#070 Von Zügen, deutschem Kassler und 2 US-Dollar

Moin moin,

heute könnt ihr euch auf was gefasst machen. Gestern hatte ich eher weniger zu berichten aber heute, am Mittwoch den 05.04.2018, habe ich extrem viel erlebt. :)

Alles fing wie immer mit dem Frühstück an. Kurz danach kam auch schon Dave um mich abzuholen, auch brachte er einen großen Bohrer mit, den ich noch für die Waschmaschine brauchte. Und dann ging es auch schon kurz nach 9 Uhr los, da wir einen sehr voll geplanten Tag hatten.
Die erste Station war die lokale Feuerwehr. Dave wusste irgendwoher, dass diese eine Art Mitläufer Programm hat und dachte es könnte spannend für mich sein. Nach ein paar Minuten hatte ich auch schon all die Papiere in der Hand, die ich auszufüllen hatte und wir konnten weiterziehen. Zwischendurch ging es noch schnell zur Tanke und dann auch schon auf den Highway Richtung Downtown Sacramento, zu unserem nächsten Ziel. Unser nächstes Ziel war das Eisenbahnmuseum in der Altstadt von Sacramento. Aber vorher hatte Dave noch ein kleines Geschenk für mich. Es war ein 2 Dollar-Schein :) Vorher wusste ich überhaupt nicht, dass es sowas gibt und Dave erzählte mir, dass dieser sehr sehr selten sei. Darüber habe ich mich sehr gefreut, ich werde ihn behalten und ihm ein Platz an meiner Bilderwand geben. Übrigens sind ca. 1% aller US Dollarnoten nur 2 Dollarnoten. Meistens ist die Zahl der Scheine im Umlauf aber noch kleiner als das eine Prozent, da viele Menschen ihn behalten und nicht weiter ausgeben.
Und dann waren wir auch schon am Eisenbahnmuseum, aber warum hat Sacramento solch ein Museum?
Von Sacramento aus ging der Ausbau der Transamerikanischen Eisenbahn aus. Vor diesem Ausbau war nämlich nur der östliche Teil von den USA mit der Eisenbahn erschlossen, da sich noch niemand an den komplizierten Bau der Eisenbahn über die Sierra Nevada gewagt hatte. Erst mit dem Goldrausch (Anfang war 1848) begann der Bedarf zu wachsen, immer mehr Güter und Menschen zeiteffektiv über diese Strecke zu transportieren. 1862 suchte nun ein findiger Geschäftsmann (T. Judah) für den Bau der Eisenbahnstrecke. In Sacramento fand er die "Big Four", welche nach etwas Überlegung in das Projekt investierten. Kurze Zeit später konnten die Bauarbeiten auch schon losgehen. Es war besonders schwer einen Weg über die Sierra Nevada zu finden, da die Strecke eine maximale Steigung von 2 feet auf 100 feet Wegstreck haben durfte. Dafür mussten sehr viele Tunnel gegraben, Brücken gebaut und Schneefänge konstruiert werden mussten. Was denkt ihr wer hat diese Arbeit für den amerikanischen Traum erledigt? Natürlich waren es nicht die Amerikaner, die damals die Arbeiten noch mit der Hand erledigen mussten. Nein es waren vornehmlich 15.000 angeheuerte Chinesen aber auch viele Iren. Auf dem langen Weg verlegten diese Bauarbeiter auch hunderte Meilen an Schienen und stellten damals noch einen bis heute gültigen Rekord auf (laut Dave). Damals wurden knapp über 10 Meilen an Schienenstrecke an einem Tag per Hand gelegt. Und das ist schon ziemlich beeindruckend. Bereits 1869 wurde das Stück von Sacramento an die bestehende Strecke an die Ostküste angeschlossen und damit wurde die erste transkontinentale Eisenbahn fertiggestellt. Und das ist der Grund warum Sacramento ein