#066 Die Oldtimer-Tour rund um Sacramento

Moin moin,

wenn ihr wissen wollt was ich heute mit einem Auto erlebt habe welches dreieinhalb mal so alt ist wie ich, dann könnt ihr dies hier erfahren im Bericht vom 31.03.18.

Wie immer begann alles in meinem Bett und ich musste "früher" aufstehen. Denn Dave (Kristens Vater) wollte mich um halb neun abholen. Und da mir gesagt wurde, dass er immer pünktlich ist, wollte ich auch nicht zu spät aufstehen. Nach dem üblichen Frühstück und dem morgendlichen Tee, hörte ich bereits um 8.20 Uhr das Auto vorfahren. Natürlich musste ich mich nun ein wenig mehr beeilen aber ich schaffte noch alles.

Dave kam mit seinem Ford Mercury aus dem Jahr 1948, denn wir beide wollten zusammen mit seinem Autoclub auf eine kleine Tour gehen. Und das Auto ist ein echt schöner Oldtimer. Es ist unglaublich groß, hat keine Servolenkung und verbraucht ca. eine Gallone Treibstoff auf 12 Meilen. (ca. 20 Liter auf 100km). Aber es ist auch unglaublich schön rot mit Chromleisten, einem hellen Leder für die Innenausstattung und einem satten Sound des V8 Motors. Und schon ging es los.
Erstmal zu einer dänischen Bäckerei, wo es ein zweites Frühstück und einen Kaffee für Dave gab. Dann hatten wir noch einen kleinen Smalltalk mit der Inhaberin, diese begeistert sich auch für Oldtimer und musste erstmal unser Automobil betrachten. Danach ging es auf den Highway Richtung Downtown Sacramento. Was übrigens gar nicht so einfach ist. Auf der einen Seite sind die Rück- und Seitenspiegel sehr klein und aus irgendeinem Grund konnte Dave nicht das Feld rechts hinter sich sehen. Auf der anderen Seite konnten wir aber auch nicht so schnell fahren wie die anderen. Deswegen fuhren wir größtenteils auf der rechten Spur. Weiterhin ist es auf dem Highway unglaublich laut in dem Wagen, sodass eine Kommunikation relativ schwer ist. Aber trotzdem hatten wir die ganze Fahrt immer ein Gesprächsthema, Dave interessiert sich sehr für das europäische/ und vor allem auch deutsche Leben und wie das alles so abläuft bei uns. Und natürlich da hatte ich eine Menge zu erzählen. Bevor wir die anderen treffen konnten, mussten wir noch einem tanken. Und überall sprechen die Leute einen an, was man doch für ein tolles Auto fährt :)
Weiter ging es dann zum Automobilmuseum in Sacramento, dort wollten wir uns mit den anderen aus dem Autoclub treffen. Das ist übrigens ein Early-Ford V8 Club, d.h. dieser Verein hat sich nur auf die Oldtimer mit V8 spezialisiert. Der V8 Motot wurde anscheinend damals von Ford eingeführt, was so um 1930 gewesen sein muss, die meisten Wagen aus dem Verein stammen aus der Zeit danach bis vielleicht 1950 und wurden von Ford produziert. Aber bevor es losging, hatten Dave und ich noch kurz Zeit um uns das Museum anzusehen. Und dort sind teilweise echt alte, schöne und klassische Autos ausgestellt. Beispielsweise haben wir alte Fords gesehen, einen DeLorean aber auch eine Cobra. Leider keine originale AC Cobra, aber es war trotzdem sehr interessant mal wirklich eine in echt zu sehen. Nebenbei gesagt ist die AC Cobra mein Lieblinsgoldtimer. Und als wir raus kamen, waren dann auch all die anderen Mitfahrer mit ihren Autos angekommen. Vornehmlich alte Leute mit alten Autos aber auch einige junge Leute (vielleicht so 30.) die dem Hotrod-Trend folgen (Meiner Ansicht nach: Oldtimer tunen und die Höchstgeschwindigkeit erweitern). Dann gab es die Gruppenbesprechung und die Route wurde genauer erklärt. Jeder bekam übrigens eine Art ausgedrucktes Navi, wo für den Notfall draufsteht, wo man wie abbiegen muss. Das Blatt Papier war für mich, Dave gab mir auch noch zusätzlich eine regionale Karte, damit ich verfolgen konnte wo wir sind. Außerdem wurde ich der Gruppe vorgestellt und natürlich, wie immer wird gefragt wo man herkommt und es gibt immer irgendwen der schonmal in Deutschland war und seine Erfahrungen teilen möchte :D
Und dann gings auch wirklich los, alle reihten sich auf und wir fuhren los. Erstmal durch Oldtown Sacramento und dann raus auf den Highway/Freeway (Keine Ahnung wo der Unterschied ist) nach Westen. Sacramento liegt übrigens in einem extrem breiten und flachen Tal, durch das sich einige kleinere und größere Flüsse schlägeln. Als erstes fuhren wir an Davis vorbei. Davis ist für sein College/Universität bekannt, hier wird vor allem Landwirtschaft und Ingenieurswesen unterrichtet und Kristen, aber auch ihr Bruder sind hier zum College gegangen. Nach wenigen Meilen ging es runter von der Schnellstraße und weiter rein ins Land. Unser Tourführer muss in der Gegend damals aufgewachsen sein und so fuhren wir über die kleinsten Straßen durch die Gegend. Aber die Gegend ist auch echt beeindruckend. Am Horizont sieht man vereinzelnt Berge und bis dahin nur Plantagen. Wenn wir schon mal bei Werde durch die Obstplantagen gefahren seid, dann wisst ihr, dass diese schon sehr groß sein können, aber hier ist es unbeschreiblich wie groß die Felder sind und vor allem, dass