#050 Drei Tage in Frankfurt am Main

Moin moin,

heute geht es auch schon weiter mit einem neuen Blogeintrag, da ich mal wieder viel zu erzählen habe.

Diese Woche war ich für vier Tagen in Frankfurt am Main um an zwei Assessment Centern teilzunehmen. Montag bin ich wie immer mit dem Zug angereist. Allein aber die Hotelwahl war extrem schwer in Frankfurt, es muss irgendeine Messe in Frankfurt gewesen sein. Es gab kaum noch Hotelzimmer und wenn dann nur noch extrem teure Zimmer, deswegen bin ich in die Jugendherberge direkt am Main gezogen.
Dienstag ging es dann auch schon zum ersten Assessment Center bei PwC, einer internationalen Firma die sich mit der Wirtschaftsprüfung und der Unternehmensberatung auseinandersetzt. Prinzipiell war es auch wie jedes andere Assessment Center für mich. Alles begann mit einer kleinen Vorstellungsrunde, danach wurde uns das Unternehmen näher vorgestellt. Dann ging es aber mit den wichtigen Sachen weiter. Einerseits wurden wir einem "Modalen Einzellinterview" ausgesetzt. D.h. uns wurden immer situative Fragen gestellt und wir mussten diese beantworten. Dort kommen immer Fragen nach dem Motto: "Es ist Freitag Nachmittag ihr Chef ruft an und möchte, dass sie länger arbeiten. Wie handeln sie? ". Weiterhin mussten wir uns auf eine spätere Selbstpräsentation vorbereiten. Dort sollte man Fragen beantworten wie: "Warum PwC?, Warum ich?" etc.. Dann gab es auch schon Mittagessen und ich muss auch sagen, dass die Firmen dort meistens sehr dick auftragen. Für uns gab es ein extra Buffet mit Salat, verschiedenen Hauptspeisen und Variationen von Nachtisch, weiterhin bediente uns ein Kellner mit Getränken und räumte unser Geschirr weg. Weiterhin durften wir den Tower 185 in unserer Mittagspause besichtigen. Der Tower hat fast 50 Stockwerke, wird zu 2/3 von PwC belegt und steht fast mitten in Frankfurt. Wir wurden dann in die repräsentative Etage 48 geführt. Knapp unter 200m über dem Boden hatte man eine super Aussicht über Frankfurt. Nach dem Essen hielten wir unsere Kurzpräsentationen und es gab eine AYCA Runde (all you can ask) mit einem Ex-Dualen Studenten. Zwischendurch gab es noch persönliche Interviews. Danach folgte eine Gruppenaufgabe in Kleingruppen wie bei jedem anderen Assessment Center auch. Diesmal waren wir Schiffbrüchige im Atlantik und hatten eine Materialliste aus der wir 4 Dinge wählen sollten um möglichst lange auf dem Wasser zu überleben und auf Hilfe zu warten. Ich gebe euch hier mal ein paar Beispiele und ihr dürft selber wählen was ihr mitnehmen würdet.

Holzlatten, Gummiboot für 3 Personen, Rettungswesten, ein Seil, Kanister mit Trinkwasser, Zwieback, eine Angel, Kompass, Landkarte, Leuchtpistole mit einem Schuss, ein Fernglas, Feuerholz und Streichhölzer, Leonardo DiCaprio und noch einige andere Dinge.

Wir als Team kamen zu diesem Schluss: Kanister mit Wasser, Zwieback, das Gummiboot und die Leuchtpistole. Ich denke viele von euch hätten auch so geantwortet. Dann kam aber die Frage eines Mitarbeiters, was wäre wenn er mit auf dem Boot wäre. Wir antworteten, dass wir ihn mitnehmen würden, da Menschenleben immer zählen. Als Nachfrage kam natürlich warum wir dann nicht Leo mitgenommen haben :D
Aber auch die andere Gruppe hat ihn vergessen, ihr wahrscheinlich auch, da jeder denkt, dass er "ein Material ist". Dann war der Tag auch schon vorbei und es ging für mich wieder Richtung JHB. Abends war ich noch bei einem nahen Inder, dort habe ich das beste Chicken-Madras meines Lebens gegessen. Der Laden sah zwar mehr oder weniger gut aus, dafür war das Essen auf den Punkt perfekt. Was ich daran gemocht habe, war dieses Dickflüssige aber auch die extreme aber angenehme Schärfe. Falls jemand unter euch ein leckeres Rezept kennt für Chicken-Madras, dann schreibt mir doch bitte :)