Eisenbahnmuseum hat. Das schöne ist, dass das Museum nicht so ein schnödes langweiliges Museum ist, sondern ein wirklich interessantes und vielfältiges Museum ist. Am Anfang sahen wir einen zwanzigminütigen Film über die Eisenbahn und deren Einfluss auf den amerikanischen Traum, was ein wirklich sehr guter Dokumentarfilm war. Weiter ging es durch die Geschichte. Als erstes liefen wir durch einen Raum, in dem die Bauarbeiten für die transkontinentale Eisenbahnstrecke nachgestellt waren. Weiter ging es dann in einen reisen Raum, der früher als Lokschuppen gedient haben muss und überall standen Züge, Lokomotiven und Waggons aus allen Zeitepochen. Angefangen von einem der ersten Personenwaggon bis hin zum aktuellen Schnellzug von Siemens. Wir haben Kühlwagen gesehn, die Obst durch ganz Amerika gekarrt haben und dabei immer wieder halt machen mussten um Eis nachzufüllen. Eine "Eisstation" war übrigens auch am Lake Tahoe, wo das Eis im Winter immer frisch geerntet wurde aber auch hier in der Nähe gab es eine. Auch haben wir einen alten Postwaggon gesehen, in dem früher die Post gleichzeitig transportiert und auch sortiert wurde. Solche Wagen waren teilweise noch bis 1950 (hoffentlich die richtige Zahl) im Einsatz, bis sie später von LKWs und Postflugzeugen ersetzt wurden. Wir wissen ja alle wer den ersten erfolgreichen bemannten Postflug hinter sich gebracht hat. Weiterhin waren wir in einem alten Schlafwagen, wo sogar das ruckeln auf der Schiene nachgestellt wurde. Außerdem gab es einen Speisewagen, der früher von Hollywood nach Norden fuhr. Damals kostete ein Ticket dafür 110 USD aber das Durchschnittseinkommen war damals wesentlich niedriger (Im Cents-Bereich). Deswegen fuhren aber auch viele Hollywood Stars mit diesem Speisewagen. Was wir auch noch betrachten konnten, war ein privater Reisewaggon aus früherer Zeit. Was natürlich auch ausgestellt war, waren diverse Lokomotiven, große, kleinere, Dampf-, Strom-, Kohle-, oder Dieselbetrieben. Auch sahen wir diesen riesigen Schneefräse, die auch in der Sierra Nevada eingesetzt wird. Auch sahen wir eine unendliche große Dampflok, die über 6000 PS hatte und rund 4000 Liter Bunkeröl auf dem Weg hoch zum Lake Tahoe verbrannt hat. Im Einsatz war diese Lok , die gefühlt länger als eine 50m Bahn ist, noch bis 1950. Aber es wurde auch nie langweilig. Beispielsweise kamen wir an einem Infostand vorbei wo gezeigt wurde, wie früher die Schieneninstandsetzung funktioniert hat. Dave hatte damals auch für einen Sommer in dieser Branche gearbeitet um sich Geld für sein Auto (der heutige Oldtimer) zu verdienen. Und so verbrachten wir einige schöne Stunden um Eisenbahnmuseum von Sacramento.
Unsere nächste Station war das Lunch am Sacramento River. Das Museum liegt dort auch in der Nähe und wir hatten nur einen kurzen Weg durch Oldtown Sacramento. Sacramento gibt es übrigens seit 1839 und die Aldstadt, sieht natürlich wie immer so aus wie eine typische amerikanische Stadt, die einen kleinen Western-Touch hat. Einmal im Jahr gibt es hier sogar ein Festival, bei dem das alte Sacramento nachgestellt und gefeiert wird. Dafür werden die Straßen sogar mit Erde bedeckt und Pferdekutschen rollen durch die Altstadt. Nach dem kleinen Weg kamen wir an einem sehr netten Cafe/ Restaurant direkt am Fluss