzter Einkauf lag bereits 2,5 Tage zurück und der nächste Supermarkt in Schweden war auch noch 100+ km entfernt. Aber bevor ich wieder einkaufen konnte, überquerte ich noch ein weiteres Highlight auf dieser Tour, den Polarkreis und glücklicherweise gab es da nicht nur ein Schild am Straßenrand sondern auch eine Tankstelle und einen kleinen Laden mit überteuertem Essen, was mein Versorgungsproblem löste. Danach ging es leider relativ öde in Nordschweden weiter. Den ganzen Tag über fuhr ich auf einer Straße immer gerade aus Richtung Süden. Ab und zu traf ich auf Rentiere, Schlangen und einige Mücken aber sonst war nicht viel los auf der Strecke. Nichtmal mehr Radfahrer habe ich getroffen und so arbeitete ich mich Tag für Tag weiter in den Süden. Der Süden ist in Schweden auch deutlich stärker besiedelt, dort traf ich auch zum Glück wieder auf nette Menschen. Zum Beispiel unterhielt ich mich mit einem alten schwedischen Lehrer den ganzen Abend über die politische Lage in Schweden und Deutschland. Nach 1500 km auf einer Hand voll an Straßen kam ich auch schon in Helsingbor (Bei Malmö) an, wo ich auf die Fähre nach Dänemark stieg. Aber bevor es über den Öresund ging, konnte ich wenigstens noch einen Punkt von meiner Schwedenliste abhaken und zwar habe ich dort unten im Süden den einzigen Ikea auf der Tour gesehen. Leider blieb es mir aber dann verwehrt in Schweden auf Elche zu treffen.
Angekommen in Dänemark legte ich mich erstmal schlafen, um am nächsten Tag wieder frisch und kräftig weiterfahren zu können. Als nächstes großes Highlight stand Kopenhagen auf meiner Liste und nach gut 30 km stand ich auch schon mitten im Zentrum. Die Stadtmitte war aber an diesem Sommertag so extrem von Touristen überrannt, dass ich Probleme hatte mit meinem dicken Fahrrad überhaupt durchzukommen, deswegen suchte ich nach einer Mittagspause auch relativ schnell das Weite und fuhr raus aus der Stadt. Nachdem ich mich ein bisschen verfahren hatte, lief zum Glück alles gut und ich konnte trotz der großen Pause in Kopenhagen noch ordentlich Strecke machen. Aus Schweden war ich es gewohnt, dass die Straßen nur sehr schlecht mit Radwegen ausgebaut waren. Vor allem in Nordschweden musste ich immer am Straßenrand fahren aber hier in Dänemark gab es auf einmal neben jeder größeren Straße einen asphaltierten Radweg und dementsprechend gut rollte ich auch voran. Und schon am nächsten Tag hatte ich Dänemark durchquert und kam in Rodby an. Dort führte mich die nächste Fähre zurück nach Deutschland auf die Insel Fehmarn. Und wow ich war „gerade mal“ 28 Tage unterwegs und schon wieder auf deutschem Boden, das war schon ein komisches Gefühl. Eigentlich hatte ich für die gesamte Tour 60 Tage eingeplant und nun war es abzusehen, dass ich es in +- 31 Tagen schaffen würde. Wo ist nur die Zeit geblieben? Aber auch in Deutschland begnete mir unglaubliche Gastfreundschaft. Als ich gerade mein Essen auf dem Camipingplatz auf Fehmarn kochte, schaute ich mich nach einem Platz um, an dem ich später essen könnte. Da ich aber keinen finden konnte, fragte ich die anderen „Köche“ in der Gemeinschaftsküche und kam mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, die mich auch gleich an ihren Tisch einluden, damit ich dort essen konnte :) Abends unterhielten wir uns dann noch ausgiebig, bis ich erschöpft ins Zelt fiel. Früher hätte ich schon gedacht, dass Fehmarn von Borkwalde aus gesehen sehr weit weg ist aber meine Rückkehr mit dem Fahrrad ging unglaublich schnell. Am ersten Tag in Deutschland fuhr ich Fehmarn über Travemünde bis kurz vor Schwerin, das waren zwar nur 140 km aber auf der Landkarte machte ich so einen großen Sprung, dass ich sehr erstaunt war. Am Abend des