Am Mittwoch hatte ich einen freien Tag. Trotzdem bin ich um halb neun schon aufgestanden um das Frühstück noch mitzunehmen, danach hab ich mich trotzdem nochmal ins Bett gelegt und gewartet bis es draußen etwas wärmer wurde. Am morgen waren es knapp über 0 Grad Celsius in Frankfurt. Kurz nach 11 Uhr machte ich mich los in die Altstadt. Diese war aber für mich persönlich relativ uninteressant. Einerseits wurde dort überall gebaut aber andererseits war auch nicht viel los. Deswegen wollte ich in das Bankenviertel. Vorher bin ich aber noch am Main vorbeigekommen, dort habe ich mich für eine ganze Weile hingesetzt und Flugzeuge, Boote und Menschen beobachtet. Von dort aus bin ich dann in das Bankenviertel gegangen. Es war kurz nach 12 Uhr und ich hatte Hunger, eigentlich hatte ich auch eine Art Foodtruck-Kultur, wie in New York erwartet, da ja jeder Bänker zum Mittag schnell aus seinem Büro kommt, sein Essen zum mitnehmen holt und dann weiterarbeitet. Aber ich habe nur einen Foodtruck gesehen, welcher Brezeln verkauft hat. Und da ich mich nicht in ein Restaurant setzten wollte, musste ich mir was anderes suchen, aber bei jedem Bäcker etc. waren echt lange Schlangen mit den angesprochenen Bänkern. Schlussendlich habe ich ein Sandwich bei Subway gegessen. Nach dem Essen wollte ich auf den Main-Tower um mir Frankfurt nochmal ausführlich von Oben anzusehen, dafür musste ich aber wieder durch die ganze Innenstadt. Zufälligerweise bin ich beim DAX vorbeigekommen und habe die Fußgängerzone erkundet. Dort habe ich auch einen Laden gefunden, den ich noch nie vorher in meinem Leben gesehen aber, ihn aber schon immer mal besuchen wollte. Es war ein TESLA Showroom. Darin war auch keiner, außer einer jungen Dame, die dort arbeitet. Natürlich war es für mich sehr komisch in einen Laden zu gehen, in dem ich mir nichts kaufen werde und es mir auch nicht leisten kann dort etwas zu kaufen. Aber ich bin rein gegangen. Zuerst habe ich mir die Werbetafeln angesehen, bis mich die junge Verkäuferin ansprach, ob sie mir helfen könnte und so kamen wir auch in ein sehr spannendes Gespräch. Probesitzen durfte ich auch mal in einem meiner Traumautos, einem Tesla Model S 75D, dort ist auch das Foto von unten entstanden, leider kostet er alleine in dieser Ausstattung (75D) 73.000 Euro. Wie man vielleicht merkt, bin ich ein großer Tesla Fan und dieser Besuch war mein Highlight des Tages. Danach war ich auf dem Main-Tower. Dieser ist 240 Meter hoch und befindet sich direkt im Zentrum. Zum Glück kam dann auch die Sonne raus und ich konnte die Aussicht genießen. Zum Abschluss des Tages war ich noch einen Burger essen und bin auch früh schlafen gegangen, damit ich am nächsten Tag ausgeschlafen bin für das Assessment Center bei Accenture.