an. Dort hatten wir ein sehr gutes Mittag und planten den weiteren Tag. Auf dem Rückweg zum Auto gingen wir wieder durch die Altstadt und kamen an einer Statue vorbei, bei der ein Mann ein Pony ritt :D Und was glaubt ihr ist die Geschichte dahinter? Wisst ihr nicht? Kennt ihr nicht den berühmten Pony Express? :D Ich persönlich nicht, aber Dave konnte mir natürlich wieder eine spannende Geschichte erzählen. Und zwar mussten ja wichtige Briefe und Waren auch schon vor der Eisenbahnlinie nach Sacramento transportiert werden. Und da eine Postkutsche damals sehr lange durch die bergige Sierra Nevada gebraucht haben muss, gab es den Pony Express. Das ganze funktionierte so: Alle 20 Meilen gab es eine Station mit Pony, diese Kette zog sich den ganzen Weg runter nach Sacramento. So konnte der Postmann / Bote immer 20 Meilen mit einem Pony galoppieren um dann sein "verbrauchtes" Pony an solch einer Station gegen ein "frisches" zu tauschen. Die erschöpften Ponys konnten sich dort erholen und der Bote verlor keine Zeit. Eine sehr interessante Geschichte muss ich sagen :D
Zurück im Auto suchten wir die Adresse, der deutschen Metzgerei raus, mit der wir am Vormittag schon telefoniert hatten. Der Plan war nämlich, dass ich für alle ein typisch deutsches Gericht koche. Dafür hatte ich mir Kassler ausgesucht, was ich auch selbst sehr mag. Eine Weile später, kamen wir bei diesem Geschäft an und schon beim reinkommen, merkte man, dass es deutsch war. Es gab alle möglichen deutsche Fleischprodukte, von Thüringer Bratwurst (ja ich weiß, dass es keine Thüringer sein kann, da diese sonst in Thüringen gefertigt werden müsste) bis hin zu deutscher Wurst aber auch Mett. Weiterhin gab es noch Sauerkraut, Spreewaldgurken und Milkaschokolade aber noch viel mehr. Wir waren ja auf der Suche nach Kassler und das bekamen wir auch dort. Ich konnte sogar meine Bestellung auf Deutsch aufgeben, da der Verkäufer sehr gut Deutsch sowie auch Englisch sprach. Seine Mutter muss damals aus Deutschland emigriert sein. Auch er hat seine Meisterausbildung in Deutschland gemacht und hatte auch rein körperlich viel von einem Deutschen. Weiterhin nahmen wir noch sein Sauerkraut mit, ein paar Bratwürstchen und eine Tafel Milka-Triolade, da diese so gut bei meinen Gastgebern ankam. Weiterhin machte der Verkäufer noch einen guten Vorschlag, ich solle doch mal Rouladen kochen und er habe auch alles dafür da. Und ich werde garantiert auch mal Rouladen kochen. Weiter ging es dann den längeren Weg zurück, raus nach Granite Bay. Dort gingen wir noch die restlichen Einkäufe tätigen. Was ich vor allem suchte, waren Obst für meinen Nachtisch (den guten alten Obstsalat. Danke nochmal für den Tipp Jule :) ) aber auch Wurzelgemüse für das Kassler, bzw. die Soße. Möhren waren kein Problem, aber ich suchte auch noch Sellerie. Zum Glück hatte ich die Übersetzung davon rausgesucht und konnte Dave sagen was ich suche. Dave wurde auch fündig und brachte mir Selleriestängel. Was ich natürlich nicht suchte, sondern die Knolle. Es gab nicht mal Suppengemüse oder so etwas. In der hintersten Ecke fand ich dann noch Minisellerieknollen. Selbst die Dame an der Kasse musste uns fragen was das ist, da sie die Knolle nicht kannte. Mittlerweile kann ich mir auch denken, warum die Arbeitslosenqoute