es bis zum Horizont nur Felder gibt. Aber was genau wird denn hier angebaut? Viele Nüsse, vorallem Mandeln, Walnüsse etc. aber auch Wein und teilweise auch Obst, wie Orangen oder Erdbeeren. Und noch etwas was spätere eine Rolle spielt. Weiter ging es über die kleinen Straßen nach Winters. Winters ist wieder so eine kleine typische Stadt in ländlichen Amerika. Dort kreuzen sich zwei größere Straßen und an der Kreuzung gibt es ein kleines Zentrum, mit Restaurants, einem wohl sehr bekannten und ursprünglichen Hotel und ein weiteren Geschäften. Dort machten wir das erste mal Pause. Eine kleine Pinkelpause und Zeit um sich den Straßenzug anzusehen. Und die Stadt ist auch gar nicht so unschön. Viele Backsteinfassaden und alle Bäume gerade am blühen. Auch muss die Stadt ein Treff für Fahrradfahren sein, überall sah man Rennräder und deren Besitzer rumstehen. Radfahren ist sowieso in Kalifornien sehr viel mehr verbreitet als bei uns. Selbst einige Tour de France Fahrer kommen im Frühjahr hierher und trainieren.
Bevor es weitergehen konnte, mussten wir aber erstmal vom Parkplatz runter und das war schon eine große Aufgabe. Rückwärts Ausparken mit so einem großen Auto und ohne Servolenkung muss wohl sehr schwer sein. Aber nach ein bisschen Zirkeln kamen wir auch vom Parkplatz runter. Weiter ging es durch die Plantagen und diese wollten wirklich nicht aufhören. Immer wieder bogen wir ab und trafen ab und zu auf kleinere Dörfer voller Bauern aber es nahm kein Ende. Bis wir schlussendlich fast an der Gebirgskette angekommen waren, die ich vorher am Horizont erblocken konnte. Dort gab es plötzlich keine Felder mehr und nur nach grünes Gras. Aber wir sahen viele Menschen in neonroten Jacken durch de Berge streifen und Dave erklärte mir, dass die alle für die Vogeljagd da waren. In der Nähe muss es wohl eine Vogelzucht geben, die ab und zu Vögel zum Abschuss freigibt. Weiter ging es aber wieder im Flachland. Nach einer kurzen Pause, nachdem wir einige Mitfahrer verloren hatten, kamen wir an eine kleine Kapelle mitten im Nirgendwo. Aber sie war sehr schön und auch der dazugehörige Friedhof war sehr interessant. Dort lagen teilweise noch Menschen aus dem 19.Jahrhundert und ab und zu auch welche mit deutschen Nachnamen. Dave hatte mich vorher gefragt ob Ullmann auch ein deutscher Name sei, der sich von einer Berufsbezeichnung ableitet, aber die musste ich leider verneinen. Trotzdem konnte ich ihm auf dem Friedhof einen Namen zeigen, der sich ableitet und der Name Zimmermann. Aber jetzt wo ich hier sitze habe ich natürlich nachgesehen, woher Ullmann kommt und bin fündig geworden. Ullmann bezeichnet einen lang ansässigen (Erbgut-) Besitzer. Für die Ullmänner unter euch und die die Interesse an der Geschichte des Names, verlinke ich euch hier den passenden Artikel dazu.
Aber zurück nach Kalifornien und zu den Oldtimern, wenig später erreichten wir unser eigentliches Ziel Woodland. Einer etwas größeren Stadt westlich von Sacramento. Dort kehrten wir ein und es gab echt gute Burger. Es gab sogar Burger mit Vollkornbrötchen, was natürlich für mich perfekt war. Nach dem Essen löste sich die ganze Veranstaltung etwas auf und jeder fuhr nach Hause. Aber nicht wir. Wir fuhren über einen großen Highway, der ca. 10m über dem eigentlichen Boden verlief und da alles so grün war, dachte ich es sei das Flussdelta, von dem Dave mir am Anfang erzählte hatte. Aber nein so war es nicht ganz. Dave erzählte mir, dass diese Fläche regelmäßig geflutet wird, da das Reisfelder sind. Und ganz ehrlich, jetzt versteh ich auch langsam, warum Kalifornien im Sommer mit Wasserengpässen zu kämpfen hat. Wer kaum Wasser hat und dann noch Reis und Mandeln anbaut, könnte wohl selbst Schuld sein. Aber naja, die Bauern kamen vor über 100-200 Jahren hierher und seitdem gibt es diese Tradition der Landwirtschaft. Da kann man nicht einfach sagen, dass diese nun ab Morgen nicht mehr wässern dürfen. Übrigens baut Kalifornien den Großteil der Mandeln an, die weltweit verkauft werden.
Weiterhin fuhr Dave fuhr noch zu eine Freund, der beruflich Oldtimer restauriert und auch solche Hotrod Autos baut. Und das war auch schon sehr erstaunlich zu sehen was da alles an Arbeit etc. reingeht, bevor man so ein Auto auf der Straße sieht. Aber dann war die Tour wirklich fast zu ende und wir fuhren zurück nach Granite Bay. Und abschließend kann ich sagen, dass es sich echt gelohnt hat. Es war sehr interessant die Oldtimer aber auch die Landwirtschaft rund um Sacramento zu sehen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Tour fast wie eine Firefighter Springbike Tour war. Viele ältere Leute (und ein paar jüngere) fahren bei schönem Wetter zu einem Ausflugsziel in ihrer Region, schauen sich etwas interessantes an und am Ende gibt es ein gemütliches Beisammensein mit gutem Essen.
Hier angekommen, war ich noch allein zuhause, da Kristen noch reiten war. Später kochten wir noch Lasagne zusammen und schon war dieser Tag auch vorbei.