Donnerstag war ich dann bei Accenture zum Assessment Center, die haben ihren Hauptsitz in Kronberg im Taunus, etwas außerhalb von Frankfurt. Das lief fast genauso ab, wie alle anderen auch. den Anfang machte aber ein unerwarteter Test :D Dieser war aber durchaus machbar, da aus sehr vielen Bereichen Wissen abgefragt wurde. Was nicht ganz so cool war, war die zeitliche Planung. Für den Test waren insgesamt 90 Minuten angesetzt, danach sollten wir 30 Minuten Zeit haben um eine Selbstpräsentation vorzubereiten. Das Problem war einfach nur, dass man währenddessen zu Einzellinterviews geholt wurde, diese waren für 30 Minuten angesetzt. Schlussendlich hatte ich beim Test am Ende zu wenig Zeit und konnte die Übersetzungsaufgabe nicht vollenden. Was das Interview angeht, war es eigentlich ganz gut. Es wurden natürlich persönliche Informationen abgefragt, aber auch fachliche Kompetenzen. Das coole war die letzte Frage: "Wie viel Tannenbäume werden jährlich in Deutschland verkauft? ". Na, wer von euch hat ne sinnvolle Antwort? Es ist natürlich klar, dass niemand eine richtige Antwort kennt, aber ich sollte einfach unter Beweis stehen, wie ich in solchen Situationen handle. Schlussendlich bin ich auf 30.500.000 Tannenbäume gekommen. Danach gab es wieder Mittag, zwar kein eigenes Buffet, aber die Kantine dort war auch echt super. Nach dem Mittag gab es die Selbstpräsentationen und wieder ein Gruppenspiel. Diesmal sollten wir eine kommerzielle LAN-Party planen. Naja okay, nicht meine bevorzugte Aufgabe aber machbar. Dann war es auch schon vorbei. Nun bin ich komplett fertig mit meinen Bewerbungen, später schreibe ich noch ein ausführliches Fazit.

Aber ich muss auch sagen, dass es sehr erstaunlich ist, wie unterschiedlich sich die Bewerber bei unterschiedlichen Firmen verhalten. Vor allem bei der IBM, aber auch bei Accenture waren die Bewerber sehr sympatisch. Man konnte in den Pausen immer mit einander gut quatschen und hatte dabei auch sehr viel Spaß. Ich zum Beispiel bin aber bei Porsche auf sehr viele komische Menschen gestoßen, auch nach meinen Versuchen ein Gespräch zu starten, kam bei den meisten nicht viel rum was ich dann doch immer sehr schade finde. Teilweise kamen mir diese Mitbewerber auch sehr abgehoben vor.
Bei Accenture habe ich zum Beispiel einen 17-jährigen Berliner kennen gelernt, der gerade sein Abi macht, aber nebenbei sein eigenes Geschäft aufgemacht hat. Er hat den Markt analysiert um Marktlücken und Nischen zu finden bei denen die Konkurrenz nicht sehr stark ist. Im Endeffekt verkauft er jetzt Kniebandagen für Body-Builder . Er kauft sie in China ein, verpackt sie hier in Deutschland und druckt sein Logo auf. Jegliche Logistik und Verkauf läuft bei ihm über Amazon. Seine erste Ladung war nach einer Woche ausverkauft und er musste seine Amazonwerbung ausschalten. Dass er soweit gekommen ist, ist für mich sehr beeindruckend.

Zurück gefahren bin ich dann mit einem sehr netten Mädchen, was auch aus Berlin kam und mit mir bei Accenture war. Wir haben uns im ICE sehr gut unterhalten und auch über die Geschäftsidee mit den Kniebandagen gesprochen. Wir saßen in einem Sechserabteil und plötzlich stieg ein junger Mann in unser Gespräch ein. Auch mit ihm konnten wir uns sehr gut unterhalten. Später stieg dann noch ein weiterer Fahrgast in unser Gespräch ein und so verbrachten wir unsere Zugfahrt.

Jetzt bin ich endlich wieder zuhause und habe meine Bewerbungstour abgeschlossen. Wie vorhin schon erwähnt werde ich noch ein all umfängliches Fazit darüber schreiben. Auch hier soll in der Zukunft wieder häufiger ein Blogeintrag kommen.

Ich hoffe ich habe nichts vergessen
Viele Grüße

Niklas