zweiten Tages schlief ich sogar schon in der Nähe des Dreiländerecks von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Und auch hier auf dem Campingplatz in Havelberg kam ich wieder ins Gespräch mit einem älteren Ehepaar, dass sehr interessiert war. Insgesamt muss ich auch sagen, dass viele Wohnmobilfahrer es sehr interessant und spannend fanden, was ich auf meiner Tour so erlebt habe :D Aber auch an diesem Abend war ich nach 140 km so fertig, dass ich nach meinem Abendessen und einem Podcast direkt einschlief und das obwohl Deutschland echt flach und windlos ist. Als ich am nächsten Tag meine Route plante, konnte ich es erst gar nicht glauben aber dieser Tag würde mein letzter sein auf dieser Radtour. Obwohl im äußersten Nordwesten von Brandenburg war, war die Strecke bis nach Borkwalde an einem Tag locker zu schaffen. Und so machte ich mich auf zur aller letzten Etappe. Über Rathenow und Brandenburg an der Havel ging es zurück nach Borkwalde, wo ich abends auch ankam :) Zum Glück waren wenigstens unsere Nachbarn da, die mich mit einem Hausschlüssel und frischen Lebensmitteln versorgen konnten, da Mutti und Vatti selbst noch im Urlaub waren. Danke nochmal dafür an Familie Zeigert :)
Einerseits war ich echt glücklich, dass ich diese unglaubliche große Reise alleine mit meiner Muskelkraft bewältigt habe und so viele tolle Dinge erlebt habe aber andererseits war es dann auch mal wieder richtig schön einfach nur die Beine hochzulegen und ein paar Tage lang nichts anstrengendes zu tun.
Insgesamt war die Reise aber sehr schön, obwohl ich mich an manchen Bergen schon ganz schön quälen musste. Aber diese Anstrengungen wurden mit all den schönen Erlebnissen wieder wettgemacht. Ich habe nicht nur viele tolle und interessante Menschen kennengelernt auch die Landschaft und die pure Natur die ich erleben durfte, waren alle Anstrengungen wert. Von den schönsten norwegischen Fjorden auf Senja über die hübschen Fischerdörfer und Wanderungen auf den Lofoten bis hin zu den unglaublichen Seenlandschaften in Schweden war jeden Tag wieder etwas Neues und schönes dabei. Aber auch die kleinen Momente auf dieser Tour waren unglaublich. Ich konnte immer und überall anhalten, um die Zeit zu genießen, die ich an diesem Ort hatte. Aber auch all die zwischenmenschlichen Begegnungen die ich hatte, waren faszinierend. Von den Lokals über Touris und andere Radfahrer habe ich alle getroffen und mit keinem eine negative Erfahrung gemacht. Aber warum machen mir solche Touren so viel Spaß?
Ich sage immer, dass man mit dem Fahrrad gerade so langsam fährt, dass man noch genug von Land und Leuten mitbekommt aber man ist auch so schnell, dass man auch größere Strecken zurücklegen kann und jeden Tag etwas Neues sieht. Schlussendlich ist es auch eine Frage der Freiheit, bei solchen Reisen habe ich alle Möglichkeiten die ich mir erträumen kann und bin auf nichts und niemanden angewiesen. Ich kann spontan meine Route ändern, wenn mir eine Gegend nicht gefällt, ich kann mir aber auch noch einige Tage mehr nehmen, wenn es mir gefällt. Das einzige Manko an dieser Tour war, dass ich ganz alleine unterwegs war. Natürlich habe ich es auch sehr genossen mal viel Zeit für mich zu haben und natürlich habe ich auch tagsüber viele coole Leute getroffen aber bei unserer ersten Tour war es schon cool, dass jemand dabei war, den ich kannte und mit dem ich mich wirklich gut verstanden habe. Abends war ich teilweise schon sehr allein und hätte mir einen guten Freund/Freundin gewünscht, damit man sich über Dinge unterhalten kann.

Kommentare

...... das war schon ein "West"kocher. Aber der hat eben auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel, wie man so schön sagt.