in den USA niedriger (4,5%) als in Deutschland (5,5%). An jeder Kasse gibt es mindestens 2 Servicekräfte, wenn nicht sogar 3. Hier läuft das nämlich alles etwas anders ab, als in Deutschland. Man gibt sozusagen an der Kasse seinen vollen Wagen ab und dann nimmt die Kassiererin die einzelnen Teile aus dem Wagen und scannt sie. Ein bis zwei weitere Personen tüten dann die Einkäufe ein und legen sie wieder in den Wagen für dich. Und so werden so viele Menschen in den USA beschäftigt. Und dann hatten wir alles für das abendliche deutsche Essen und konnten zu Dave fahren. Dave wohnt auch hier in der Nähe von Granite Bay in einem Haus. Ganz in der Nähe von dem Stausee hier.
Bei Dave angekommen, fuhren wir erstmal in die Garage neben Daves Oldtimer. In seiner Garage steht auch noch ein Porsche Boxter aus dem Jahre 2001 und er hat mir angeboten, dass ich diesen mal fahren darf wenn wir das mit der Versicherung hinbekommen. Er meinte, dass er mir mal die Städte hier im Umland zeigen möchte welche damals beim Goldrausch gegründet wurden und dass seinem Porsche eine Ausfahrt mal gut tut, seitdem er nicht mehr so häufig damit fährt. Weiterhin wurden wir dann von seinen Hunden begrüßt. Er hat einen Labrador und einen Golden Retriever, auch war der Golden Retriever von Rose da.
Und schon konnte es auch schon mit dem Kochen losgehen, da in einer Stunde von die anderen Gäste kommen und es in zwei Stunden Essen geben soll. Aber hier nochmal das genaue Menü . Als Hauptgang gab es Kassler mit Sauerkraut und dazu Kartoffeln und Soße, typisch deutsch halt. Zum Nachtisch hatte ich einen Obstsalat mit kalifornischen Rosinen und Walnüssen. Und auch das Kochen an sich hat gut funktionier. Hier für alle ein kleines Rezept. Als erstes brät man das Fleisch im Topf an und gibt dann das Wurzelgemüse hinzu. Nach kurzer Zeit in der Pfanne wird dann mit Wasser und oder etwas Wein aufgegossen. Dann hat man etwas Zeit, da das ganze 1,5 Stunden köcheln muss. In der Zwischenzeit kann man sich schon mal um die Kartoffeln und das Obst kümmern. Später setzt man die Kartoffeln auf und kocht das Sauerkraut nochmal. Am Ende der 1,5 Stunden kann man das Fleisch rausholen und alles was noch im Topf ist zu einer Soße pürieren. Und schon ist das deutsche Kassler fertig.
Auch die Gäste waren schon da (Titelbild von links nach rechts) Nancy, eine Freundin von Dave, dann Kristen und Alex. Am Kopf saß Dave, daneben ich und neben mir saß Rose. Loren, die Frau von Dave, hat das Bild aufgenommen.
Das Essen hat allen sehr gut geschmeckt, sowohl das Kassler als auch der Obstsalat als Nachtisch und so sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ich demnächst nochmal Rouladen kochen soll.
Dann fuhr ich mit Kristen und Alex nach Hause und viel wie immer müde ins Bett.

Heute habe ich echt viel schöne Dinge erlebt :)

Viele Grüße

Niklas

Kommentare

.... sieht ja lecker aus!!!!

Hallo, Du hast ja wirklich eine interessante und lehrreiche Zeit. Das Eisenbahnmuseum, der Einkauf, der deutsche Fleischer und die handwerklichen Fähifkeiten, die Du erwirbst. Ich finde das ganz toll. Wie Dave dort am Tisch sitzt ,sieht er aus als wäre es mein Vater. Vielleicht hast Du noch mal ein größeres Bild von ihm? Ich mußte direkt 2x hinsehen. Das Essen sah sehr gut aus!